Fast 7.600 Österreicher gingen 2006 Pleite:
Privatinsolvenzen dramatisch angestiegen

Gesamtinsolvenzen 2006 um 6,2 Prozent gestiegen Firmenpleiten im Vorjahr sogar um 3,9 % gesunken

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Österreich ist im Vorjahr mit 17,4 Prozent auf insgesamt 7.583 Pleiten dramatisch angestiegen. Damit übertrafen sie 2006 erstmals die Firmenpleiten, die im Berichtsjahr um 3,9 Prozent auf 6.854 Fälle zurückgegangen sind. Dies geht aus der veröffentlichten Insolvenzstatistik der Creditreform hervor.

Die Zahl der Gesamtinsolvenzen (Firmen und Private) erhöhte sich im Vorjahr um 6,2 Prozent auf insgesamt 14.437 Pleiten. Die Zahl der insolventen Unternehmen ist im Detail - weiter auf hohem Niveau - um 3,9 Prozent auf 6.854 Fälle gesunken. Die eröffneten Verfahren sind um 6,1 Prozent auf 3.040 Pleiten zurückgegangen. 55,7 Prozent oder 3.814 aller beantragten Firmeninsolvenzen wurden mangels Masse abgewiesen, was für Gläubiger der worst case bedeutet.

17,4 Prozent mehr Privatinsolvenzen
Bei den Privatinsolvenzen hingegen wurden 6.272 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet, das waren um 17,4 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Dank der qualifizierten Beratung durch die Schuldnerberatungsstellen wurden lediglich 1.311 Fälle mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen (+17,1 Prozent).

Wien führt bei Unternehmensinsolvenzen
Wien führte in absoluten Zahlen die Statistik der Unternehmensinsolvenzen mit 2.034 (fast jede dritte Insolvenz 2006) an. Allerdings ist diese Zahl gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent gesunken. Die stärksten Rückgänge waren in den Bundesländern Vorarlberg (-14,1 Prozent, gesamt 269 Fälle) und Salzburg (-13,6 Prozent, gesamt 452 Fälle) zu verzeichnen. Zuwächse gab es im Burgenland (+20,3 Prozent, gesamt 237), in Oberösterreich (+2,6 Prozent, gesamt 924) und in der Steiermark (+1,5 Prozent, gesamt 838). Niederösterreich blieb mit plus 1,1 Prozent bei 1.062 Insolvenzen annähernd stabil.

Auch bei Privatinsolvenzen Wien vorne
Bei den Privatinsolvenzen zählte die Bundeshauptstadt mit 2.235 Insolvenzen einen Rekordzuwachs von 52,6 Prozent. Danach folgten Kärnten (+26,9 Prozent) und Tirol (+12,8 Prozent). Hingegen ging die Zahl der Privatinsolvenzen im Burgenland (-18,8 Prozent), in Vorarlberg (-8,5 Prozent) und in Salzburg (-4,7 Prozent) zurück.

Land- und Forstwirtschaft beste Entwicklung
Die günstigste Entwicklung hat die Land- und Forstwirtschaft mit lediglich 14 Insolvenzen (-48,2 Prozent) vorzuweisen. Ebenso zeichnete sich für den heimischen Handel ein sehr erfreuliches Bild: 1.067 Insolvenzen bedeuteten einen Rückgang um 32,1 Prozent. Ebenso rückläufig war die Entwicklung in der Branche Transport und Verkehr (-17,2 Prozent auf 515 Insolvenzen) und in der Branche Tourismus und Freizeitwirtschaft (-11,3 Prozent auf 956 Insolvenzen). Diese besonders positive Entwicklung im Handel und Tourismus kann auf eine starke Konsumfreudigkeit und ein Verweilen der österreichischen Tourismuswirtschaft auf hohem Niveau (mit steigendem Kongresstourismus und den Nebenwirkungen von Mozartjahr und EU-Ratspräsidentschaft) zurückgeführt werden.

Aufklärungskampagne geplant
Der Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen auf der einen Seite und der Zuwachs an Unternehmensneugründungen (lt. Junge Wirtschaft über 30.000 p.a.) auf der anderen Seite zeichneten für 2006 ein volkswirtschaftlich günstiges Bild. Der rasante Zuwachs an Privatinsolvenzen werde von manchen im Sinne einer Entschuldung und Möglichkeit zum Neustart der Privatpersonen begrüßt, sei aber in Hinblick auf die Situation der Gläubiger besorgniserregend, so die Creditreform. Eine breit angelegte Aufklärungskampagne von Gläubigerschützern, Schuldnerberatungsstellen und den Sozialpartnern über den Umgang mit Geld und Kredit könnten Schuldner und Gläubiger schützen.

(apa/red)