Fassungslosigkeit in Italien nach Tod von Polizisten: Fußball steht nach Krawallen still

Prodi kündigt Maßnahmen zur Gewaltbekämpfung an Vatikan fordert einen einjährigen Meisterschaftsstopp<br>PLUS: Bilder von den schweren Unruhen in Catania

Fassungslosigkeit in Italien nach Tod von Polizisten: Fußball steht nach Krawallen still

Nach dem gewaltsamen Todes des 38-jährigen Polizisten Filippo Raciti im Rahmen des Serie-A-Spiels zwischen Catania und Palermo am Freitagabend herrscht in Italien Fassungslosigkeit. Sämtliche Liga-Spiele wurden abgesagt, auch das für Mittwoch angesetzte Länderspiel gegen Rumänien findet nicht statt. Regierungschef Romano Prodi kündigte an, bei einem am kommenden Montag geplanten Gipfeltreffen schärfste Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewalt im italienischen Fußball zu ergreifen.

"Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die die Verantwortung der Fußball-Klubs gegenüber den Ultras stärkt. So kann man nicht mehr weitermachen. Die Leute müssen begreifen, dass die Stunde einer Wende gekommen ist. Auch im Sport drückt sich die Reife und die Ernsthaftigkeit eines Landes aus", sagte der Regierungschef.

Ein Toter, ein Schwerverletzter sowie 71 Leichtverletzte lautet die traurige Bilanz der Ausschreitungen. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, 14 Personen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen, neun davon sind minderjährig. Laut Auskunft der Staatsanwalts von Palermo, Renato Papa, hatte sich der getötete Polizist in einem Auto befunden, als er von einem großen Stein an der Brust getroffen worden war. Dazu habe er den Rauch eines Sprengkörpers eingeatmet, der in der Nähe des Autos explodiert sei und zum Tod des Polizisten geführt habe.

Innenminister will keine Polizisten mehr entsenden
Der Präsident des italienischen Fußballverbandes (FIGC), Luca Pancalli, betonte, dass der nach dem Tod des Polizisten in Catania beschlossene Meisterschaftsstopp so lange dauern werde, bis einschneidende Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewalt ergriffen seien. Der Vatikan forderte eine einjährige Spielpause in der Serie A, Innenminister Giuliano Amato drohte, dass er keine Polizisten mehr in die Stadien entsenden werde.

Der Staatsanwalt von Catania, Renato Papa, betonte, dass die italienische Gesetzgebung unzulänglich sei, um die Plage der Gewalt in den Stadien zu bekämpfen. "Es gibt ungenügende Vorbeugungsmaßnahmen. Ultras, die wegen Gewalt verurteilt werden, werden fast sofort enthaftet, wenn sie nicht vorbestraft sind. Italien braucht strengere Gesetze wie im Ausland", so der Staatsanwalt.

Das seit jeher emotionsgeladene sizilianische Derby war nach den Vorkommnissen auf den Rängen in der 57. Minute unterbrochen worden und wurde erst nach rund 40-minütiger Pause fortgesetzt. Die Polizei setzte auch Tränengas ein, um die Randalierer unter Kontrolle zu bringen. Die schlimmsten Krawalle ereigneten sich jedoch erst nach dem Spiel außerhalb des Stadions Angelo Massimino.

Zweites Todesopfer innerhalb einer Woche
"Das sind Verbrecher. Wir haben heute alle verloren", sagte der Vereinspräsident von US Palermo, Maurizio Zamparini. Ein Wochenende zuvor war bereits in Luzzi ein Funktionär eines Amateurvereins getötet worden, als er versuchte, streitende Spieler und Fans zu trennen.

Zum Gedenken des bei den Ausschreitungen in Catania getöteten Polizisten wird an diesem Wochenende bei allen in Italien geplanten Sport-Veranstaltungen eine Schweigeminute abgehalten.

(apa/red)