Farnik und Knögler verpassen das Podest:
Schützen verlassen Olympia mit Platz 5 & 6

Kleinkaliber-Dreistellungsmatch-Gold geht an Qiu Jian Matt Emmons wird auch in Peking vom Pech verfolgt

Farnik und Knögler verpassen das Podest:
Schützen verlassen Olympia mit Platz 5 & 6 © Bild: APA/Fohringer

Mit den guten Plätzen fünf und sechs im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch haben Österreichs Sportschützen Thomas Farnik und Mario Knögler für einen starken Olympia-Ausklang gesorgt. Für eine Medaille reichte es aber auch im "Königsbewerb" nicht. Das Finale war von einem neuerlichen Drama um den US-Weltklasseschützen Matt Emmons geprägt, die wie schon vor vier Jahren in Athen den sicheren Sieg mit einem katastrophalen letzten Schuss verlor. Gold ging damit an den Chinesen Qiu Jian.

Nachdem sie im Luftgewehr und Kleinkaliber-Stehendbewerb keinen Finaleinzug geschafft hatten, zeigten Österreichs schießende Medaillenhoffnungen zum Ausklang eine starke Leistung. Farnik, der mit dem Luftgewehr hauchdünn gescheitert war, war sogar Bester im Knieend (394) und zog mit einem Total von 1.171 Ringen als Siebenter unmittelbar vor Knögler (1.170) ins Achter-Finale ein. Mit einem Endergebnis von 1.268,9 Ringen verpasste Farnik dann Bronze aber um 2,8 Ringe und doch relativ klar.

Beide Österreicher hatten freilich schon zu viel Rückstand aus der Qualifikation, um im Finale noch wirklich in den Medaillenkampf eingreifen zu können. "Leider habe ich es im liegend vertan, weil ich den Wind anfangs unterschätzt habe. Stehend und knieend war dann Weltklasse", sagte Farnik nach seinem fünften und wohl letzten Olympia-Auftritt.

Farnik trauert Medaillenchance nach
"Vier, fünf Ringe mehr im liegend und ich hätte ganz vorne sein können", bedauerte Farnik. "Ich habe aber auch so bei meinem vielleicht letzten Olympiastart mein bisher bestes Ergebnis überhaupt gebracht", bilanzierte der 41-jährige Wiener. "Ich kann jedenfalls mit guten Erinnerungen heimfahren."

Ähnlich sah es Knögler, der im Liegend-Einzelbewerb als 30. das Finale noch klar verpasst hatte. "So wollte ich nicht heimfahren. Ich habe im Finale noch angegriffen, Plätze gut gemacht und gezeigt, was ich wirklich kann", meinte der 29-jährige Oberösterreicher. "Eine Medaille wäre aber nur noch bei krassen Fehlern Anderer drin gewesen."

Österreicher bleiben unter ihren Zielen
Österreichs Schützen, die seit 1960 für acht Olympia-Medaillen gesorgt haben, sind damit in Peking unter ihren Zielen geblieben. "Der letzte Bewerb war sehr erfreulich. Wir wussten aber, dass wir in jedem Bewerb eine Medaille gewinnen können, deshalb haben wir die Erwartungen nicht ganz erfüllt", gab ÖSB-Generalsekretär Florian Neururer zu. "Wir hatten aber eine perfekte Vorbereitung, können uns also nichts vorwerfen." Beim Aufbau der Jugend für die Spiele 2012 soll nun auch Farnik mithelfen. Ein Angebot als ÖSB-Trainer liegt vor.

Emmons ein olympischer Pechvogel
Matthew Emmons hat sich endgültig das Prädikat olympischer Pechvogel eingehandelt. Der in der deutschen Bundesliga für Plattling startende Gewehrschütze aus den USA lag im Finale des Dreistellungskampfes mit dem Freien KK-Gewehr nach neun Finalschüssen mit 3,3 Ringen in Front. Im letzten Versuch verfehlte er mit 4,4 Ringen aber sogar das Schwarze und fiel auf Platz vier zurück.

Vor vier Jahren in Athen war Emmons ein noch ärgeres Missgeschick unterlaufen. Als klar Führender hatte er damals auf eine falsche Scheibe geschossen und war nur Achter geworden. Dieser Fauxpas hatte damals u.a. dem Österreicher Thomas Planer noch zu Bronze verholfen.

Allerdings hatte Emmons das damalige Pech schon am selben Abend verschmerzen können, als er auf einer Athletenparty die Bekanntschaft der Tschechin Katerina Kurkova machte, die jetzt seine Ehefrau ist. Die Pilsenerin schießt ebenfalls in der deutschen Bundesliga für Meister Coburg. Ihrem Verein hat sie bereits eine mögliche nach-olympische Babypause angekündigt.

Unfassbares Pech
Die Peking-Olympiasiegerin mit dem Luftgewehr und Zweite mit dem Sportgewehr konnte auf der Zuschauertribüne das erneute Pech ihres Mannes nicht fassen. Am Ende musste Matthew seine Katerina noch trösten. "Ich kann mir das erneute Blackout nicht erklären. Doch drei Medaillen in der Familie sind auch okay", meinte der 27-Jährige aus New Jersey. Emmons, Athen-Olympiasieger im Liegend-Match, hatte in Peking am Freitag Silber in dieser Disziplin gewonnen.

Selbst eine 6,7 hätte Emmons beim letzten Schuss im KK-3 schon gereicht. "Ich beginne mit dem Zielen auf 12 Uhr über der Scheibe und gehe dann langsam nach unten. Dabei ist der Schuss irrtümlich und etwas zu früh losgegangen", erklärte Emmons, der sich aber schnell wieder gefasst hatte. "So verrückte Sachen passieren eben. Der Schuss ist irrtümlich losgegangen, mehr ist dazu nicht zu sagen", erklärte er.

Sieger Qiu, der damit am Schlusstag der Schießbewerbe das fünfte Gold für China holte, gab zu: "Diese Goldene habe ich mit ein bisschen Glück gewonnen."

Mitgefühl von Seiten der Österreicher
"Da muss er an Athen gedacht haben. Er tut mir echt leid, weil er grandiose Leistungen erbringt", litt Knögler mit Emmons mit. "Da sieht man, wie entscheidend bei uns der Kopf ist." Der frühere Medaillengewinner Wolfram Waibel Jr. analysierte: "Das war sicher kein kontrollierte Schuss, es muss ein Reflex gewesen sein. Vielleicht ist ihm sein schwerwiegender Fehler von Athen eingefallen", rätselte Waibel, hatte aber auch Verständnis. "Auch Skifahrer haben schon Stöcke fallen gelassen."

Auch Farnik war fassungslos. "Fast unverständlich, wie so etwas passieren kann. Ich habe ihn schon vor vier Jahren getröstet. Er tut mir unendlich leid, denn für mich ist er der beste 3X40-Schütze der Welt", so der Routinier. Das "Ausschießen" sei eben in vielen Sportarten sehr schwierig. Farnik: "Im Tennis bekommen auch viele beim Matchball die Eisenhand!"
(apa/red)