'Fantastische, internationale Visitenkarte': Salzburgs Tourismus profitiert von Rad-WM

Besucherzahl von 330.000 übertraf alle Erwartungen Aber: Gastronomen klagen über ausgebliebene Gäste

"Es war eine fantastische, internationale Visitenkarte, die Salzburg abgeben hat", zog Leo Bauernberger, oberster Tourismuswerber im Land Salzburg, ein erfreuliches Resümee der beendeten UCI Straßen-Rad-WM. Der Werbewert betrug laut Expertenschätzung rund 150 Millionen Euro, 100.000 zusätzliche Nächtigungen wurden verzeichnet.

Die Besucherzahl von mehr als 330.000 hätte alle Erwartungen übertroffen. "Wir rechneten mit rund 250.000", sagte der Chef der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft (SLT). Über zehn Millionen Italiener hätten die "Radfestspiele" im Fernsehen verfolgt. So übertrug der italienische TV-Sender RAI sein Sportstudio ab 19.00 Uhr eine Dreiviertelstunde lang live von der "Salzburger Alm" beim Mirabellplatz aus. Dort wurde der neue Weltmeister Paolo Bettini interviewt - "für den italienischen Markt ein Glücksfall", meinte Bauernberger.

Die meisten Fans kamen aus Italien, den Benelux-Staaten, Deutschland, der Schweiz und den östlichen Nachbarländern. Nicht nur die Gäste, auch die 3.000 Offiziellen lobten die charmante, gastliche Atmosphäre. Dass der Funke der Begeisterung auf die Bevölkerung übergesprungen ist, sieht Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) als "äußert positives Signal für die Olympia-Bewerbung 2014". Burgstaller und ihr Stellvertreter Wilfried Haslauer lobten die perfekte Kooperation zwischen dem Organisationskomitee der Rad-WM und allen beteiligten Gruppen - sie hätten maßgeblich zum sensationellen Erfolg beigetragen.

Bestanden hat die Probe für weitere Großveranstaltungen auch die Polizei. "Das Einsatz- und Verkehrskonzept hat sich bewährt", teilte die Pressestelle des Landespolizeikommandos mit. An den Renntagen hätten jeweils bis zu 750 Beamte aus mehreren Bundesländern die Veranstaltung problemlos abgewickelt. Dank der verstärkten Polizeipräsenz konnten mehrere Straftaten geklärt werden, "in der WM-Woche waren in der Stadt Salzburg die Delikte gegen Leib und Leben gegenüber der Vorwoche rückläufig", hieß es.

Zu dem angekündigten Verkehrschaos kam es nicht. Viele Salzburger ließen ihr Auto zu Hause, fuhren mit dem Rad oder stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um. Tausende Radfans reisten mit der S-Bahn von Salzburg zu den Besucherzentren nach Hallwang, teilte ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer mit. "Die Auslastung der regulären Talentzüge war auch unter der Woche sehr hoch, vor allem von Fahrgästen aus der Region." Von den ÖBB-Kombi-Tickets wurden allerdings nur rund 1.000 verkauft.

Der Umsatz des Einzelhandels in der Innenstadt war zwar nicht berauschend, "die Stimmung an sich war aber gut", bilanzierte Inga Horny von der Altstadtmarketing GmbH. Profitiert von der Rad-WM hätten die Gastronomie und der auf zehn Tage verlängerte Rupertikirtag. "Mit rund 300.000 Besuchern kamen doppelt so viele wie sonst. So ein Sportereignis kann man wieder machen", sagte Horny. Die Geschäfte, die im Nahbereich der Strecke auch am Sonntag aufsperren durften, hätten diese Verordnung nur zum Teil in Anspruch genommen, erklärte Helmut Eymannsberger, Obmann der Sektion Handel in der Salzburger Wirtschaftskammer. "Gut gelaufen ist es im Versorgungsbereich, andere Branchen blieben hinter den Erwartungen zurück. Diesmal kam der Gast hauptsächlich wegen der Radrennen. Er hat aber mitgekriegt, wie schön Salzburg ist. Er wird wiederkommen."

Gastronomen klagen über ausgebliebene Gäste Wehklagen gab es allerdings von den Gastronomen in den Besucherzentren. Der Umsatz liege weit unter den Erwartungen, die Gäste seien ausgeblieben. "Laut Organisationskomitee hätten am Samstag 10.000, am Sonntag 15.000 Besucher kommen sollen. Tatsächlich waren es nur ca. 1.000 bzw. 1.500", klagte Josef Waschl, Organisator des Caterings durch die örtlichen Vereine im Besucherzentrum Hallwang-Zilling.

Von den insgesamt vier Kühlwagen der Brau-Union sei nur einer leer geworden. 15.000 Liter Bier und 12.000 Einheiten anti-alkoholischer Getränke wurden nicht gebraucht, Lieferanten von Brot und Fleisch "blieben auf der bestellten Ware sitzen. Im Zelt des Kongressgastronoms Voithofer in Tiefenbach saßen untertags nur etwa 80 Leute." Waschl kritisierte, dass die Zufahrt zum Sammelparkplatz Hallwang schlecht beschildert war. Zudem seien die Radrennen auf den Video Walls nicht durchgehend übertragen worden.

(apa/red)