Fan-Ansturm erwartet: Auf die Schweizer
EM-Städte warten noch viele Hausaufgaben

Basel sucht EURO-Koordinator, Bern nach Hotelbetten Großbildleinwände und Fan-Meilen noch nicht fixiert

Fan-Ansturm erwartet: Auf die Schweizer
EM-Städte warten noch viele Hausaufgaben

Die Bürgermeister der Schweizer EM-Städte haben bereits ihre Host-City-Verträge unterzeichnet. Mit der Unterfertigung der Kontrakte sind die Vorbereitungen der Eidgenossen aber noch lange nicht abgeschlossen. In den kommenden Monaten müssen Basel, Zürich, Bern und Genf noch einige Hausaufgaben erledigen.

In Basel, Schauplatz des Eröffnungsspiels und eines Semifinales, liegen die Kosten-Vorlagen bei den Parlamenten von Stadt und Land. Doch nach dem Rücktritt von Andrea Müller fehlt ein EURO-Delegierter, außerdem sind konkrete Fragen zum Schweizer EM-Hauptaustragungsort noch offen.

Den Parlamenten wurden Budget-Vorschläge von insgesamt 14,5 Mio. Franken (8,96 Mio. Euro) vorgelegt - eine halbe Mio. Franken (308.928 Euro) mehr als angekündigt. Abgesprochen ist, wie die Sicherheitsorgane zusammenarbeiten. Bei der Polizei rechnet man mit 120.000 zusätzlichen Überstunden, bei Feuerwehr und Sanität mit 27.000 zusätzlichen Stunden.

Konkrete Pläne für Rahmenveranstaltungen gibt es hingegen noch nicht. Vorgesehen sind mehrere Großbildleinwände. Wo genau Public Viewing angeboten wird, steht noch nicht fest. Ein "Fan-Boulevard" zwischen zwei Bahnhöfen der Stadt soll das Geschehen kanalisieren und Auswärtige zu Sehenswürdigkeiten führen. Zwecks Umweltschutz will man konsequent auf Mehrweggeschirr bestehen, auch mittels Zugangskontrollen bei den eingezäunten Großbildleinwänden.

Diskussionen hat in Basel ein Parlamentsbeschluss für ein noch zu definierendes Alkoholverbot außerhalb des Stadions ausgelöst: Wirte fürchten ums Geschäft und Private um Freiheiten.

Großbildleinwände und Fan-Meilen noch nicht fixiert
In Zürich entscheidet das Stadtparlament Ende Jänner über den Kredit von 18 Mio. Franken (11,12 Mio. Euro), der für die EURO notwendig ist, eine Genehmigung dürfte aber nur Formsache sein. Die Einnahmen schätzt der Stadtrat auf 5,1 Mio. Franken (3,15 Mio. Euro). Es handelt sich um Beiträge des Bundes an den Sicherheitsleistungen, Beiträge der UEFA und der EURO 2008 SA im Rahmen des Hostcity-Vertrages sowie Steuer- und Sponsoringeinnahmen.

Im Mai oder Juni sollen die wichtigsten Punkte des Rahmenprogramms vorgestellt werden. Wo sich die Fan-Zonen mit Großbildleinwänden befinden werden, ist noch unklar.

Nach Plan läuft der Neubau des Letzigrunds. Zurzeit ist die Montage der Dachkonstruktion in Gang. Die Eröffnung des Stadions ist für September angesetzt. Für den Neubau hatte das Zürcher Volk 2005 110 Mio. Franken (68,0 Mio. Euro) genehmigt, ebenso 11,3 Mio. Franken (6,98 Mio. Euro) für die Umrüstung des Stadions im Hinblick auf die EURO.

In der Bundeshauptstadt Bern solle die EURO "klein, aber fein" über die Bühne gehen, hatte Stadtpräsident Alexander Tschäppät angekündigt. Bern könne anders als etwa Zürich "nicht mit der großen Kelle anrichten". Die Bundesstadt habe aber "so viel Charme", dass sie die Besucher nicht mit einem Riesenaufwand locken müsse.

Mangel an Hotelbetten in "Wunder"-Stadt Bern
Der Slogan "Bern wirkt Wunder" soll an das deutsche "Wunder" beim Berner WM-Finale von 1954 erinnern. Stadt und Kanton Bern rechnen derzeit mit Nettokosten für die öffentliche Hand von rund 11 Mio. Franken (6,80 Mio. Euro). Das Stadtparlament entscheidet Mitte Februar über einen Verpflichtungskredit von 5,6 Mio. Franken (3,46 Mio. Euro). Der Löwenanteil von 1,6 Mio. Franken (988.570 Euro) entfällt dabei auf die Fanzone zwischen Bundesplatz, Waisenhausplatz und Kornhausplatz.

Zur Kostensenkung wurde auf den Ausbau des S-Bahnhofs Wankdorf verzichtet. Gestrafft wurde aber auch das das Rahmenprogramm in Stadt und Kanton. Risiken sieht man, wenn Bern besonders zuschauerträchtige Spiele erhält. Dann könnten über 100.000 Fans in die Fanzone drängen, Platz haben dort aber nur 60.000.

Die 1.900 städtischen Hotelzimmer werden während der EM zu einen Drittel von UEFA-Funktionären, Mannschaften und TV-Teams belegt sein. Zudem tagen während der ersten EM-Phase die eidgenössischen Räte. Je nach Spielpaarungen wird deshalb mit einem Bedarf von zwischen 6.000 und 20.000 Betten außerhalb der Stadt gerechnet.

So wie in den übrigen Schweizer EM-Städten werden auch in Genf die Kosten noch für einige Diskussionen sorgen. Ein Komitee hat nämlich ein Referendum angekündigt, falls der Kantonsbeitrag für Genf 1 Mio. Franken (617.856 Euro) übersteigt.

In Genf gehen drei EURO-Spiele über die Bühne. Das Zentrum der Festivitäten wird die Plainpalais-Gegend sein. Der Kanton hat außerdem vier Zonen bestimmt, zu denen Hooligans der Zutritt verboten ist. Sie umfassen das Stadion, das Sportzentrum Vernets, das Palexpo-Gelände und die Plaine de Plainpalais.

(apa/red)