Familiendrama in St. Pölten von

Getöter Bub beigesetzt

Kerzen, Blumen und Zeichnungen vor Volksschule. Lehrer planen Aufarbeitung

Familiendrama in St. Pölten - Getöter Bub beigesetzt © Bild: APA/Schlager

Der achtjährige Bub, der in der vergangenen Woche von seinem Vater (37) durch einen Kopfschuss getötet worden war, ist am Dienstag in St. Pölten beigesetzt worden. Vor der Schule des Kindes, wo sich die Tat Freitag früh ereignete, brannten am nach Pfingsten noch schulfreien Dienstag zahlreiche Gedenkkerzen. Auch Blumen und Zeichnungen von Mitschülern wurden zur Erinnerung vor dem schwarz beflaggten Gebäude abgelegt.

Das Begräbnis des Kindes fand gegen 14.00 Uhr auf dem Friedhof im Stadtteil St. Georgen am Steinfelde unter großer Anteilnahme statt. Polizisten schützten das Areal, für Medienvertreter war der Zutritt verboten. Zuvor war die Leiche des Buben im Alevitischen Kulturzentrum aufgebahrt worden, wo auch eine Trauerfeier stattgefunden hatte.

Lehrer planen Aufarbeitung der Bluttat
An der Volksschule in St. Pölten-Wagram planten Lehrer am Dienstag mit Mitarbeitern des schulpsychologischen Dienstes des NÖ Landesschulrats, wie die Geschehnisse mit den Kindern aufgearbeitet werden sollen. Dabei ging es u.a. um die Frage, wie viele Fachleute notwendig sein werden bzw. welche Unterstützung die Lehrer an der achtklassigen Volksschule selbst bräuchten, sagte Andrea Richter, Leiterin des schulpsychologischen Dienstes beim Landesschulrat, zur APA. Die Kinder sollten jedenfalls mit den ihnen bekannten Pädagogen reden oder zeichnen, außerdem müsse man ihnen "Struktur geben". Obwohl der Unterricht natürlich "zurückgefahren" werde, solle die Schule "weiterlaufen wie immer". Prüfungen würden freilich "für eine Zeit lang" abgesagt.

Geplant ist auch eine Verabschiedung des Achtjährigen an der Schule selbst im Rahmen einer Gedenkfeier. In den kommenden Tagen sollen in der Schule jedenfalls vermehrt Psychologen anwesend sein, "um gleich vor Ort zu sein", falls Gespräche von Eltern oder Kindern gewünscht werden. Der erste Unterrichtstag nach dem Vorfall ist morgen, Mittwoch.

Schwester musste Tat mitansehen
Die schreckliche Bluttat ereignete sich am vergangenen Freitag gegen 8.30 Uhr. Der 37-Jährige hatte seine beiden Kinder - neben dem Bub auch ein siebenjähriges Mädchen - unter einem Vorwand aus deren Klassen geholt und dem Kleinen in der Schulgarderobe mit einer illegalen Pistole in den Kopf geschossen. Das Mädchen musste die Tat mitansehen, blieb aber körperlich unversehrt. Auf seiner Flucht verübte der Mann dann Selbstmord: Er schoss sich bei voller Fahrt in den Kopf, sein Auto überschlug sich daraufhin mehrfach. Motiv dürften familiäre Probleme gewesen sein, die Mutter hatte kurz zuvor die Scheidung eingereicht, wegen körperlicher Gewalt war über den gebürtigen Türken auch ein Betretungsverbot für die Wohnung verhängt worden.

Schwere Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft
Wie bereits von politischer Seite kommt auch von Opferschutzeinrichtungen die Forderung, polizeiliche Wegweisungen auf öffentliche Orte wie Schule und Kindergärten auszuweiten. Auch eine Informationspflicht für Behörden an Schulen, etc. im Fall von Gewaltausübung sei notwendig.

Rosa Logar von der Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegenüber der Staatsanwaltschaft, die sich gegen eine U-Haft für den Mann entschieden hatte: "Eine polizeiliche Wegweisung ist bei einem Täter, der wiederholt Gewalt ausübt und droht, nicht das geeignete Mittel. Die Staatsanwaltschaft hätte hier wie im Gesetz vorgesehen die Haft beantragen müssen, dann könnte der Bub noch leben", klagte sie.