Familien-Clan rund um Slobodan Milosevic beherrschte Jugoslawien ein Jahrzehnt lang

Ex-Präsidenten traute nur seiner eigenen Familie Seine beiden Kinder führten ausschweifendes Leben

Über ein Jahrzehnt lang herrschte die engste Familie von Slobodan Milosevic über Jugoslawien. Der kommunistische Parteibürokrat vertraue keinem seiner Weggefährten, sondern lediglich seiner Frau Mirjana Markovic und dem etwas älteren Bruder Borislav, hieß es seinerzeit in Belgrad. Der Bruder war für die Finanzen zuständig, und die Ehefrau für Ideologie, Medien und Universitäten. Die beiden Kinder Marija und Marko führten unterdessen ein ausschweifendes Leben. Dem Clan wurden engste Verbindungen zur Organisierten Kriminalität, dem Drogenhandel und Geldwäsche nachgesagt.

Bruder Borislav (65) war Wirtschaftsvertreter in Moskau und hatte sehr gute Kontakte zu dortigen Behörden und Managern. Mitte der 90er Jahre kümmerte er sich um finanziellen Geschäfte in Paris und wurde etwas später zum Botschafter Jugoslawiens in Russland ernannt. Er sorgte nach dem Machtverlust Milosevic' im Jahr 2000 zuerst für eine Asylerlaubnis für Sohn Marko in Russland und seit 2003 auch dafür, dass Ehefrau Mira dort unbehelligt leben konnte. Sie wird wegen Amtsmissbrauchs von einem serbischen Gericht mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Mirjana Markovic (63) wollte als überzeugte kommunistische Feministin nie den Familiennamen ihres Mannes annehmen. Die Soziologieprofessorin sah in dem rigiden kommunistischen System Chinas ihr Vorbild und gilt als Drahtzieherin mehrerer politischer Morde in Serbien. Sie flüchtete wenige Tage vor dem Attentat auf den damaligen demokratischen Regierungschef Zoran Djindjic aus Belgrad, der für sie ein "Verräter" war.

Tochter Marija Milosevic (42) heiratete als Minderjährige einen Diplomaten, verließ ihn aber bald. Sie gründete mit Unterstützung ihrer Eltern einen Rundfunksender in Belgrad. Sie trug wegen ihrer Drogenprobleme und Neigung, öfters auf öffentlichen Plätzen mit ihrer Pistole zu schießen, den Spitznamen "Bloody Mary". Marija lebt jetzt in Montenegro.

Sohn Marko (32) war schon mit 20 Jahren Millionär, weil er zu den größten Zigarettenschmugglern auf dem Balkan gehörte. Mit Hilfe der von seinen Eltern kontrollierten Behörden konnten seine Sattelschlepper ungehindert die begehrte Ware ohne jede Zollabgabe einführen. Einen Tag nach der Entmachtung seines Vaters im Jahr 2000 flüchtete Marko mit einem Diplomatenpass nach Moskau und ließ seine Lebensgefährtin und den gemeinsamen Sohn in Serbien zurück.
(apa)