Fall Oliver von

Gerichtsverhandlung vertagt

Däne Thomas S. bleibt Prozess in Graz fern - Wiederholte Verhandlung verschoben

Fall Oliver - Gerichtsverhandlung vertagt

Der Fall Oliver geht in die nächste Runde: In Graz sollte am Donnerstag der Prozess gegen den Vater von Oliver, Thomas S., wegen Kindesentziehung und Nötigung wiederholt werden. Da der Däne nicht vor Gericht erschienen ist, hat der Richter die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Eine Verhandlung in Abwesenheit sei nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft wolle nun die Möglichkeit eines Haftbefehls überprüfen.

Bei dem Prozess sollte es nicht um den Obsorgestreit gehen - in Österreich hat die Mutter alleine das Sorgerecht, in Dänemark wurde dieses umstrittenerweise dem Vater zuerkannt. Die Grazerin kämpft seither um die Rückführung ihres heute sechsjährigen Kindes.

Wiederholung wegen Formalfehlers

Thomas S. wurde Ende September vergangenen Jahres in Graz wegen Kindesentziehung und Nötigung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt. Wegen eines Formalfehlers muss der Prozess nun wiederholt werden. Der Däne hatte seinen Sohn Oliver am 3. April 2012 vor dem Kindergarten geschnappt und zu sich nach Dänemark mitgenommen. Die österreichische und die dänische Justiz stehen bezüglich des Sorgerechts für das Kind auf entgegengesetzten Standpunkten. Der Vater hat in Dänemark die Obsorge, die Mutter in Österreich.

Vater: "Habe kein Vertrauen in Rechtssicherheit"

Bis Mittwoch hatte es geheißen, dass S. zur Neuauflage der Verhandlung in Graz erscheinen werde. Dann entschied er sich offenbar auf Empfehlung seiner dänischen Berater um, erklärten am Donnerstag seine Anwälte Barbara-Cecil Prasthofer-Wagner und Jürgen Mertens: "Er war von der ersten Verhandlung dermaßen geschockt, aber wir denken, dass der Zustand nicht anhält und er kommen wird, vielleicht in den nächsten Tagen." Richter Stefan Koller meinte darauf: "Aber so einen Riesenauflauf werden wir nicht jedes Mal veranstalten." Am Mittwoch sagte der Vater vor Journalisten in Kopenhagen, dass er nicht vor dem Grazer Gericht erscheinen wird, weil er "schlicht und einfach kein Vertrauen in die österreichische Rechtssicherheit" habe.

Mehr als ein Dutzend Journalisten, Kameraleute und Fotografen hatten auf S. und die Mutter von Oliver, Marion W., gewartet. Mertens meinte, dass die Entscheidung des Vaters eher mit der Medienberichterstattung und weniger mit Strafverfahren an sich zu tun habe. Schon vor dem Prozessbeginn hatte der Anwalt erklärt, dass Medien nun auch über S. Sichtweise berichten sollten und die Position der Mutter "zur Genüge gehört" worden sei. Außerdem müsse das Gericht wieder das Vertrauen seines Mandanten gewinnen.

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