Fall Maddie von

Chronologie eines Dramas

Von der Entführung des Mädchens zu falschen Spuren und umstrittenen Büchern

Fall Maddie - Chronologie eines Dramas © Bild: APA/EPA

Mehr als vier Jahre ist es her, dass das Verschwinden des dreijährigen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann die Welt in Atem hielt. Die Folgen waren eine riesige Medienkampagne, eine globale Solidarisierungswelle, Vorwürfe gegen die Eltern und unzählige falsche Spuren. Im Folgenden die Chronologie eines Dramas:

2007

3. Mai: Die damals dreijährige Madeleine McCann, Maddie genannt, verschwindet aus dem Ferienappartement der Familie in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve-Küste. Ermittler gehen von einer Entführung aus, eine Großfahndung wird ausgelöst.

4. Mai: Maddies Foto erscheint auf den Titelseiten zahlreicher britischer Zeitungen. Das ist der Beginn einer umfangreichen internationalen Medienkampagne. Viele bekannte Sportler wie David Beckham oder Cristiano Ronaldo rufen die Bevölkerung dazu auf, die Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen.

7. Mai: Maddies Mutter Kate McCann bittet mögliche Entführer über das Fernsehen, ihre Tochter freizulassen.

12. Mai: An Maddies viertem Geburtstag wenden sich die McCanns erneut an die Öffentlichkeit mit der Bitte um Hilfe und Gebete

15. Mai: Die Polizei verhört einen 33jährigen Briten. Er bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittler gehen davon aus, dass Maddie am Leben ist und in einem Versteck gefangen gehalten wird.

In der zweiten Maihälfte wächst die Suche nach Madeleine zu einer der größten Medienaktionen aller Zeiten. Ein Film über Maddie wird beim Fußball-UEFA-Cup-Finale in Glasgow wird gezeigt. Eine Website zur Suche wird millionenfach angeklickt.

30. Mai: Bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz spricht Papst Benedikt XVI. mit Kate und Gerry McCann und segnet ein Foto des Mädchens.

14.Juni: In einem anonymen Schreiben an die niederländische Zeitung "Telegraaf" wird behauptet, dass Madeleine tot sei. Der Brief enthält einen Hinweis auf einen Ort in Portugal, wo das getötete Kind liegen soll. Eine Suchaktion endet – natürlich erfolglos.

3. August: Ein Kinderpsychologe will Maddie in Belgien in Begleitung zweier Erwachsener gesehen haben. wird laut Augenzeugenberichten in der belgischen Kleinstadt Tongeren gesichtet. Der Gen-Test einer Limonadenflasche, aus der das Kind getrunken hatte, verläuft negativ.

Anfang August: Medienberichten zufolge werden Blutspuren in dem Hotelzimmer entdeckt, aus dem Maddie verschwunden ist. Dies nährt den Verdacht, dass die Eltern selbst für das Verschwinden des Mädchens verantwortlich sein könnten.

16. August: Obwohl die Blutspuren in der Ferienwohnung wahrscheinlich nicht von Maddie stammen, gehen die Behörden laut Medienberichten davon aus, dass Maddie in der Wohnung gestorben ist.

Anfang September: Kate McCann wird erstmals einzeln befragt. Auch Gatte Gerry McCann wird kurz darauf vorgeladen. Die portugiesische Polizei bezeichnet beide offiziell als Verdächtige. Das Paar, nichts mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun zu haben.

9. September: Maddies Eltern kehren nach Großbritannien zurück. Portugiesische Medien bezeichnen das als Flucht.

Ende September: Urlaubsfotos aus Marokko, die Ende August gemacht wurden, sollen Maddie zeigen. Doch auch diese Spur erweist sich als falsch.

17. Oktober: Maddies Eltern räumen erstmals den möglichen Tod ihrer Eltern ein.

2008

3. Februar: Die portugiesische räumt Fehler bei den Ermittlungen gegen Maddies Eltern ein und spricht von einer „gewissen Überstürzung“.

21. Februar: Eine niederländische Studentin will Maddie in Südfrankreich gesehen haben. Das betreffende Mädchen soll auf den Namen reagiert haben. Videomaterial beweist aber das Gegenteil.

19. März: Die britischen Zeitungen Daily Express und Daily Star entschuldigen sich bei Kate und Gerry McCann für ihre Anschuldigungen und stimmen einer finanziellen Entschädigung zu.

30. Juni: Portugiesische Medien berichten über die Einstellung der Untersuchungen aufgrund mangelnder Beweise.

21. Juli: Die portugiesische Justiz legt den Fall offiziell zu den Akten.

2009

10. April: Dem Spendenfonds, der für die Suche nach Maddie eingerichtet wurde, geht das Geld aus. Rund 2,8 Millionen Euro kamen darin zusammen. Den Großteil des Geldes gaben Maddies Eltern für Privatdetektive, Rechtskosten und die Werbekampagne aus.

23. April: Ein Pensionistenehepaar will Maddie auf der Mittelmeerinsel Malta gesehen haben. Es habe sogar versucht, dem Kind zu folgen, verlor es aber in den Straßen der Hauptstadt Valletta aus den Augen.

4. Juni: Ein verurteilter britischer Pädophiler rückt ins Visier der Ermittler. Der 64-Jährige habe vor zwei Jahren in Südportugal gelebt, berichten britische Zeitungen. Doch auch diese Spur führt zu nichts.

9. September: In Portugal wird ein Buch über Maddies Entführung verboten. In „Die Wahrheit über die Lüge“ versichert der vom Fall abgezogene Chefermittler Goncalo Amaral, dass das Mädchen tot sei und die Eltern etwas mit dem Tod der Kleinen zu tun hätten. Im März 2011 wird das Verbot aufgehoben.

2010

6. März: Einer österreichischen Tageszeitung zufolge soll Maddie 2008 in Niederösterreich gesehen worden zu sein.

2011

13. Mai: Der britische Premierminister David Cameron kommt der Bitte von Maddies Eltern nach und lässt den Fall neu überprüfen.

28. Juli: Maddie soll in Indien gesichtet worden sein. Die Eltern glauben aber nicht an eine seriöse Spur.

Ein Interview mit Maddies Eltern finden Sie im aktuellen NEWS 37/11