NS-Raubkunst von

Fall Gurlitt - Polizei sichert Kunstwerke bei Stuttgart

Mann wandte sich an die Polizei, da er wertvolle Objekte in Wohnung aufbewahrt

Haus von Kunstsammler Cornelis Gurlitt in Salzburg Aigen © Bild: APA/Gindl

Die in München entdeckte Bildersammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt ist möglicherweise größer als bisher angenommen. Die am Wochenende bei Stuttgart auf Bitten des Besitzers in Sicherheit gebrachten 22 wertvollen Kunstwerke werden nach Auskunft des Landeskriminalamtes vom Montag nun geprüft, auch mithilfe von Kunsthistorikern. Unterdessen werden die Forderungen nach einem offenen Umgang mit dem entdeckten Kunstschatz immer lauter. Der amtierende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte am Montag vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen. "Wir sollten die Sensibilität des Themas in der Welt nicht unterschätzen", sagte Westerwelle der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Vertrauen verspielen, das in langen Jahrzehnten aufgebaut wurde. Das Gebot der Stunde ist jetzt Transparenz."

Regierungssprecher Steffen Seibert stellte eine Veröffentlichung einer Liste von Werken aus Gurlitts Bestand mit unklarer Erwerbsgeschichte in Aussicht. "Wir wollen das vorantreiben, und wir werden noch in dieser Woche weitere Einzelheiten zum Prozedere bekanntgeben können", sagte Seibert in Berlin. Er schränkte allerdings ein, das Aufklärungsinteresse der Öffentlichkeit und die Interessen der Justiz müssten miteinander in Einklang gebracht werden. "Wir müssen ein rechtsstaatliches Verfahren finden."

In Gurlitts Münchener Wohnung waren rund 1.400 vielfach verschollen geglaubte Werke gefunden worden. Eine öffentliche Auflistung könnte Klarheit darüber schaffen, ob einzelne Werke von den Nationalsozialisten geraubt oder verfolgten Juden zu Spottpreisen abgehandelt wurden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte am Wochenende zugesagt, die Herkunftsrecherche zügig voranzubringen.

Bilder-Liste soll öffentlich gemacht werden

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, forderte die Bundesregierung auf, "die Bilder sichtbar zu machen". In der "Welt" (Montagausgabe) verlangte Lauder, "die Polizei und die Politik müssen sofort eine Inventur machen und den gesamten Fundus ins Internet stellen. Jeder hat dann die Möglichkeit zu sehen, was vorhanden ist." Es sei wertvolle Zeit vergeudet worden. "Weder die möglichen Anspruchsberechtigten noch etwaige Zeugen im Rückgabeverfahren werden jünger", zitierte die Zeitung den WJC-Präsidenten.

Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann verlangte, alle Werke auf der Website www.lostart.de ins Internet zu stellen. Zudem müsse die Herkunftsforschung professionalisiert werden. "Es geht doch nicht, dass damit eine einzelne Kunsthistorikerin beauftragt ist, die als Expertin für 'Entartete Kunst' gilt", sagte er im "Art"-Magazin. Die Staatsanwaltschaft Augsburg sei ganz offenkundig überfordert.

Der Druck wächst

"Sie können davon ausgehen, dass wir flexibel auf die aktuellen Umstände reagieren und das Erforderliche im Hinblick auf die Interessen der Geschädigten und den Fortgang der Ermittlungen in die Wege leiten", betonte dagegen ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Nach den derzeitigen Gegebenheiten schöpfen wir alle Möglichkeiten aus."

Auch der deutsche Vertreter der Jewish Claims Conference, Rüdiger Mahlo, forderte eine sofortige Offenlegung. "Angesichts der vielen Fragezeichen kann das Gebot der Stunde nur lauten: Umgehend größtmögliche Transparenz schaffen", sagte Mahlo dem Magazin. So könnten mögliche Anspruchsberechtigte auch einen aktiven Beitrag zur Klärung der Herkunft von Bildern leisten.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatte sie in seiner Wohnung in München-Schwabing die Bilder beschlagnahmt, was erst vergangene Woche bekannt wurde.

Kommentare

naja wenn die bilder meinem opa gestohlen worden wären, würd ich se auch wieder haben wollen.....

waldgaenger melden

Und wenn schon , Gurlitt hätte als Besitzer das Eigentumsrecht längst ersessen, es ist völlig ungehörig die Bilder zu beschlagnahmen, man soll Herrn Gurlitt sein Eigentum belassen , und ihn in Ruhe lassen, übrigens warum redet man nie von Restitution an die Palästinenser, im Gegenteil die werden täglich aufs Neue ausgeraubt!

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irgendwie haben Sie da schon recht was Sie posten, nur wird man dies nicht so sehen wollen...

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