Fakten von

Wie groß das Waffenproblem
in Amerika wirklich ist

Nach dem Amoklauf in Oregon: Fünf Fakten zur Waffengewalt in den USA

Featurebild für Waffengewalt © Bild: Istockphoto.com/Marccophoto

Der jüngste Amoklauf in Oregon erschüttert die amerikanische Öffentlichkeit. Ein Bewaffneter hat an einer Hochschule mindestens zehn Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Verständlich, dass nun wieder schärfere Waffengesetze diskutiert werden. Denn der Amoklauf ist kein Einzelfall. Diese fünf Fakten sollten Sie über die Waffengewalt in den USA kennen.

1. Waffengewalt ist in den USA weiter verbreitet als in anderen reichen Ländern

In den USA sterben verhältnismäßig mehr Menschen durch Waffen als in vergleichbaren Ländern. 29,7 Todesfälle pro einer Million Einwohner gab es etwa 2012 in den USA. In Kanada waren es im gleichen Zeitraum nur 5,1, in Österreich 2,2 und in Deutschland gar nur 1,9 Tote, so das "UN Office on Drugs and Crime".

2. Es gibt mehr Waffen als US-Bürger

Die unterschiedlichen Lizenzvergaben und Registrierungsvorschriften in den diversen US-Staaten machen es den amerikanischen Offiziellen schwer, eine exakte Statistik zum US-Waffenbesitz auf die Beine zu stellen. Viele der Studien beruhen auf reinen Umfrage-Hochrechnungen.

Laut einem Kongressreport aus 2012 gab es etwa 2009 rund 310 Millionen Zivilwaffen, allerdings nur 307 Millionen Bürger. Ein statistisches Problem ist allerdings, herauszufiltern, wie viele Waffen pro Haushalt zu finden sind. Eine Studie aus 2004 besagt, dass es in den meisten Haushalten von Waffenbesitzern mehr als eine Waffe gibt. Es wird gar geschätzt, dass 65 Prozent von Amerikas Waffen bei 20 Prozent der Waffenbesitzer zu finden sind.

Eine Studie, die im Juni 2015 vorgestellt wurde, besagt zudem, dass fast ein Drittel der erwachsenen US-Bürger mindestens eine Schusswaffe besitzt. Zum großen Teil seien dies weiße, verheiratete Männer über 55 Jahren. Bei Waffenbesitzern sei außerdem die Wahrscheinlichkeit mehr als doppelt so hoch, dass auch ihr Familien- und Freundeskreis Waffen besitzt und im Alltagsleben verwendet. Unter den Bundesstaaten gibt es der Studie zufolge immense Unterschiede: So sind lediglich etwa fünf Prozent der Erwachsenen in Delaware Waffenbesitzer - aber fast 62 Prozent der Bürger Alaskas.

3. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Anzahl von Waffenbesitzern und der Häufigkeit von Amokläufen

Zwischen Waffenbesitz und der Anzahl von Amokläufen und anderen Vorfällen mit Schusswaffen besteht einer aktuellen Studie zufolge ein klarer Zusammenhang. "Die USA, der Jemen, die Schweiz, Finnland und Serbien sind die fünf Länder mit den meisten Waffen pro Kopf", erklärt Professor Adam Lankford von der Universität von Alabama. "All diese fünf Länder sind auch unter den 15 mit den meisten größeren Schießereien. Das ist kein Zufall."

Demnach seien zwar nur fünf Prozent der Menschen auf der Welt US-Amerikaner, aber 31 Prozent aller Amokläufer zwischen 1966 und 2012 seien es gewesen. Dass bei der Masse an Waffen auch mehr Waffen eingesetzt würden, sei erwartbar gewesen. "Aber ich war überrascht, dass die durchschnittliche Opferzahl in anderen Ländern höher war als in den USA, obwohl es hier so viele furchtbare Vorfälle gab."

4. Wer in einem US-Waffen-Haushalt lebt, hat ein höheres Risiko erschossen zu werden

Eine Untersuchung belegt, dass Waffenbesitzer in den USA häufiger durch Waffengewalt sterben, so ein Forscher-Team von der Columbia University in New York.

Tag für Tag werden in den USA zudem statistisch gesehen sieben Kinder und Jugendliche erschossen, so eine Studie der Organisation "Brady Campaign to Prevent Gun Violence", die für schärfere Waffengesetze kämpft. 60 Prozent aller Tode durch Schusswaffen von Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre finden der Untersuchung zufolge in einem Zuhause statt - ob im eigenen Haus oder dem von Freunden, Nachbarn und Verwandten.

In 2011 kamen in den USA mehr als 2.700 Kinder und Teenager durch Schusswaffen ums Leben, heißt es in dem Report. Sowohl bei Vorfällen zu Hause als auch bei Schießereien an Schulen sowie bei Unfällen hätten die Schützen Waffen aus ihrem Zuhause benutzt. Der Studie zufolge lebten in 2014 rund 1,7 Millionen Kinder in den USA in einem Zuhause mit einer geladenen, nicht weggesperrten Waffe.

5. In Waffenhaushalten wird öfter Selbstmord begangen

Der Großteil der Morde in den USA wird durch Waffen begangen (68 Prozent in 2011). Noch stärker korreliert der Waffenbesitz allerdings mit der Selbstmordwahrscheinlichkeit. Eine Studie des Harvard Injury Control Research Center belegt, dass in US-Staaten mit höherem Waffenbesitz auch mehr Selbstmorde begangen werden. Außerdem wurde belegt, dass in Haushalten, in denen es mindestens eine Waffe gibt, öfter Selbstmord begangen wird. Ein Faktor, der die Studie beeinflusst, ist allerdings, dass Selbstmordversuche, die mit Schusswaffen durchgeführt werden, häufiger tödlich verlaufen, als jene Versuche, die mit Tabletten oder Schnitten durchgeführt werden.

Amokläufe und Waffengesetze in den USA
© APA/Walter Longauer

Im Überblick: Die tödlichsten Schießereien der vergangenen Jahre in den USA

18. Juli 1984: In einem McDonald's-Restaurant im kalifornischen San Ysidro schießt ein arbeitsloser Wachmann um sich. 21 Menschen sterben.

16. Oktober 1991: Ein Mann rast mit seinem Pick-Up-Truck durch die Frontscheibe eines Restaurants im texanischen Killeen. Anschließend feuert er dort um sich und tötet 22 Menschen. Der Täter erschießt sich danach selbst.

20. April 1999: An der Columbine-Schule in Littleton im Bundesstaat Colorado erschießen zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach töten sie sich selbst.

29. Juli 1999: Ein 44-jähriger Börsenspekulant tötet in Atlanta im Bundesstaat Georgia seine beiden Kinder und seine Frau. Anschließend eröffnet er in zwei Maklerbüros das Feuer und tötet neun Menschen, bevor er sich selbst tötet.

21. März 2005: In Red Lake im Bundesstaat Minnesota richtet ein Jugendlicher in einer Schule ein Blutbad an und tötet sich anschließend selbst. Neun Menschen sterben, unter ihnen fünf Schüler und eine Lehrerin. Zuvor hatte der Schüler seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin getötet.

16. April 2007: Bei dem bisher blutigsten Amoklauf an einer US-Hochschule sterben an der Virginia Tech in Blacksburg mindestens 33 Menschen, darunter der Täter.

24. Dezember 2008: Ein Amokläufer im Weihnachtsmannkostüm erschießt auf einer Weihnachtsfeier in Covina, am Stadtrand von Los Angeles, neun Gäste und tötet sich anschließend selbst.

3. April 2009: In der Stadt Binghamton im Bundesstaat New York erschießt ein Mann aus Vietnam in einem Zentrum für Einwanderer 13 Menschen.

5. November 2009: Ein Militärpsychiater eröffnet auf einer US-Militärbasis in Texas das Feuer. Der Mann mit palästinensischen Wurzeln tötet 13 Menschen und verletzt 32 weitere, bevor er überwältigt werden kann.

12. Oktober 2011: Im kalifornischen Badeort Seal Beach schießt ein Mann wegen eines Sorgerechtsstreits mit seiner Ex-Frau in einem Friseurladen um sich. Er tötet acht Menschen, darunter die Mutter seines Kindes.

2. April 2012: Ein 43-Jähriger tötet in einer religiösen Universität im Bundesstaat Kalifornien sieben Menschen und verletzt drei weitere. Anschließend stellt er sich der Polizei. Die Opfer mussten sich in einer Reihe vor einer Mauer aufstellen, bevor sie erschossen wurden.

20. Juli 2012: In einem Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado eröffnet ein Mann während der Premiere des neues "Batman"-Films das Feuer. Zwölf Menschen sterben, 58 weitere werden verletzt. Der Amokläufer wird festgenommen.

14. Dezember 2012: Ein junger Mann dringt in die Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut ein und erschießt dort 20 kleine Kinder und sechs Erwachsene. Zuvor hatte er zu Hause bereits seine Mutter getötet. Nach der Tat nimmt sich der 20-jährige Todesschütze das Leben.

16. September 2013: Ein Mann, der für einen Subunternehmer des Verteidigungsministeriums arbeitet, eröffnet in Washington das Feuer in den Büros der US-Marine. Er erschießt zwölf Menschen, bevor er selbst von der Polizei erschossen wird.

17. Juni 2015: Ein junger Weißer, offenbar ein Rassist, erschießt in einer Kirche in Charleston im Bundesstaat South Carolina neun Schwarze.

1. Oktober 2015: Mindestens zehn Menschen werden am Umpqua Community College in der Kleinstadt Roseburg im Bundesstaat Oregon erschossen. Der Täter, der später von der Polizei getötet wird, verletzt zudem sieben weitere Menschen.

Kommentare

das gehört zum amerikanischen kultur.

11223344 melden

schwachsinn, in den staaten kaufst du dir eine waffe legal und in österreich unter der hand, wo ist da der unterschied?? wenn einer durchdrht dann ist es vollkommen wurscht woher die waffe ist, nicht waffen töten menschen, menschen töten menschen. ausserdem, auch in österreich wird wieder mehr aufgerüstet, dank unserer flüchtlingspolitik, keiner ist mehr sicher dank feigmann und co.

higgs70
higgs70 melden

Immer dort,wo der Hohlraum eines Kopfes mit einer Knarre zusammenstößt liegen Leichen herum, da die USA beides im Übermaß haben ists dort wenig überraschend am häufigsten. Und es macht schon einen Unterschied, ob man sich eine Waffe erst illegal besorgen muss oder ob in jedem Haushalt fünfe davon herumliegen bzw. man im Supermarkt um die Ecke ruckzuck eine kaufen kann, weil allein dadurch zumindest Affekttaten wegfallen.
Und selbst tote Kinder wie 2012 in Newtown waren kein Anlaß das Hirn einzuschalten und Obama scheiterte mit den minimalsten Anforderungen der Vernunft. Wo blutige zerfetzte Kinderleichen kein Waffenverbot herbeiführen können ist jede Hoffnung auf Vernunft verloren. Pioniere durch und durch,die das Blut der eigenen Kinder verrinnen lassen, damit sie ihre Knarren behalten können. Und wem nach solchen Geschehen noch Liberalisierungen einfallen wie den Republikanern, der gehört aus dem Kreis der Zivilisierten ausgeschlossen.

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