Fakten von

Brexit und Google:
Spinnen die Briten?

Dass die Engländer nach dem Brexit googelten, was die EU ist, stimmt nicht

Fakten - Brexit und Google:
Spinnen die Briten? © Bild: AFP/JUSTIN TALLIS

Nach dem überraschenden Sieg des Brexit-Lagers bei der Volksabstimmung über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union kamen rasch Meldungen auf, dass die Briten erst nach der Abstimmung begonnen hätten, zu googeln, was die Europäische Union ist. Viele wollten die Geschichten glauben, dass die Briten gar nicht wussten, worüber sie da genau abgestimmt haben. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter, die meisten Briten wissen, warum sie sich für den Brexit entschieden haben.

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Google Trends ist ein Service von Google, das dabei hilft, einzuschätzen, ob manche Begriffe derzeit mehr oder weniger gesucht werden. Es hilft also, wie der Name schon erwähnt, Trends zu erkennen. Schon kurz nach dem Referendum schrieben zahlreiche Medien, dass die Briten damit begonnen hätten, zu googeln, was die Europäische Union überhaupt ist. Es ist nicht das erste Mal, dass Google Trends dazu genützt wird, aktuelle Entwicklungen zu verstehen. In diesem Fall wurde die Annahme, dass die Briten nicht wüssten, was die EU ist, besonders oft verbreitet. Gab sie doch dem großen Lager der enttäuschten Brexit-Gegner einen einfachen Grund, wieso die Abstimmung so ausgegangen ist. Die Wähler seien eben dumm und die Google-Suche würde das beweisen.

Begründet wurde das beispielsweise mit diesen besonders häufigen Suchanfragen zum Brexit.

Pizza schlägt Brexit

Wirklich schlüssig ist das aber nicht. Denn der Suchmaschinenriese Google möchte sich natürlich nicht allzu genau in die Karten schauen lassen, wie oft welche Begriffe gesucht werden. Google Trends gibt deshalb nur einen sehr groben Überblick, wie oft manche Begriffe gesucht werden. Weder kann man die genaue Zahl der Anfragen erfahren, noch wie sich die Suchanfrage relativ zu anderen gestaltet. Zumindest ein Eindruck lässt sich aber gewinnen, wie oft ein bestimmter Begriff im Vergleich zu anderen gesucht wird. Man kann ihn auf Google Trends nämlich damit vergleichen. Schon ein einfacher Vergleich zeigt, dass die Frage, was die EU ist, die Briten nicht sonderlich interessiert.

Der Begriff "Euro" interessierte die Briten beispielsweise sehr viel mehr. Gesucht wird hier sicherlich auch die Währung. Überwiegend aber die Europameisterschaft, wie die Explosion der Suchanfragen rund um das Turnier zeigt. "Pizza" ist hingegen ein Dauerbrenner. Danach wird immer gesucht. Nur für sehr kurze Zeit wurde das Thema "Brexit" häufiger gesucht. Das Thema "What is the EU" interessierte die Briten hingegen gar nie besonders.

Kaum jemand wollte wissen, was die EU ist

Noch genauer wird das ersichtlich, wenn man ein anderes Service von Google nutzt. Ad Words ist ein Angebot von Google für Werbekunden, um einschätzen zu können, wie oft ein bestimmter Begriff gesucht wird. Sie gewinnen so eine ungefähre Einschätzung, wie oft ein bestimmtes Wort gesucht wird. Der Autor Steve Patterson hat nachgesehen und berechnet, dass nur etwa 8.100 Briten im Laufe eines Monats googeln, was die EU ist. Am Tag des Referendums suchten laut seiner Einschätzung wohl nur rund 1.000 Briten nach diesem Begriff. Also eine vollkommen vernachlässigbare Zahl.

Allerdings zeigt sich bei Google Trends ein starker Anstieg im Laufe eines Tages, dem Tag des Referendums. Nur sagt der eben noch nichts darüber aus, ob dieser Anstieg auch relevant ist. Wenn man den Extremfall annimmt, dass nur eine Person nach einem bestimmten Begriff suchte und am nächsten Tag zwei danach suchten, so zeigt sich eine Verdoppelung der Suchanfragen. Relevanz hat das freilich keine.

Briten bereuen Brexit noch nicht

Auch ist man schnell verführt, aus Google Trends falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Brexit wurde beispielsweise rund um das Referendum besonders häufig gesucht. Man kann annehmen, dass es sich dabei um Leute handelte, die nicht wussten was das ist. Sehr viel wahrscheinlicher ist aber, dass viele Menschen einfach dazu tendieren einen Begriff bei Google einzugeben, wenn sie ihn suchen. Das zeigt sich beispielsweise auch bei der Suche nach dem EU-Referendum in Großbritannien. Rund um die Abstimmung wurde besonders häufig danach gesucht. Viele dieser Suchanfragen zielten aber wohl vor allem darauf ab, sich über aktuelle Nachrichten zum Thema zu informieren.

Ganz ähnlich gestaltet sich das bei der auf Social Media populären Geschichte von den Bregrets, also Personen, die unmittelbar nach der Abstimmung schon bereuten, wie sie abgestimmt hatten. Doch es ist unwahrscheinlich, dass es sich dabei durchwegs um Personen handelt, die zuvor für den Brexit stimmten. In jedem Fall ist es eine verschwindend kleine Gruppe. Aktuelle Umfragen, beispielsweise der BBC, zeigen vielmehr, dass eine erneute Abstimmung über den Brexit heute wohl genauso knapp ausgehen würde, wie am tatsächlichen Abstimmungstag. So rasch wie von vielen Brexit-Gegnern erhofft, ändern sich Einstellungen eben nicht.

Nicht Desinteressierte sondern Nichtwähler entschieden Brexit

Was aber die Google Trends und auch das angebliche Phänomen der "Bregretter" zeigt ist, dass bei so knappen Wahlentscheidungen gerne auch einfache Erklärungen gesucht werden, um das Ergebnis einzuordnen. Mit Google Trends ein Wahlergebnis zu erklären, wird allerdings eher nicht funktionieren.

Doch woran lag das Abstimmungsergebnis tatsächlich? Das hat wenig damit zu tun, dass die Briten nicht wussten was die EU ist. Vielmehr war die Kampagne der Brexit-Befürworter erfolgreich darin, den Wählern zu vermitteln, dass es ihnen ohne EU besser gehen würde. Am Wahltag selbst gab es vor allem einen Grund. 2,8 Millionen Nichtwähler gingen zum Referendum und stimmten überwiegend für den Brexit. Es gelang der Brexitkampagne also Leute zu einer Protestwahl gegen die EU zu motivieren, die normalerweise nie wählen gehen. Für das Vereinigte Königreich führte das zur besonders hohen Wahlbeteiligung von 72 Prozent. Warum es gerade dem Brexit-Lager gelang, besonders viele Wähler zu erreichen, die sich von der EU bereits abgewandt haben, ist freilich eine weit kompliziertere Frage als sie mit Google Trends beantwortet werden könnte.

Kommentare

Henry Knuddi

ja die britten haben ihren erdowahn gefunden

genau. sie haben genug. und ungarn, polen, frankreich, tschechien,.. auch. österreich hat laut van der bellen seine aufnahmekapazitäten noch lange nicht erreicht.

Rigi999 melden

Bravo Briten!!! Raus aus diesem Sauhaufen!!! Juncker,Merkel und wie sie alle heißen haben Europa kaputt gemacht!!!Schlimmer als im 2.WK., nur auf andere Weise!!! Nichts als Kriminalität!! Man kann sich nirgends mehr frei ohne Angst bewegen!!! Lauter Verbrechjer!!!

Testor melden

Riggi99: Selten einen derartigen Blödsinn gelesen!

lange Jahre funktionierenden EWR! Zurück zur eigenen Meinung und der Freiheit selbst zu bestimmen! Weg von den Schmarotzern in Brüssel, weg von dunklen Löchern in denen unser Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet!!!

Als Nichtbrite frage ich mich auch, was ist die EU??? Eine Europäische Gemeinschaft, die den Bürgern derselben jede Rechte auf Mitbestimmung verwehrt? Eine Gemeinschaft, die von Leuten geleitet wird, welche die Aussage treffen: das wählende Volk ist lästig und dumm.... Ist das die EU??? Diktatur statt Demokratie? Immer grössere Armut statt Wohlstand??? Ich will raus hier, zurück in einen über

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