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Meine Fan-Tour: Tag 8

Ein Turnier als Konditionsfrage und Rendezvous mit dem Schnellzug TGV

Eisenbahn, Zug, Symbolbild © Bild: APA/EPA/Karaba

Wieder zurück in unserem EM-Quartier in der Provence. Mittlerweile haben wir aufgehört, die Kilometer zu zählen, die wir runterspulen. So ein Turnier ist auch für uns Fans eine Konditionsfrage.

Am Beispiel Portugal-Match in Paris: Wir sind in Pont Royal um fünf Uhr raus aus den Federn, um sechs Uhr war Abfahrt in Richtung TGV Bahnhof Avignon. Knapp 40 Minuten haben wir dafür mit dem Auto gebraucht. Unser TGV in Richtung Paris fährt um 8.42 Uhr ab, allerdings von der Station Avignon-Centre im Zentrum der Stadt. Bei der Rückfahrt aus Paris am nächsten Tag hält der Zug wiederum nur am TGV Bahnhof von Avignon. Also stellen wir unser Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz bei der TGV Station ab, kaufen uns ein Ticket um 1,60 Euro für den TER (transport express regional) zum Bahnhof Avignon-Centre. Nach fünf Minuten im Schneckentempo steigen wir am Gare d’Avignon-Centre aus, einem altehrwürdigen Bahnhof im klassizistischen Stil aus dem Jahr 1860.

Unsere erste Begegnung mit einem französischen Hochgeschwindigkeitszug fällt eher ernüchternd aus. Es gibt kein WLAN, nicht einmal gegen Gebühr. Die Sitzreihen sind ziemlich eng für lange Beine, im kleinen Buffetwagen gibt es weder Bier noch Wein. Telefonieren ist nur in bestimmten Bereichen erlaubt. Bis unser TGV endlich Fahrt aufnimmt, hält er hinter Avignon noch an fünf oder sechs weiteren Stationen. Trotzdem bewältigt der TGV die über 600 Kilometer bis Paris in exakt drei Stunden und 33 Minuten.

Bei der Rückfahrt am Sonntag geht’s dann aber richtig zur Sache: Mit nur einem Zwischenhalt auf dem Flughafen von Lyon sind wir nach zwei Stunden und 44 Minuten wieder in Avignon. Beide Züge waren fast komplett ausgebucht. Deshalb ist eine Sitzplatzreservierung für die TGV-Züge verpflichtend. Das Tarifsystem birgt so manche Überraschung. Der „langsamere“ Zug am Samstag nach Paris hat in der 2. Klasse 75 Euro gekostet. Retour ging es am Sonntag nicht nur um fast eine dreiviertel Stunde schneller, sondern auch wesentlich günstiger, nämlich um 37 Euro. Allein die Autobahnmaut auf der Strecke Avignon-Paris hätte uns über 50 Euro gekostet.

Die französischen Staatsbahnen haben 1981 mit dem Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecken begonnen. Damals nutzten 1,2 Millionen Passagiere dieses Angebot. Heute fahren jährlich 130 Millionen mit dem TGV. Schade nur, dass es keine Hochgeschwindigkeitsverbindung von Ost nach West zum Beispiel zwischen Avignon und Bordeaux gibt. Wären wir mit dem TGV zum Ungarn-Match gefahren, hätten wir zuerst Paris ansteuern müssen und von dort zurück in den Süden nach Bordeaux. Fahrtzeit: rund sieben Stunden. Genau so lang brauchen auch die Regionalzüge, die aus der Provence direkt Kurs auf die Atlantikküste nehmen.

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