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Evakuierung Ost-Aleppos fast beendet

UNO: Wettlauf mit der Zeit

Die Evakuierung der letzten Rebellengebiete im Osten der lange umkämpften Stadt Aleppo ist den Vereinten Nationen zufolge fast abgeschlossen. Die Endphase sei erreicht, sagte der UNO-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf.

Seit dem Beginn der Transporte vor einer Woche hätten etwa 35.000 Menschen die Rebellengebiete verlassen. Syriens Präsident Bashar al-Assad rühmte den Erfolg der Regierungstruppen in Aleppo als einen Sieg auch für die syrischen Verbündeten Russland und den Iran.
"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen den Winter, um den Menschen eine Unterkunft, Wärme und Unterstützung zu bieten", sagte Egeland. Fünf Jahre Krieg hätten bei den Betroffenen Spuren hinterlassen. Egeland forderte vollen und umfassenderen Zugang zu den bisherigen Rebellengebieten in Ost-Aleppo.
Die syrische Armee und ihre Verbündeten hatten in den vergangenen Wochen den allergrößten Teil der von oppositionellen Milizen beherrschten Viertel Aleppos eingenommen. Regierung und Regimegegner einigten sich daraufhin auf den Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus den letzten Rebellengebieten, die von dort in Bussen und Autos abzogen.
Im Gegenzug durften auch rund 1.000 Menschen die von Rebellen belagerten Orte Foua (Fua) und Kefraya (Kafraja) im Nordwesten Syriens verlassen. Dort wohnen vor allem Schiiten. Die Evakuierung der beiden Orte sei fast abgeschlossen, sagte Egeland.
Wie lange die Transporte noch dauern werden, blieb zunächst offen. Die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedky, sagte, die Transporte könnten am Donnerstag oder Freitag abgeschlossen werden. Die radikal-islamische Rebellengruppe Ahrar al-Sham teilte mit, in Ost-Aleppo seien noch rund 1.500 Menschen.
Die Evakuierung war seit ihrem Beginn ein Nervenspiel. Wegen Unstimmigkeiten wurde sie mehrfach ausgesetzt. Augenzeugen und Aktivisten berichteten, Menschen hätten bei eisiger Winterkälte mehr als 36 Stunden ohne Essen und Trinken in Bussen ausharren müssen. Wegen einer monatelangen Blockade war die humanitäre Lage in Ost-Aleppo Hilfsorganisationen zufolge ohnehin katastrophal.
Tausende Vertriebene aus der Stadt wurden in anderen von Rebellen kontrollierten Gebieten vorläufig in Zelten, Moscheen und Schulen untergebracht. Es sei aber auch schwierig, sie dort mit Wasser zu versorgen und vor der Kälte zu schützen, erklärte die Syrian American Medical Society (SAMS).
Ihren Sieg über die Rebellen in der Wirtschaftsmetropole hatten die erschöpften syrischen Truppen mit Hilfe der russischen Luftwaffe und vom Iran ausgerüsteter schiitischer Milizen erkämpft. Präsident Bashar al-Assad gestand dies am Donnerstag freimütig ein.
"Die Befreiung Aleppos vom Terrorismus ist ein Sieg nicht nur für Syrien, sondern für jeden, der derzeit zur Bekämpfung des Terrorismus beiträgt, besonders für den Iran und Russland", sagte er in Damaskus nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. "Gleichzeitig ist es ein Rückschlag für alle Länder, die dem syrischen Volk feindlich gesinnt sind." Syriens Regime bezeichnet generell alle bewaffneten Gegner als Terroristen, auch gemäßigtere Gruppen.
Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte in Moskau, in Syrien habe die Regierungsarmee mit Russlands Hilfe mehr als 1.000 Ortschaften zurückerobert. Damit sei der internationale Terrorismus zurückgeworfen worden. Der Zerfall Syriens sei abgewendet worden. "Die Kette 'bunter Revolutionen', wie sie in Nahost und Afrika propagiert wurden, wurde unterbrochen", sagte er.
Mit dem Ende der weltweit medial begleiteten Kämpfe in Aleppo ist der Syrien-Krieg nicht zu Ende. Das Land ist weiter in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geteilt. Türkische Truppen und verbündete Milizen rücken in blutigen Kämpfen gegen den IS und gegen die Kurden vor. Ein US-geführtes Bündnis fliegt Angriffe gegen die Extremisten.

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