Weltreise von

Faites vos jeux!

Weltreise - Faites vos jeux! © Bild: Ian Ehm

Sind Sie ein Spieler? Eine Person, die gern etwas riskiert und auch mal "all-in" geht? Dann wären Sie bei Frankreichs Sozialdemokratie gut aufgehoben. Deren Basis entschied im Herbst, einen linken Hinterbänkler zu ihrem Präsidentschaftskandidaten zu machen. Zuvor hatte Noch-Amtsinhaber François Hollande in weiser Voraussicht beschlossen, sich lieber erst gar nicht mehr um eine Verlängerung seines Mandats zu bewerben, so desaströs waren seine Umfragewerte. Resultat des schlauen Schachzugs der Genossen? Benoît Hamon, so heißt der blasse Held der Basis, darf am Sonntag, bei der ersten Runde der Wahl, auf mickrige zehn Prozent der Stimmen hoffen. Das ist der Plafond, an dem Frankreichs Sozialdemokratie also angelangt ist. Rien ne va plus, nichts geht mehr.

Eine Spielernatur dürfte auch dem bürgerlichen Kandidaten François Fillon innewohnen. Der gab sich zwar zeitlebens gerne als braver Verteidiger traditioneller Werte, fand aber auch nichts Anstößiges dabei, seine Frau und die Kinder um Steuergeld scheinzubeschäftigen. Als alles öffentlich wurde, kam er nicht einmal auf die Idee, es mit der Kandidatur nun lieber doch sein zu lassen, sondern vertraut weiter darauf, dass ihm die Franzosen sein Skandälchen nachsehen.

Frankreichs einstige Großparteien haben sich so quasi schon vor der eigentlichen Wahl aus dem Spiel genommen. Das kommt uns bekannt vor und erinnert nicht zufällig an die heimische Bundespräsidentenwahl vor einem Jahr. Die alte Ordnung befindet sich in Auflösung, das Neue aber entzieht sich jeder Einordnung. Frust, Unzufriedenheit und Unvermögen eröffnen nun Chancen für ungewöhnlichere, aber auch radikalere Anwärter aufs höchste Amt im Staat. Im Unterschied zu Österreich ist Frankreichs Nummer eins aber kein lieber Grüßaugust, sondern eine Figur mit fast feudaler Machtfülle. Wer den Élysée-Palast bezieht, wird damit für Europa relevanter als jedes noch so wilde Treiben im Weißen Haus.

Laut den letzten Umfragen zeichnet sich ein Dreikampf um den Einzug in die zweite Runde ab. Marine Le Pen versucht den Angriff von rechts außen, Jean-Luc Mélenchon steuert von ganz links in Richtung Stichwahl. Beide eint nichts außer der Tatsache, dass sie die EU für gescheitert halten und lieber heute als morgen austreten würden. Die eine, um die Nation zu retten, der andere, um sich aus dem Würgegriff des Großkapitals zu befreien.

So radikal, so revolutionär. Wer auf ein gemächlicheres Spiel setzt, dem bleibt nur eine Wahl: Emmanuel Macron, 39 Jahre alt, einst Bankier, dann Sozialist, kurz Minister und später Gründer seiner eigenen politischen Plattform. Unerfahren, aber zumindest berechenbar, meinen viele. Und nun: Faites vos jeux, machen Sie Ihr Spiel!