Rivale geschluckt von

Facebook kauft WhatsApp

Bisher größter Kauf des Internetkonzerns. 19 Mrd. Dollar für Mitteilungsdienst.

Facebook demonstriert Stärke: Um insgesamt 19 Mrd. Dollar (13,82 Mrd. Euro) kauft das Online-Netzwerk WhatsApp, ein Start-Up mit nur 50 Mitarbeitern. Damit will der US-amerikanische Konzern den Anschluss bei der Jugend bewahren.

Über WhatsApp können Smartphone-Nutzer miteinander Textnachrichten oder Fotos austauschen. WhatsApp hat sich fest als Alternative zu den herkömmlichen, über das Telefonnetz versandten SMS etabliert. Zunächst war die App gratis, mittlerweile ist dafür eine Jahresgebühr von knapp einem Dollar fällig.

Über 450 Mio. Nutzer im Monat

WhatsApp hat weltweit mehr als 450 Millionen Nutzer im Monat. Pro Tag verschicken sie rund 18 Milliarden Nachrichten. Allein in den letzten vier Monaten des Jahres 2013 wuchs die Nutzerzahl nach Angaben von WhatsApp um 100 Millionen.

Gemäß dem vergangenen Herbst publizierten Jugendbarometer der Großbank Credit Suisse nutzen 66 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz WhatsApp als Kommunikationsmittel. Zum Vergleich: In den USA sind es lediglich 4 Prozent. In Europa und Asien ist WhatsApp wesentlich bekannter als auf dem amerikanischen Kontinent.

Vier Mrd. Dollar in bar

Facebook zahlt nun quasi für jeden WhatsApp-Nutzer 42 Dollar - ein stolzer Preis. Vier Mrd. Dollar fließen in bar, der Rest in Facebook-Aktien. Damit ist das Geschäft der wohl teuerste Kauf eines Tech-Start-Ups in der Geschichte. Microsoft hatte 2011 rund 8,5 Mrd. Dollar für den Videotelefonie-Dienst Skype bezahlt.

"WhatsApp ist auf dem Weg, eine Milliarde Leute miteinander zu verbinden", erklärte Facebook-Chef und -Gründer Mark Zuckerberg. Deshalb sei der Dienst so wertvoll. Facebook selbst kommt auf mehr als 1,2 Milliarden Nutzer. "WhatsApp wird uns dabei helfen, unsere Mission zu erfüllen, die ganze Welt zu vernetzen."

Facebook will bei Jugend punkten

Mit dem Kauf dürfte Facebook vor allem seine Popularität bei jungen Nutzern steigern wollen. Auch wenn es zahlenmäßig nicht belegt ist - WhatsApp fragt nicht nach dem Alter -, soll WhatsApp bei Jugendlichen besonders stark sein. Der hohe Kaufpreis gab unter Investoren dennoch zu reden. Die Facebook-Aktien gaben im nachbörslichen Handel um rund drei Prozent nach.

Wie sich der hohe Kaufpreis letztlich rechnen soll, ließ Zuckerberg offen. Zunächst einmal gehe es darum, dass der Dienst weiter wachse auf "eins, zwei oder drei Milliarden Mitglieder", sagte Zuckerberg. "Es gibt mehrere Wege, wie wir damit Geld verdienen können." Werbung zähle in seinen Augen nicht dazu.

Keine Änderungen für Nutzer

Für die Nutzer werde sich nach der Übernahme nichts ändern, schrieb WhatsApp in einem Blogeintrag. Der Dienst werde nach wie vor für eine kleine Gebühr nutzbar sein und keine Werbung werde die Kommunikation unterbrechen. WhatsApp finanzierte sich anfangs über den Kaufpreis für die App und zuletzt über eine jährliche Abo-Gebühr von einem Dollar.

"WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren", hieß es. "Für Sie, unsere Nutzer, wird sich folgendes ändern: Nichts." Auch Zuckerberg versicherte, das WhatsApp-Team werde seine Unabhängigkeit behalten.

Zuckerberg kaufte Instagram

Facebook hat bereits einen eigenen Messaging-Dienst mit ähnlichen Funktionen. Allerdings kaufte Mark Zuckerberg auch schon für knapp eine Milliarde Dollar die Foto-Plattform Instagram, obwohl Facebook-Nutzer bereits Bilder austauschen konnten.

Auch die derzeit populäre Foto-App Snapchat, bei der Bilder von alleine verschwinden, wollte Facebook dem Vernehmen nach vor kurzem kaufen, die Gründer lehnten jedoch ab. Der Deal um WhatsApp kommt nur wenige Tage nachdem der japanische Online-Händler Rakuten um 900 Mio. Dollar die Kommunikations-App Viber gekauft hatte. Viber hat 300 Millionen Nutzer.

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