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Wie stark Medien auf Facebook Falschmeldungen verbreiten

Knapp die Hälfte aller Posts von Sputnik, HuffPost und RT Deutsch sind "irreführend"

Facebook - Wie stark Medien auf Facebook Falschmeldungen verbreiten © Bild: Getty Images

Die Datenanalyse eines deutschen Webmagazins zeigt, welche Online-Medien wie stark Informationen verbreiten, die als irreführend oder falsch kategorisiert wurden. An der Spitze des Rankings finden sich auch die beiden russischen Staatsmedien RT Deutsch und Sputnik. Das wichtigste Motiv für "Fake News" dürfte aber wirtschaftlich sein.

Im Informationsfluss des Internets die Orientierung zu bewahren ist schwierig. Denn auch wenn das Bewusstsein für "Fake News" langsam wächst: Ein Patentrezept zum Erkennen der Falschmeldungen gibt es nicht. Vor allem werden falsche Informationen heute nicht mehr nur von privaten Accounts und obskuren Blogs verbreitet, sondern auch von offenbar seriösen, großen Nachrichtenseiten. Die professionelle Gestaltung und Aufmachung eines Beitrags sowie eine bekannte Marke erwecken bei den Nutzern Vertrauen. Wie eine Untersuchung des deutschen Webmagazins Motherboard zeigt, ist es auch in diesen Fällen nicht unbedingt klug, ihnen alles zu glauben. Die Analyse von acht großen deutschsprachigen Online-Medien macht deutlich, dass auch in diesem Segment Falschmeldungen stark verbreitet sind.

Facebook-Aufmachung für die Botschaft entscheidend

Rund 1.900 Facebook-Posts dieser Seiten in einem Zeitraum von sechs Tagen wurden näher betrachtet. Davon bewertete Motherboard 1.435 Posts als "richtig" (Kategorie A), 284 als "naja" (Kategorie B) und 186 als "falsch" (Kategorie C). Auf die bloßen Posts hat sich die Analyse konzentriert, weil Studien zufolge rund 60 Prozent aller geteilten Artikel nie gelesen werden. Deshalb kommt dem Titel und dem Facebook-Post des Mediums besondere Bedeutung zu. Große Vorsicht ist nach den Ergebnissen ausgerechnet bei den einzigen beiden staatlichen Medien im Ranking geboten: RT Deutsch und Sputnik Deutschland. Sie gehören beide zum weitverzweigten Medien-Netzwerk der russischen Regierung und landeten in der Untersuchung auf den Plätzen 1 und 3. Im Betrachtungszeitrum fielen 47 Prozent der Sputnik-Posts und 42 Prozent der RT-Posts in die Kategorien B oder C.

Wahrer Kern wird reißerisch verzerrt

Zwischen den beiden landete die deutsche Ausgabe der Huffington Post mit 44 Prozent, die hier zum Verlag Burda gehört und mit Russland überhaupt nichts zu tun hat. Die wenigsten Falschmeldungen auf Facebook, nämlich an diesen sechs Tagen gar keine, hatte Spiegel Online. Auch Vice Deutschland und Bild.de wiesen mit nur acht bzw. elf Prozent geringe Fehlerquoten auf. Unter den Falschmeldungen fanden sich kaum völlig abstruse Verschwörungstheorien, sonder mehrheitlich eben echte Geschichten, die "reißerisch verzerrt und emotional aufgeladen" wurden, wie Motherboard berichtet. Was die Analyse auch zeigt: Halbwahrheiten laufen auf Facebook besser. Das Hauptmotiv dafür, die Posts so reißerisch wie möglich aufzumachen, dürfte also ein wirtschaftliches sein.