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FACC: Betrug mit Fake-President-Trick

Wie der Luftfahrt-Zulieferer um 50 Millionen Euro erleichtert wurde

FACC © Bild: APA/Daniel Scharinger

Die Mail kam von ganz oben, vom Vorstandschef persönlich. Unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit wurde eine Mitarbeiterin des österreichischen Luftfahrtzulieferers FACC während der Weihnachtstage angewiesen, 50 Millionen zu überweisen. Das Geld, so stand es in der Nachricht, sollte für eine geheime Firmenübernahme im Ausland verwendet werden. Also: geheime Kommandosache, kein Wort zu niemandem.

Die Mitarbeiterin tat, wie ihr geheißen. Und transferierte die 50 Millionen Euro offensichtlich auf Konten im Ausland.

Tatsächlich stammte die Mail an die FACC-Angestellte nicht vom Vorstandsvorsitzenden Walter Stephan, sondern von Internet-Betrügern, die sich des Fake-President-Tricks bedienten. Dabei wird versucht, Firmen mit gefakten Mails aus der Chefetage zu Finanztransaktionen zu verleiten. Erst Ende November war in Graz eine Buchhalterin auf einen falschen Firmenchef hereingefallen; sie fand in der Inbox eine Mail ihres Geschäftsführers, der von ihr eine Überweisung von 1,8 Millionen Euro nach China verlangte. Weil die Mitarbeiterin sich nicht an das Schweigegelübde hielt, konnte der bereits erfolgte Online-Überweisungsauftrag bei der Bank gerade noch gestoppt werden.

Bei FACC sind 50 Millionen weg. Die Spur des Geldes verliert sich laut jüngsten Meldungen in der Slowakei und in Asien, die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt. Im Fall des börsenotierten Unternehmens aus Oberösterreich stellt sich allerdings auch die Frage, wie eine Mitarbeiterin überhaupt derart hohe Summen bewegen konnte? Denn laut News-Informationen war die FACC-Angestellte im Besitz der Zugangsberechtigungen zweier Vorstände. Wurde bei FACC das Vieraugenprinzip in der ersten Managementebene verletzt? Welche Konsequenzen zieht der Vorstand aus diesem Vorfall?

Manuel Taverne, Director Investor Relations, wollte diese Fragen nicht beantworten: „Das kann ich nicht kommentieren, ich verweise auf unsere Stellungnahme.“ Darin steht, dass die Finanzbuchhaltung Ziel von Cyber-Betrugshandlungen geworden sein. Zur Frage der Verletzung des Vieraugenprinzips meinte Taverne, das müsse man immer im Gesamtkontext sehen. Mit Blick auf die laufenden Erhebungen betont der Sprecher: „Wir unterstützen die Ermittler mit allen Mitteln und haben an einer Aufklärung höchstes Interesse."

Wie entspannt die Eigentümer die Causa sehen, wird sich kommende Woche weisen. Am Dienstag tagt der FACC-Aufsichtsrat. Mehrheitseigentümer des Konzerns (3100 Mitarbeiter, 529 Millionen Euro Umsatz) ist die chinesische Xi’an Aircraft Industry.

Kommentare

...das glaub ich so nicht...das kann gar nicht sein...internes Kontrollsystem, 4 Augenprinzip ? da hat wohl wieder ein eifriger Geschäftsführer die Finanzabteilung zu heftig dezimiert...da wird wohl wer gehen müssen...unglaubliches Organisationsdefizit wie es nach aussen aussieht !

Rofl: 529 Millionen Euro Umsatz - und dann überweis ma mal einfach 50 Millionen an ein fremdes Konto weils in einer Mail steht. Eine 08/15-Rechnung über 79,93 hättens wahrscheinlich zweimal geprüft.

Und a Rückversicherung beim Chef ist a net unbedingt nötig - hurra die Gams. Vielleicht sollt i mi selbständig machen und "Hausverstand" übers Internet verkaufen. Bedarf dürfte ja genug da sein.

Oliver-Berg

Offensichtlich ist es jemanden gelungen sich in das Firmennetzwerk zu hacken und über dieses Netzwerk eine gefakte Mail an die Buchhaltung zu schicken, damit diese die Überweisung veranlässt. 4-Augenprinzip scheint es bei FACC nicht zu geben. Wetten das nächste Woche der Vorstand von den Chinesen vor die Tür gesetzt wird. Zurecht.

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