EZB entscheidet heute über Leitzinsen:
Experten erwarten eine weitere Senkung

Kredite für Verbraucher und Unternehmer billiger Andererseits sinken auch die Zinsen für Sparkonten

EZB entscheidet heute über Leitzinsen:
Experten erwarten eine weitere Senkung

Die Spitze der Europäischen Zentralbank hat mit den Beratungen über ihre voraussichtlich letzte Zinsentscheidung in diesem Jahr begonnen. Experten rechnen wegen der jüngsten Beschleunigung der wirtschaftlichen Talfahrt, des düsteren Konjunkturausblicks und der spürbar nachlassenden Inflation mit einer Zinssenkung von 3,25 auf 2,75 Prozent. So niedrig war der Leitzins in der Euro-Zone zuletzt im Sommer 2006. Nach Ansicht von Ökonomen dürfte im EZB-Rat aber auch eine Kappung des Schlüsselzinses für die Kreditwirtschaft um 75 oder gar 100 Basispunkte diskutiert werden.

Sollte sich die EZB wider Erwarten zu einem solch großen Zinsschritt durchringen, wäre das ein absolutes Novum in der knapp zehnjährigen Geschichte der Währungsunion. An den Finanzmärkten wurden entsprechende Forderungen zuletzt aber immer lauter. Die EZB nimmt mit dem Leitzins, zu dem sie den Banken frisches Zentralbankgeld zur Verfügung stellt, indirekt Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflationsentwicklung. Ein niedrigerer Leitzins sorgt - in der Theorie - für eine stärkere Kreditvergabe zu günstigeren Konditionen. Davon profitieren in normalen Zeiten Unternehmen und Haushalte, und die Wirtschaft wächst. Finanzkrise und Rezession haben diesen Mechanismus zuletzt allerdings praktisch zum Erliegen gebracht.

Letzte Zinsentscheidung
Der EZB-Rat trifft sich zu seiner voraussichtlich letzten Zinsentscheidung 2008 nicht wie sonst üblich am Hauptsitz Frankfurt, sondern in Brüssel. Traditionell kommen die Notenbankchefs der Euro-Länder zweimal im Jahr in einer der Hauptstädte zusammen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die Beweggründe für den Zinsbeschluss (13.45 Uhr) wie gewohnt um 14.30 Uhr vor der Presse erläutern.

Vor der EZB entscheiden die britische und die schwedische Zentralbank. Experten rechnen auch dort mit einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Bank von England und die Riksbank sogar deutlich kräftiger auf die Bremse treten als die EZB. Im vergangenen Monat hatte Notenbank-Gouverneur Mervyn King in London mit einer Zinssenkung um eineinhalb Prozentpunkte auf drei Prozent überrascht.
(apa/red)