EZB-Chefvolkswirt Stark gibt keinen Anlass zur Entwarnung: Krise ist noch nicht vorüber

Schuldenstand in den Volkswirtschaften ist gestiegen Griechenland befinde sich aber auf einem guten Weg

EZB-Chefvolkswirt Stark gibt keinen Anlass zur Entwarnung: Krise ist noch nicht vorüber © Bild: APA/DPA/Dedert

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat davor gewarnt, die Krise in der Eurozone schon abzuschreiben. "In allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist der Schuldenstand aufgrund der konjunkturellen Entwicklung und der staatlichen Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor und die Realwirtschaft dramatisch angestiegen. Die Krise ist nicht vorüber", sagte Stark in einem Interview.

Die aktuelle Situation habe sich insoweit beruhigt, als dass sich Griechenland auf einem guten Weg befinde, die Vorgaben des IWF Programms einzuhalten. Auch die irische Regierung habe erkannt, dass sie handeln müsse, um bis 2014 das Staatsdefizit unter drei Prozent zu senken. "Aber es gibt keinen Anlass, Entwarnung zu geben", erklärte Stark.

Der Volkswirt warnte zudem vor negativen Folgen des Anleihen-Aufkaufprogramms der Notenbank. "Wir müssen vermeiden, dass wir mit unseren Maßnahmen in funktionierende Märkte eingreifen. Dann nämlich könnte das Anleiheprogramm zu einer Quasi-Fiskalpolitik ausufern", sagte Stark. "Deshalb müssen wir immer wieder überprüfen, wie angemessen und notwendig es noch ist. Und das geschieht auch. In der vergangenen Woche haben wir keine neuen Anleihen mehr aufgekauft." Seit Mai kaufte die EZB Staatsanleihen auf, um die Krise in der Eurozone zu bekämpfen.

Eurostaaten sollten Haushalt konsolidieren
Eines sei klar, sagte Stark: "Wir subventionieren mit unseren Maßnahmen nicht bestimmte Regierungen", sagte Stark. Es gehe darum, die Funktionsweise bestimmter Teile der Finanzmärkte zu gewährleisten. Um ihre Verwundbarkeit zu reduzieren, sollten die Eurostaaten sich aber nicht auf EZB-Stützungsmaßnahmen verlassen, sondern glaubwürdig ihren Haushalt konsolidieren. Die EZB könne ihr Programm jederzeit beenden.

Die Weltwirtschaft sieht der EZB-Chefvolkswirt nicht an der Schwelle zu einem Währungskrieg. "Ich sehe die potenzielle Gefahr eines Abwertungswettlaufs, aber ich sehe keine konkreten Anhaltspunkte, dass es dazu kommt." Die Weltwirtschaft müsse sich aber eingestehen, dass sie nicht alles gleichzeitig haben könne. "Stabile Wechselkurse, freien Kapitalverkehr und eine unabhängige Geldpolitik - das passt so nicht zusammen", sagte Stark. Man müsse sich politisch entscheiden, auf welches dieser Ziele man verzichten will. "Und die unabhängige Geldpolitik der Zentralbanken, ausgerichtet auf Binnenstabilität, wird es nicht sein", sagte er.

(apa/red)