Experten erwarten raschen Zuschlag: BAWAG-Verkauf bis Juli unter Dach & Fach?

Abschluss noch vor Nationalratswahl wahrscheinlich Auch Volksbanken bekunden Interesse an BAWAG

Der Verkauf der BAWAG könnte schon bis Mitte Juli abgeschlossen werden. Dies sei die kürzestmögliche Frist, in der eine Investmentbank die Käufersuche starten und erfolgreich abschließen könne, sofern gewerkschaftsinterne Differenzen nicht bis zum außerordentlichen Gewerkschaftstag am 19. Juni getragen werden, heißt es aus Finanzkreisen.

Damit der Skandal um die Gewerkschaftsbank das Wahlkampffinale für den herbstlichen Urnengang nicht mehr belastet, bräuchte es schon im Sommer eine Erfolgsmeldung, also den Zuschlag, heißt es in Finanzkreisen.

Die Wiener Städtische Versicherung wurde vom Beginn weg als Favorit für eine "Österreich-Lösung" für die BAWAG gehandelt. Aber auch andere Finanzinstitutionen stellen sich an.

Einige organisatorische und gesellschaftsrechtliche Details dürften wohl noch länger dauern - vor allem was juristische Altlasten aus der im Herbst 2005 aufgeflogenen Refco-Kreditaffäre betrifft. Sollten sich geschädigte Refco-Anleger aus den USA bei der BAWAG schadlos halten wollen, müsste die BAWAG einiges an Gerichtskosten und Prozessfolgen fürchten.

Aus heutiger Sicht könnte der ÖGB - findet man eine tragfähige Lösung für die von US-Anwälten bereits im Herbst in Aussicht gestellten Sammelklagen gegen die BAWAG im amerikanischen Betrugs- und Insolvenzfall Refco - gegenwärtig zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro für die Bank erlösen.

Auch wenn die Bank derzeit selbst davon ausgeht, dass es keine besonders hohen Prozessrisiken geben wird, wollen sich potenzielle Käufer wohl abgesichert wissen, meinen Experten. Entweder über eine Umgründung und "Auslagerung" der restlichen Verlust- und/oder Prozessrisiken in eine eigene Gesellschaft oder durch eine entsprechende Kaufpreisminderung - also Preisvorbehalte. Dass der ÖGB selbst die Prozesskostenrisken übernimmt oder dafür garantiert, gilt nach der durch Streikfonds-Verpfändung entbrannten Debatte um Gewekschaftsbeiträge als ausgeschlossen, sagen Experten.

Firmenname schwer beschädigt
Weil der Firmenname BAWAG von den Karibik- und Refco-Turbulenzen als schwer beschädigt gilt, wird ferner davon ausgegangen, dass ein neuer Eigentümer - falls er das akquirierte Institut etwa über Holdingskonstruktionen eigenständig belässt - in Zukunft wohl den Teilnamen P.S.K. forciert.

Dass in den USA noch Klagen im Zusammenhang mit dem Refco-Skandal drohen könnten, wurde vorigen Freitag von BAWAG-Chef Ewald Nowotny zurückhaltend kommentiert. Man werde dieser Frage ganz seriös mit dem bezüglich des Verkaufs zu beauftragenden Finanz-Dienstleister abklären. Die Angelegenheit habe auch "preisrelevante Aspekte". Allerdings geht der BAWAG-Generaldirektor davon aus, dass die Risken "bei realistischer Betrachtung" in den jetzigen Bilanzen bereits abgedeckt seien, wie er erklärt hatte.

Mehrere Interessenten für Gewerkschaftsbank
Neben Wiener Städtischer, Erste Bank, Generali und Raiffeisen haben auch die Volksbanken - die sich in Österreich zuletzt im Herbst 2005 mit der Investkredit-Übernahme verdoppelt haben - Interesse an der zum Verkauf stehenden Gewerkschaftsbank BAWAG. Auch aus der Bank Austria soll es immer noch Ambitionen geben, falls das Österreich-Geschäft der UniCredit einmal verselbstständigt würde.

Franz Pinkl, Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), bekräftigte sein Grundsatzinteresse an der Gewerkschaftsbank. Die BAWAG sei viertgrößte Bank Österreichs und man gehe davon aus, dass sie ihre Schwierigkeiten überwindet, so Pinkl bei seiner Bilanzpressekonferenz.

Commerzbank nach Österreich?
Auch ausländische Institute werden erwartet, wenn die Ausschreibung für die Gewerkschaftsbank BAWAG beginnt. Marktspekulationen sprechen davon, dass auch die deutsche Commerzbank Interesse habe. Konzern-Pressesprecher Peter Pietsch bleibt dazu bedeckt. Auch wenn Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller zuletzt mehrfach angekündigt hat, über Akquisitionen wachsen zu wollen, gilt es am Markt als eher unwahrscheinlich, dass die Commerzbank tatsächlich in Österreich zuschlagen will, nicht zuletzt weil die Bank aktuell mit der Integration von Deutschlands größtem Immobilienfinanzierer Eurohypo beschäftig ist.

(apa/red)