Experten rätseln nun über Unfallursache:
ÖAMTC sieht keinen typischen Überholunfall

Pkw dürfte vor allem seitlich beschädigt worden sein Überholmanöver war bei Crash schon abgeschlossen

Experten rätseln nun über Unfallursache:
ÖAMTC sieht keinen typischen Überholunfall © Bild: APA/Robert Jäger

Der tödliche Crash von Jörg Haider war laut Max Lang vom ÖAMTC "kein typischer Überholunfall". "Die meisten dieser Unfälle stehen in direktem Zusammenhang mit dem Gegenverkehr", sagte der Experte gegenüber der APA. Die Betroffenen sehen herannahende Pkw nicht oder zu spät und können sich, wenn überhaupt, nur durch "Harakiri-Aktionen" retten.

Die weitere Hauptunfallursache beim Überholen ist überhöhte Geschwindigkeit - vor allem in Kurven verlieren die Lenker dann die Kontrolle über das Fahrzeug. "Haider dürfte das Manöver aber bereits abgeschlossen haben, als er von der Fahrbahn abgekommen ist", sagte Lang. Wie es zu dem Unfall gekommen sein könnte, konnte der Experte jedoch nicht sagen: "Ich kenne die Straßenverhältnisse und die Hintergründe nicht".

Sicheres Auto
Der VW Phaeton, die Luxuskarosse des deutschen Autoherstellers, gilt jedenfalls als sehr sicheres Fahrzeug. Das Portal "Auto Motor und Sport" bescheinigte der Limousine nach einem Crashtest "besten Insassenschutz". Doch die gute Knautschzone des Pkw dürfte Haider nichts geholfen haben, da der verstorbene Politiker nicht frontal gegen ein Hindernis gefahren ist.

"Den Bildern zufolge dürfte der Wagen vor allem von der Seite beschädigt worden sein", so Lang. Hier beträgt der Zwischenraum zwischen Türe und Fahrer nur 30 bis 40 Zentimeter.

Tödlicher Betonpfeiler
Der Wagen von Haider dürfte bei dem Unfall seitlich gegen ein nicht bewegbares Objekt geprallt sein - laut Polizei war es ein Betonpfeiler hinter einer Thujenhecke. "Das ist, wie wenn man mit einem starken Presslufthammer von der Seite gegen das Auto schlägt", sagte Lang.

Laut Statistik stehen Überholmanöver mit tödlichem Ausgang an dritter Stelle bei letalen Unfällen. Im Jahr 2007 endeten laut ÖAMTC 73 riskante Vorfahren fatal. Nur bei Unfällen wegen überhöhter Geschwindigkeit und Vorrangverletzungen starben im Vorjahr mehr Menschen.

Die Gründe für derartige Unglücke sind laut ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa: "Die Missachtung von Verboten, Überholen an unübersichtlichen Stellen und bei schlechter Sicht, gefährliche und riskante Überholmanöver infolge massiver Fehleinschätzungen, durch mangelnde Erfahrung oder einfach aus Zeitdruck und Ungeduld enden nicht selten im tödlichen Frontalcrash."
(apa/red)