Experten-Meinung: Durch H5N1-infizierte Katzen kein erhöhtes Risiko für Menschen

Verbreitung unter Säugetieren "äußerst schwierig" Weißenböck: "Noch jede Menge an Forschungsbedarf"

"Nicht sonderlich überrascht" über die ersten Fälle von mit dem H5N1-Virus infizierten Katzen in Österreich zeigte sich der Veterinär-Pathologe Univ.-Prof. Dr. Herbert Weißenböck von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Eine Übertragung des Virus von Vögel auf Säugetiere bezeichnete der Wissenschafter als "äußerst schwierig", jene auf Menschen als "überaus unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich".

"Es ist schon länger bekannt, dass der H5N1-Virus auf alle möglichen Spezies - bis hin zum Menschen - übergreifen kann", sagte Weißenböck im APA-Gespräch. Trotzdem sei es unwahrscheinlich, dass Katzen die gefährliche Vogelkrankheit auf den Menschen übertragen. "Fest steht, dass noch eine Menge an Untersuchungs- und Forschungsbedarf besteht. Man weiß einfach noch sehr wenig", sagte der Tiermediziner.

Warum das Virus gerade auf die Katze übergesprungen ist, kann auch Weißenböck nicht restlos beantworten: "Schwer zu sagen, aber es dürfte hier bestimmte günstige Konstellationen auf zellulärer Ebene geben."

Lob fand der Veterinär für die Kollegen im Mödlinger Forschungslabor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). "Dennoch würde mich interessieren, warum die Katzen untersucht wurden, was bzw. wie untersucht wurde." Denn die Übertragung des H5N1-Virus von Katze zu Katze sei durchaus möglich, vor allem wenn die Tiere auf engem Raum gehalten werden - zum Beispiel in Tierheimen.

Empfehlungen des Seuchenbekämpfungszentrums
Schon nach der Entdeckung einer mit dem H5N1-Virus infizierten Katze Ende Februar in Deutschland hatte das European Centre for desease Control (ECDC), das europäische Zentrum für Seuchenbekämpfung, darauf hingewiesen, dass keine erhöhtes Risiko für Menschen bestehe, an Vogelgrippe zu erkranken. Als Vorsichtsmaßnahme wurde grundsätzlich empfohlen, Hauskatzen innerhalb einer Zehn-Kilometer-Zone um einen Fundort infizierter Wildvögel nicht ins Freie zu lassen.

Die mögliche Infektion von Katzen mit dem Vogelgrippe-Virus wurde in Experimenten schon vor Jahren bewiesen. Damals wurden Tiger in asiatischen Zoos mit Hühner-Resten gefüttert und starben. In den Niederlanden infizierten Forscher Küken mit H5N1. Die Tiere wurden getötet und an Katzen gefüttert, worauf nicht nur alle diese Katzen krank wurden, sondern auch gesunde, die unter den infizierten ausgesetzt wurden.

Damit wurde ein neue Möglichkeit der Übertragung des Vogelgrippe-Virus bewiesen. Menschen, so die Fachleute, sind durch erkrankte Katzen praktisch nicht gefährdet: Denn niemand isst rohes Katzenfleisch und der Kontakt zu Exkrementen ist üblicherweise ebenfalls nicht gegeben.

Grundsätzlicher Ratschlag der ECDC: Streunende und halbwild lebende Katzen nicht ins Haus lassen. Bei Anzeichen von schweren Erkrankungen bei Katzen, die in Überwachungszonen frei herum gelaufen waren, sollte sicherheitshalber ein Tierarzt aufgesucht werden.

(apa/red)