Experten über den Konjunkturabschwung: Arbeitsmarkt stützen & Investitionen tätigen

Nowotny: "Konjunkturabschwung nicht dramatisieren" "Österreichs Wirtschaft schrumpft auf hohem Niveau"

Experten über den Konjunkturabschwung: Arbeitsmarkt stützen & Investitionen tätigen © Bild: APA/Neubauer

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny warnt davor, den für 2009 auch in Österreich zu erwartenden Wirtschaftsabschwung zu dramatisieren. Man müsse zwar mit einem Schrumpfen des Sozialprodukts in einem Ausmaß rechnen, das es in der zweiten Republik noch nicht gegeben habe, das Schrumpfen um vielleicht ein Prozent finde aber auf hohem Niveau statt, so Nowotny in einem Interview.

"Man muss etwas vorsichtig sein mit dem Begriff 'Krise'. Ein Schrumpfen zwischen 0,5 und einem Prozent ist sicherlich schwerwiegend, aber wenn das von so einem hohen Niveau geschieht, wirkt sich das nicht für jeden in einer katastrophalen Art aus", so der OeNB-Chef.

Dies werde leider auch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, die Investitionstätigkeit werde deutlich zurückgehen einige Unternehmen könnten in Schwierigkeiten kommen.

Schwächere Krise in Österreich
Wifo-Chef Karl Aiginger erwartet, dass die Krise in Österreich schwächer ausfallen wird als im europäischen Durchschnitt. Dazu sollen die deutlich steigenden Realeinkommen beitragen. Der Konsum werde um 1 Prozent steigen und die Konjunkturstütze sein. Exporte dürften dagegen leicht zurückgehen, die Investitionen deutlich zurückgenommen werden. Aiginger rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um ein halbes Prozent.

Entscheidend sei, dass Österreich besser abschneide und dass dafür alles getan werde, betonte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. So sollen durch eine Exportoffensive weitere 2.000 Betriebe zu Exporteuren gemacht werden. Für 2009 könne man schon zufrieden sein, wenn man die derzeitige Rekordbeschäftigung wird halten können.

Arbeitsmarkt
Ziel sei es, das Ansteigen der Arbeitslosigkeit soweit wie möglich einzudämmen, meinte ÖGB-Präsident Erich Foglar. "Wichtig ist es, dass wir alles tun, damit es nicht noch schlimmer wird", so Foglar. Vom Abschwung dürften vor allem Leiharbeiter und kurzfristig Beschäftigte primär betroffen sein, weniger die Stammbelegschaft, meinte Nowotny.

Der OeNB-Chef hofft, dass schon im ersten Quartal eine Verbesserung an den Finanzmärkten spürbar wird. Die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe könne nicht ewig dauern. Die Kreditnachfrage dürfte aber konjunkturbedingt zurückgehen, die Verlangsamung der Kredite von der Nachfrage und nicht von der Angebotsseite ausgehen. Wifo-Chef Aiginger rechnet damit, dass es sehr unterschiedliche Kreditzinsen geben wird, je nach Risikolage.

Für Leitl hat die Regierung viel zu viele Wochen bei der Installierung des Bankenhilfspaketes verloren. Die Banken werden erst Mitte Jänner durch das Inkrafttreten der staatlichen Garantie in der Lage sein, wieder den finanziellen Blutkreislauf in Gang zu setzen.

Maßnahmen brauchen Zeit
Die Maßnahmen sowohl der Regierung als auch der Notenbank bräuchten Zeit, bis sie wirken. "Es gibt eine Krankheit, aber die Medikamente sind bereitgestellt", so Nowotny.

Die größte Gefahr besteht für Aiginger darin, dass jetzt zu viele "Feuerwehraktionen" gemacht und zu wenig langfristige Signale gesetzt werden. "Österreich muss wettbewerbsfähig sein, durch Innovation und Qualifikation", so der Wifo-Chef. Investiert werden sollte vor allem in Forschung, Beschäftigung und die Integration von Migranten. "Jetzt Geld dafür ausgeben, was uns danach stärker macht", rät Aiginger.
(apa/red)