Experte warnt vor Public-Viewing-Risiken:
"Hatten bei der WM 2006 ein Riesenglück"

Publikumsandrang wurde in Deutschland unterschätzt EURO: "Sicherheitssituation in Österreich ist riskanter"

Experte warnt vor Public-Viewing-Risiken:
"Hatten bei der WM 2006 ein Riesenglück" © Bild: DPA/Mettelsiefen

"Wir hatten Riesenglück, Public Viewing-Zonen sind riskant. Das Ganze hätte auch kippen können und ist bis zu einem gewissen Grad unkalkulierbar." Das sagte Arno Hartung, Kommunikationschef des Münchner Olympiaparks, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 einen enormen Erfolg mit knapp einer Million Gästen eingefahren hat. In seinem Vortrag bei einer internationalen Tagung in Salzburg berichtete Organisator Hartung von seinen Erfahrungen, Fehlern und Glücksgriffen.

"Für uns war es ein Segen, dass Deutschland gut gespielt hat. Auch das hervorragende Wetter hat geholfen", betonte Hartung. "Wenn es jetzt in Strömen regnet und die eigene Mannschaft zum Beispiel wegen eines Schiedsrichter-Fehlurteils ausscheidet, ich glaube nicht, dass wir dieses öffentliche Event dann so friedlich hingekriegt hätten."

Hartung räumte ein, den Publikumsandrang schwer unterschätzt zu haben. Die Public-Viewing-Zone in München war für 37.000 Menschen genehmigt worden. Dann seien aber an Spitzentagen bis zu 100.000 gekommen, so dass - extrem kurzfristig und daher teuer - zusätzliche Leinwände, Toiletten und Sicherheitsleute organisiert werden mussten.

Situation in Österreich riskanter
Das gesamte Areal rund um das Münchner Olympiastadion sei mit einem Zaun abgesichert worden. Dahinter waren freie Flächen, wodurch die Sicherheit deutlich erhöht worden sei, so Hartung. "Die Situation wie sie hier in Salzburg ist, wo die Fan-Zone durch Häuser und Geschäfte begrenzt wird, halte ich für deutlich risikoreicher. In München waren viele Gemüter schon ein wenig abgekühlt, bevor sie nach den Spielen wieder in der Innenstadt angekommen sind."

Für Salzburg empfiehlt der Olympiapark-Manager, das Areal so wie in München rund eine halbe Stunde nach Spielende zu räumen. "Wenn die Zapfhähne zu sind, zerstreuen sich unserer Erfahrung nach die Leute sehr schnell und überwiegend problemlos."

Kulturelles Rahmenprogramm überflüssig
Darüber hinaus sollten ausreichend viele Info-Stände aufgestellt werden, auch Kinderbetreuungsangebote dürften nicht fehlen. "Was aber gänzlich überflüssig war, und wo wir viel Geld hätten sparen können, war das kulturelle Rahmenprogramm", sagte Hartung. "Die Leute fühlten sich durch sonst so beliebte Künstler wie Haindling oder die Leningrad Cowboys sogar gestört. Sie wollen essen und trinken und Fußball. Das mussten auch Sponsoren einsehen, die die Leinwände und Bühnen kurz vor den Spielen mit Spots und diversen Live-Events blockiert haben und dafür mit gellenden Pfeifkonzerten bedacht wurden."

Ursprünglich wollte der Münchner Olympiapark wegen der frei zugänglichen Fernseh-Übertragungen gar keine öffentliche Fan-Zone mit Public-Viewing-Bereich einrichten. Nicht zuletzt deshalb, weil der Weltverband FIFA "überall mitredet, sich überall einmischt und wir uns mühsam über jedes organisatorische Detail mit den Verantwortlichen zusammenraufen mussten", stellte Hartung fest.

Hoher PR-Wert möglich
"Nur beim Bier haben sich die Münchner dann durchgesetzt; also wurden auch sämtliche Münchner Sorten und nicht nur das offizielle Sponsorbier verkauft." Am Ende wurden 3.000 Hektoliter ausgeschenkt und 350.000 Flaschen alkoholfreie Getränke verkauft, obwohl jeder seine Getränke auch selbst mitbringen durfte. "Wenn das Ganze klappt, dann kann mit Public Viewing eben auch gut Geld verdient und best möglicher PR-Wert für das Areal der Fan-Zone erreicht werden", bekräftigte der Olympiapark-Manager. (apa/red)

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