Experiment mit dem Ex-Kicker ist geglückt:
Jungtrainer Guardiola hat Barca fest im Griff

Gleich in erster Saison Griff nach Europas Krone Einzige Trainerstation bisher war Barcas B-Team

Experiment mit dem Ex-Kicker ist geglückt:
Jungtrainer Guardiola hat Barca fest im Griff © Bild: Reuters/Nacarino

Die exquisiten Vorstellungen des Champions-Leauge-Finalisten und spanischen Fußballmeisters FC Barcelona in den vergangenen Monaten sind nicht allein das logische unvermeidliche Resultat der sündteuren Spieler-Melange, sondern auch dem Mann an der Seitenlinie geschuldet. Ausgerechnet in seiner Premieren-Saison als Erstligatrainer ist Josep "Pep" Guardiola auf dem besten Weg zum "Triple".

Ein Jahr ohne Titel ist beim FC Barcelona ein miserables Jahr. Wer sollte das besser wissen als Josep Guardiola. Schließlich kickte der nördlich der katalanischen Hauptstadt aufgewachsene defensive Mittelfeldspieler zwischen 1990 und 2001 selbst lange Jahre bei den "Blaugrana", viele davon als Kapitän. Sechs Meistertitel, zwei Cupsiege sowie ein Erfolg im letzten Europacup der Meister, dem Vorgänger der Champions League, legen beredtes Zeugnis von Guardiolas Klasse ab.

Lob von höchster Stelle
An den Erfolgsdruck hat sich Guardiola in seiner Zeit bei "Barca" ebenso gewöhnt wie er ein feines Sensorium für den blau-roten Organismus entwickelt hat. Und ein Jahr mit drei Titeln ist sogar in Barcelona nicht an der Tagesordnung. Selbst sein routiniertes Pendant bei Manchester United, Sir Alex Ferguson, pries die Qualitäten Guardiolas: "Wenn ein Club einen Ex-Spieler als Trainer engagiert, funktioniert das nicht immer. Aber er hat in seiner ersten Saison Fantastisches geleistet."

Die einzige Trainerstation war bis zu seiner Verpflichtung Barcas B-Team gewesen, Guardiola erhielt nach dem Abgang von Frank Rijkaard dennoch den Vorzug vor Jose Mourinho und Michael Laudrup. Die Fans waren skeptisch, wurden vom durchschlagskräftigen Guardiola aber eines Besseren belehrt. Beseelt vom einer offensiven Fußball-Philosophie, die sein einstiger Coach bei Barca, Johann Cruyff, vertreten hatte, krempelte er das Team um, einstige Lichtgestalten wie Ronaldinho, Deco, Edmilson, Thuram oder Zambrotta nahmen ihren Hut.

Disziplin im Designeranzug
Der selbstbewusste Guardiola, der fast den halben Betreuerstab auswechselte, nahm sich kein Blatt vor den Mund und forderte von seinen Spielerin ein nachgerade puritanisches Arbeitsethos. Er "zähmte" den lustlosen Samuel Eto'o, der prompt Tore am Fließband erzielte. Er überzeugte Thierry Henry, dass es sich auch als linker Außenstürmer gut leben lässt. Und er verwandelte eine enttäuschende Millionärs-Truppe in eine atemberaubend spielfreudige Elf, die angeführt von Lionel Messi Woche für Woche sich und die Fans in einen kleinen Fußball-Rausch kickte. Ebenso gut wie seine taktischen Konzepte sitzt freilich der schwarze Anzug, der gemeinsam mit einem gepflegten Drei-Tage-Bart zum Markenzeichen Guardiolas geworden ist.

So herausragend Guardiola als Spieler auch war, in einem tat er es vielen seiner Kollegen gleich. 2002 wurde er für fünf Monate gesperrt, weil er bei einer Doping-Probe positiv auf Nandrolon getestet worden war - wie auch andere prominente Kicker vor und nach ihm. Eine in Italien nach Verschärfung der Dopinggesetze 2005 verhängte siebenmonatige Haftstrafe wurde im Oktober 2007 allerdings wieder aufgehoben. Guardiola hatte stets seine Unschuld beteuert.
(apa/red)