Ex-Weltbankchef Wolfowitz im Porträt: Neo- konservativ, intellektuell & löchrige Socken

Ex-Vizeverteidigungsministers ist für Härte bekannt

Paul Wolfowitz, seit 2005 an der Spitze der Weltbank, gilt als blitzgescheiter Intellektueller. Der frühere Politologie-Dozent an der Eliteuniversität Yale gehörte zu den Vordenkern eines Zirkels neokonservativer Politiker mit großem Einfluss auf Präsident George W. Bush. Wenn es um die großen Ziele der amerikanischen Politik geht, ist der ehemalige Vizeverteidigungsministers für Härte bekannt. Keine Kompromisse mit Diktatoren und rigorose Unterstützung für Demokratiebewegungen in aller Welt waren stets Grundsatz des 63-Jährigen.

Genau deshalb stieß Wolfowitz in der Weltbank auf große Vorbehalte, als er im Juni 2005 dort den auf Vorschlag von US-Präsident George W. Bush den Chefposten übernahm. Zahlreiche Kritiker überzeugte er jedoch durch sein Engagement für die Bekämpfung der Armut und vor allem der Korruption, was mit zu seinem wichtigsten entwicklungspolitischen Zielen wurde. Zur Zielscheibe internationalen Spotts wurde er hingegen, als der Weltbankchef im Jänner 2007 mit löchrigen Socken eine Moschee in der Türkei betrat. Fotos von den herausragenden Zehen gingen um die Welt.

Wolfowitz ist Sohn eines polnischen Juden, der 1920 angesichts des Vormarsches der sowjetrussischen Truppen auf Warschau in die USA flüchtete. Viele seiner in Europa gebliebenen Verwandten kamen später im Holocaust um, und die frühen Erfahrungen mit den furchtbaren Auswirkungen totalitärer Regime erwiesen sich als prägend. Schon frühzeitig war Wolfowitz von dem Gedanken beseelt, der möglichen Bedrohung durch Diktatoren präventiv zu begegnen.

Wolfowitz studierte wie sein Vater zunächst Mathematik, ehe er sich der Politikwissenschaft zuwandte. Nach Erwerb seines Doktortitels und dreijähriger Lehrtätigkeit an der Yale-Universität siedelte er in die US-Behörde für Rüstungskontrolle über. Danach folgten zunehmend bedeutende Posten im Außenministerium, im Pentagon und im Ausland. In den 80er Jahren war Wolfowitz US-Botschafter in Indonesien, wo er schnell zum Asien-Spezialisten wurde. Die Amtsjahre des demokratischen Präsidenten Bill Clinton verbrachte Wolfowitz als Professor für Internationale Beziehungen an der Johns Hopkins- Universität. Mit dem Amtsantritt von George W. Bush kehrte Wolfowitz in die Machtzentrale zurück. 2001 rückte er zum Stellvertreter von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf.

Zum Verhängnis wurde Wolfowitz, dass er seine bei der Weltbank angestellte Freundin Shaha Riza mit einer Gehaltserhöhung begünstigt zu haben. Riza war bereits bei dem Institut beschäftigt, als Wolfowitz im Juni 2005 das Amt des Präsidenten übernahm. Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, erhielt sie damals eine Aufgabe beim US-Außenministerium, blieb aber auf der Liste der Gehaltsempfänger der Weltbank und kam in den Genuss einer um rund 50.000 Dollar erhöhten Vergütung. Ein Prüfungsausschuss der Weltbank kam am Montag zu dem Schluss, Wolfowitz habe eindeutig gegen Richtlinien verstoßen