Ex-UN-Waffen-Chefinspektor: Forderung an
Iran nach Anreicherungsstopp "lächerlich"

"Kein Spieler gibt Trumpf vor Spielbeginn aus Hand"

Der frühere Waffen-Chefinspektor der UNO, Hans Blix, hat es am Freitag als "lächerlich" bezeichnet, vom Iran eine Aussetzung seiner Uran-Anreicherung als Vorbedingung für Verhandlungen zu fordern. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA fragte Blix bei einer Veranstaltung des European Policy Centre in Brüssel: "Welcher Spieler ist bereit, seine Trumpfkarte aus der Hand zu geben noch bevor das Spiel begonnen hat?"

Zudem sei es nicht wichtig, die heutigen Absichten des Iran zu erkunden, meinte der frühere Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) (1981-1997). Es gebe keine Eile, weil der Iran noch Jahre brauchen werde, um Atomwaffen herstellen zu können. Es sei jetzt die Zeit für Gespräche, andernfalls drohe ein Überschwappen nationaler Gefühle, warnte der schwedische Experte.

Zu den Vermittlungsbemühungen der EU im Atomstreit meinte er, es sei ein offenes Geheimnis, dass die USA vom Rücksitz aus die Europäer chauffierten. Wichtig sei die Frage, ob ein ausgehandeltes Paket Sicherheitsgarantien enthalte, zu denen sich auch die USA bekennen. Diese fehlten nämlich in dem dem Iran angebotenen Anreizpaket der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands.

Ahmadinejad bezeichnet USA als "atomare Bedrohung"
In einer erneuten Verbalattacke hat der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad die USA als die eigentliche "atomare Bedrohung" bezeichnet. "Warum müssen die Völker mit der atomaren Bedrohung der USA leben?", fragte Ahmadinejad. "Worauf wartet der UNO-Sicherheitsrat, um auf diese Bedrohung zu reagieren?"

Ahmadinejad wiederholte, dass das Atomprogramm des Iran lediglich friedlichen Zwecken diene. Er rief die Blockfreienbewegung auf, "die Versuche zu durchkreuzen, den Iran an der Entwicklung eines friedlichen Atomprogramm zu hindern".

Die USA versuchten, den Iran an der atomaren Entwicklung zu hindern, obwohl sie, ein ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrates, selbst "Atombomben der dritten Generation, Neutronenbomben und intelligente Atombomben" produzierten. Ahmadinejad warf Washington vor, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für die Durchsetzung eigener Interessen zu nutzen. Er forderte eine Reform des Gremiums und schlug vor, einen Sicherheitsratssitz für die Blockfreien zu fordern.

China fordert von Iran mehr Bewegung im Atomstreit
China hat den Iran aufgefordert, mehr Flexibilität zu zeigen. Dies sei hilfreich für eine baldige Wiederaufnahme von Verhandlungen und damit letztlich für eine Lösung des Konflikts, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao bei einem Treffen mit dem iranischen Vizepräsidenten Ali Saidlu. Zwar sei der Konflikt an einem kritischen Punkt angelangt, dennoch gebe es Raum für eine Verhandlungslösung.
(apa)