Ex-Spion wird neue Nummer 1 der Armee: 55-jähriger General Kayani folgt Musharraf

Genießt Vertrauen des pakistanischen Präsidenten Staatspräsident muss seine "zweite Haut" anlegen

Ex-Spion wird neue Nummer 1 der Armee: 55-jähriger General Kayani folgt Musharraf

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf will unter internationalem Druck seine Uniform ablegen, die er noch vor kurzem als seine "zweite Haut" bezeichnet hat. General Ashfaq Parvez Kayani wird dann der neue Mann an der Spitze der pakistanischen Armee werden. Kayani hielt sich in den vergangenen Tagen aus der politischen Krise in Pakistan heraus. Stattdessen besuchte er Truppen, die im Norden des Landes verlustreiche Gefechte gegen muslimische Extremisten kämpfen.

Was der General vor den Soldaten sagte, dürften nicht nur Musharraf, sondern auch die USA mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben. Kayani betonte, es werde "kein Nachlassen im Krieg gegen Terrorismus geben, bis er seinem logischen Ende zugeführt ist". Nachdem Musharraf ankündigte, im Falle seiner Wiederwahl sein Amt als Armeechef niederzulegen, berief er Kayani am 2. Oktober zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Zuvor leitete der General den berüchtigten militärischen Geheimdienst ISI.

Der schweigsame 55-Jährige genießt das Vertrauen Musharrafs. Der Präsident hatte Kayani nach zwei Anschlägen muslimischer Extremisten auf sein Leben Ende 2003 mit den Ermittlungen betraut. Kayani war in Musharrafs Auftrag auch darum bemüht, eine Vereinbarung mit Oppositionsführerin Benazir Bhutto über ihre Teilhabe an der Macht herbeizuführen und so politischen Druck vom Präsidenten zu nehmen. Die Verhandlungen führten nicht zum Erfolg.

Kayani wurde im April 1952 im Distrikt Jhelum in der ostpakistanischen Provinz Punjab geboren. Nach seiner Ausbildung an der Militärakademie im nordpakistanischen Kakul trat er 1971 seinen Dienst als Leutnant an. Wie bei Musharraf folgte eine steile Karriere bei den Streitkräften. Kayani bewies mehrfach sein Geschick als Krisenmanager. Als die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan im Winter 2001/2002 an der Grenze Truppen zusammenzogen, soll der General maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Lage nicht weiter eskalierte. Anders als Musharraf gilt Kayani als zurückhaltend.

Der General ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seiner Freizeit spielt er gerne Golf. Kayani ist Vorsitzender der pakistanischen Golf-Vereinigung. (apa)