Ex-DDR-Athletin über das Doping-Business:
Zwangsdoping-Opfer Geipel im FORMAT-Talk

Leistungssport ohne Doping fast nicht mehr möglich Drogenmafia und Pharmakonzerne als Profiteure

„Ohne Doping kann man praktisch nicht an der Spitze sein“, erklärt Ines Geipel gegenüber FORMAT. Im Jahr 1984 gewann die Ex-Sportlerin den Staffelweltrekord. Sie bestand jedoch darauf ihren Titel streichen zu lassen und klagte im Berliner Dopingprozess. Im Interview spricht Geipel über die Profiteure des Doping-Geschäfts und die Olympiade in Peking.

Ex-DDR-Athletin über das Doping-Business:
Zwangsdoping-Opfer Geipel im FORMAT-Talk

FORMAT: Frau Geipel, Sie wurden als Athletin Opfer des DDR-Zwangsdopings. Freuen Sie sich trotzdem auf die Olympia-Übertragungen?
Geipel: Ich sehe mir das eher aus soziologischer Sicht an: Wie verändert sich die Physiologie der Körper? In den 70er-Jahren regierten muskulöse, aufgeschwemmte Steroid-Körper. Jetzt sehen wir extreme Fettarmut, wie Menschen, die durch die Wüste gehen. Regelrechte Maschinen. Der Körper wird in allen Phasen an die Grenzwerte herangedopt. Das ist nicht mehr von den Athleten selbst zu machen, sondern von Laboren, Chemikern, Ärzten.

FORMAT: Gibt es überhaupt noch Leistungssport ohne Doping?
Geipel: In unverbrannten Sportarten teilweise. Aber in den traditionellen Olympia-Sportarten und den Mannschaftsbewerben ist es praktisch unmöglich, ohne Doping an der Spitze zu sein. Unsere Testsysteme sind sehr rückständig: Die Labors erkennen nicht einmal die Hälfte der benützten Dopingmittel.

FORMAT: Wer verdient daran?
Geipel: Einerseits Mafias: Der Schwarzmarkt von Drogen und Dopingmitteln verschmilzt. Wenn man in China in einem Labor um 2.500 Euro einkauft, kann man im Westen 40.000 bis 70.000 Euro umsetzen – eine irre Gewinnspanne. Zweitens die Pharmaindustrie: Ich habe in meinem Buch dargestellt, dass die Pharmamultis Krankheiten kreieren, um einen Markt zu schaffen.

FORMAT: Wie schafft man einen Massenmarkt für Dopingmittel?
Geipel: In den 70er-Jahren hat die italienisch-amerikanische Mafia das Idealbild des muskelbepackten Mister Universum erfolgreich nach Hollywood getragen – ein genialer Schachzug. Man muss sich fragen, in welchem Spiel wir uns heute bei der Neukonzeptionierung des Körperbildes befinden. Ich beobachte, dass die Chemikalisierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Unser Blick ist auf Sport gerichtet, aber auch im Bereich des Hirndopings, der Leistungssteigerung ist viel Geld zu machen. Allein wenn man sich die Karriere von EPO ansieht, eine der lukrativsten Dopingsubstanzen, kann man sich das Interesse der Pharmaindustrie gut vorstellen.

FORMAT: China tut sehr viel, um vom Dopingimage wegzukommen. Wie sieht die Realität aus?
Geipel: Olympische Spiele sind Umwälzmaschinen des Geldes, des Ruhms und auch der Forschung. Da geht es um Durchbrüche. China basiert wie die DDR auf dem sowjetischen Sportsystem. Das ist mit der Olympiabewerbung teilweise zerbrochen, in den Provinzen wird an den Eliteschulen aber weiter gedopt. Schon die Indizien, dass China – was Steroide und Gendoping betrifft – die ganze Welt versorgt, sind besorgniserregend. Da wird ja an Menschen geforscht und getestet. Ich habe mit vielen ehemaligen Athleten gesprochen, die von Gewalt und massiver Dopingvergabe berichten.

Das ganze Interview lesen Sie im FORMAT 32/08!