Ex-Außenminister der Roten Khmer in Haft:
Auch Ehefrau wurde von Polizei abgeführt

Kommen nun wegen Foltergefängnissen vor Gericht Insgesamt befinden sich nun 4 Ex-Funktionäre in Haft

Ex-Außenminister der Roten Khmer in Haft:
Auch Ehefrau wurde von Polizei abgeführt

Drei Jahrzehnte nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha hat das UNO-Tribunal bisher vier Haftbefehle gegen frühere Funktionäre des Terrorregimes des 1998 verstorbenen Diktators Pol Pot vollstreckt. So führten Polizisten in Phnom Penh den Schwager Pol Pots und früheren Außenminister Ieng Sary und seine Frau Ieng Thirith ab, die Sozialministerin der Roten Khmer gewesen war. Beide lebten bisher unbehelligt in der Hauptstadt, sie sind vermutlich 77 und 75 Jahre alt und sollen aufgrund von Profiten aus dem Holz- und Edelsteingeschäft in Pailin sehr vermögend sein.

Das Pol-Pot-Regime (1975-79), unter dem bis zu zwei Millionen Menschen gewaltsam umkamen, wurde durch eine vietnamesische Militärintervention gestürzt. Dem Sondertribunal, das aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten ausländischen Juristen besteht, sind enge Grenzen gesteckt. Angeklagt werden nur Spitzenvertreter des Regimes und keine ausländischen Unterstützer oder Mitwisser. Andernfalls wäre die Einsetzung des Tribunals im UNO-Sicherheitsrat an einem chinesischen Veto gescheitert. China hatte die Roten Khmer massiv unterstützt.

Haftbefehl wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit
Gegen Ieng Sary, der bereits 1979 von einem kambodschanischen Gericht zum Tode verurteilt, aber 1996 amnestiert worden war, liege ein Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor, teilte das Völkermordtribunal mit. Auch seine Frau werde sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen. Bereits in Haft sind der ehemalige Leiter des berüchtigten Verhör- und Folterzentrums Tuol Sleng, Kang Kek Ieu, genannt "Deuch" (Duch), und der frühere Chefideologe Nuon Chea.

Sary: "Bin ein sanfter Mensch"
"Ich habe nichts Falsches getan", sagte Ieng Sary im Oktober in Bangkok, wo er sich ärztlich untersuchen ließ. "Ich bin ein sanfter Mensch. Ich glaube an gute Taten." Der in Frankreich ausgebildete Marxist war als Chefdiplomat das Gesicht des Regimes im Ausland. Er überredete viele geflüchtete Studenten und Diplomaten zur Rückkehr nach Kambodscha, wo sie als Intellektuelle ermordet wurden.

Brutale Gewalt der Roten Khmer
Die von China unterstützten Roten Khmer herrschten mit brutaler Gewalt. Ihr Ziel war es, das südostasiatische Land in eine kollektivistische Agrargesellschaft umzuwandeln. Die Angehörigen der Intelligenz wurden systematisch ausgerottet. Wegen der unvorstellbaren Massaker bekam das geschundene Land den Beinamen "Killing Fields". Die vietnamesische Armee marschierte Ende 1978 in das Nachbarland ein, eroberte am 7. Jänner 1979 die Hauptstadt Phnom Penh und stürzte das Schreckensregime. Die Roten Khmer zogen sich daraufhin in den Dschungel zurück, behielten den UNO-Sitz und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom Penh. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzung für eine UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen schuf. (APA/red)