Ewald Stadler - Ein Volksanwalt in der EU?
Lissabon-Vertrag eventuell entscheidend

BZÖ-Mandat vielleicht mit zwei Jahren Verzögerung

Ewald Stadler - Ein Volksanwalt in der EU?
Lissabon-Vertrag eventuell entscheidend

Stadler darf sich trotzdem berechtigte Hoffnungen machen, Brüsseler Luft zu schnuppern. Denn sobald der EU-Vertrag von Lissabon in Kraft tritt, erhält Österreich zwei Mandate mehr und spätestens dann sollte das Bündnis ebenfalls einen Platz im EU-Parlament ergattern. Allenfalls könnte Stadler noch von Jörg Freunschlag verdrängt werden, der an zweiter Stelle beim BZÖ kandidiert hat und in Kärnten einiges an Vorzugsstimmen abkassieren könnte.

Die politische Karriere Stadlers, am 21. Mai 1961 in Mäder geboren, war ohnehin immer eine wechselhafte. Gestartet wurde sie in seiner Heimatgemeinde, wo er sich im Alter von 24 in der Gemeindepolitik zu engagieren begann. 1989 ging es weiter in den Vorarlberger Landtag, 1991 wurde er dort Klubobmann der Freiheitlichen, das Verhältnis mit Landeschef Hubert Gorbach war freilich alles andere als freundschaftlich, weshalb Stadler nach Wien gelobt wurde.

Nach der Nationalratswahl 1994 zog der studierte Jurist als Abgeordneter in den Nationalrat ein. 1996 wurde er an der Seite Haiders zum geschäftsführenden Klubchef und bekam angesichts seiner spitzen Zunge den Spitznamen "Dobermann". Im April 1999 war es mit der Karriere des mehrfachen Familienvaters auf Bundesebene dann fürs erste vorbei. Er wechselte in die niederösterreichische Landesregierung.

Volksanwaltschaft zum ruhig stellen
Nach der schwarz-blauen Wende im Jahr 2000 gefiel sich Stadler als Kritiker der damaligen FPÖ-Führung um Susanne Riess-Passer. Um ihn ruhig zu stellen, verschaffte ihm die damalige Vizekanzlerin einen Job in der Volksanwaltschaft. Diese Entscheidung war nicht unumstritten, denn Stadler, der Mitglied der akademischen Sängerschaft Skalden ist, hatte mit kontroversiellen Äußerungen zur NS-Zeit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Am auffälligsten in diesem Bereich war wohl jene Aussage, wonach Österreich 1945 nur "angeblich" vom Faschismus befreit worden sei.

Im Gefolge der freiheitlichen Parteispaltung schlug sich Stadler auf die Seite Heinz-Christian Straches. Doch die Harmonie wehrte nur kurz. Stadler wurde als Chef der freiheitlichen Akademie demontiert. "Ganz zufällig" tauchten dann Jugendfotos von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf, die ihn bei wehrsportähnlichen "Waldspielen" zeigten. Stadler bestreitet, diese Fotos selbst an Medien weitergeleitet zu haben.

Der Revancheakt erfolgte rasch. Kurz nach den Bildern von den Waldspielen waren plötzlich ein wenig skurrile Fotos in Medien zu sehen, die Stadler in einer Kutte des erzkonservativen Mercedarier-Ordens zeigten. Überhaupt ist Stadler bei den traditionell antiklerikalen Freiheitlichen ein Außenseiter. In seinem Heimatort Etsdorf in Niederösterreich hat er in seinem Einfamilienhaus eine Hauskapelle einrichten lassen. Sein Versuch, das "wehrhafte Christentum" ins FPÖ-Parteiprogramm zu schreiben, scheiterte in den 90ern.

Überraschende Versöhnung mit Haider
Beim BZÖ stört dieser klerikale Einschlag Stadlers bis jetzt nicht. Völlig überraschend versöhnte sich der Vorarlberger vorigen Sommer mit Bündnis-Gründer Jörg Haider, nachdem er im Zuge des Streits mit Strache aus der FPÖ ausgetreten war, und zog neuerlich in den Nationalrat ein. Im BZÖ-Parlamentsklub wurde er im Oktober 2008 schließlich stellvertretender Obmann, mittlerweile leitet er die chronisch schwachen niederösterreichischen Orangen.

Sollte Stadler fürs Erste nicht nach Brüssel kommen, wird das der Familie vielleicht ganz recht sein. Stadler, der seit Jahrzehnten mit Ehefrau Hilde verheiratet ist, hat immerhin sechs Kinder. Auch im Parlament wäre weiter für Stimmung gesorgt. Denn der Vorarlberger, der erst im Vorjahr sein Gerichtsjahr bewältigt hat, gilt derzeit als wohl bester Redner des Hohen Hauses.

(apa/red)