Leben von

Luftig ins Gelände

Range Rover kreuzt erstmals einen SUV mit einem Cabrio. Der offene Evoque wird durch diese Operation aber keineswegs verweichlicht

Axel Meister © Bild: News

Mit den Modellen von Range Rover assoziierte man bisher die nobelste Art, ins Unterholz zu fahren. Das jüngste und kleinste Familienmitglied des Brit-Clans, der Evoque, performt in der Disziplin Gatsch ganz besonders exquisit. Er zog das gesamte Unternehmen beinahe im Alleingang aus dem Dreck, sprich: aus den roten Zahlen. Mit einer halben Million verkaufter Exemplare steht der Evoque in seiner Company als Absatzweltmeister da. Selbstverständlich in der Version mit festem Blechdach über dem Kopf.

Range Rover
© Range Rover

Genau das aber haben die Briten ihrem Lieblingsmodell in dessen Heimat, dem Werk in Halewood, jetzt fein säuberlich abgeschnitten. Das Evoque-Cabrio darf sich somit über ein Alleinstellungsmerkmal freuen: Es ist weltweit der erste SUV mit Faltverdeck (sieht man von einer bereits vergessenen optischen Entgleisung eines asiatischen Herstellers ab). Die Idee, einen piekfeinen Sport Utility mit einem Cabriolet zu kreuzen, ist vielleicht gar nicht so verwegen. Denn die Cabrio-Zulassungszahlen sind im Sinkflug, seit sich die feinen Damen der Gesellschaft aus ihren offenen Flitzern geschält und den dicken Offroadern zugewendet haben. Man darf es demnach als Kalkül interpretieren, dass Mutter Land Rover zu ersten Testfahrten des Evoque-Cabrios in den mondänen französischen Skiort Courchevel bat. Mit seiner auffallend hohen Schulter linie – und noch dazu in der Schockfarbe „Phoe nix Orange“ lackiert – zog der offene Evoque denn auch sogleich die Blicke der betuchten Winter- sportklientel an, als er sich vorbei an Cafés und Sonnenterrassen seinen Weg zwischen deutschen Edel-SUVs bahnte.

Das Stoffmütze-Lüpfen und -Aufsetzen gehört nicht zur großen Show des Evoque. Das geschieht vollelektrisch und wenig spektakulär in 18 beziehungsweise 21 Sekunden. Mit hochgefahrenen Seitenscheiben, aufgestelltem Windschott und dem vollen Heizprogramm (von Cabrio-Puristen wären wir arg verspottet worden) lässt sich offen selbst auf der Autobahn kommod und ziemlich zugfrei cruisen. Rasen ist sowieso nicht die Stärke des offenen Evoque: Die von uns gefahrene Dieselversion mit 180 PS offenbart beim abrupten Beschleunigen aus mittlerem Tempo kleine Defizite, ist aber sonst frei von Tadel. Daneben gibt es einen kleineren Diesel mit 150 PS (56.100 Euro) und einen 240-PS-Benziner (64.900 Euro).

Das Beste kommt zum Schluss: Der offene Evoque steht der geschlossenen Version weder am Steilhang noch im Tiefschnee auch nur um ein Jota nach. Der souveräne Allradantrieb kann auch hier sein gesamtes Offroad-Repertoire nonchalant abrufen.

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