"Everything Everywhere All at Once" ist Oscar-Favorit

von "Everything Everywhere All at Once" ist Oscar-Favorit © Bild: APA/APA/AFP/Getty/EMMA MCINTYRE

Das Team der schrägen Sci-Fi-Komödie liegt gut im Rennen

Das schräge Science-Fiction-Abenteuer "Everything Everywhere All at Once" vom Regieduo Dan Kwan und Daniel Scheinert geht als Topfavorit in die 95. Oscar-Gala am 12. März. Der Film erhielt elf Nominierungen, wie am Dienstag in Hollywood bekanntgegeben wurde. Dahinter folgen "Im Westen nichts Neues" sowie "The Banshees of Inisherin" mit neun Nennungen. Während Marie Kreutzers "Corsage" nicht nominiert wurde, darf sich die österreichische Editorin Monika Willi Hoffnung machen.

Sie wurde für ihre Arbeit an Todd Fields Musikdrama "Tár" für den besten Schnitt nominiert und trifft hier auf Kollegen wie Eddie Hamilton ("Top Gun: Maverick") oder Paul Rogers ("Everything Everywhere All at Once"). In einer ersten Reaktion gegenüber dem "Kurier" zeigte sich Willi "sprachlos. Damit habe ich nicht gerechnet." Field sei bei ihrer Arbeit stets dabei gewesen, so die gebürtige Innsbruckerin. "Es war ein sehr intensiver Schnittprozess."

"Corsage" blieb dagegen eine Nominierung verehrt: Das Sisi-Drama von Regisseurin Kreutzer, das zuletzt vor allem aufgrund der Causa um den Schauspieler Florian Teichtmeister in den Schlagzeilen war, hatte in der Kategorie "International Feature Film" das Nachsehen. Hier rittern stattdessen "Argentina, 1985" (Argentinien), "Close" (Belgien), "Eo" (Polen), "The Quiet Girl" (Irland) und "Im Westen nichts Neues" (Deutschland) mit dem österreichischen Schauspieler Felix Kammerer in der Hauptrolle um die begehrte Auszeichnung.

"Im Westen nichts Neues"-Regisseur Edward Berger, der gemeinsam mit Lesley Paterson und Ian Stokell auch Chancen auf einen Preis für das beste adaptierte Drehbuch hat, zeigte sich angesichts der vielen Nominierungen "ein bisschen überwältigt", wie er der dpa sagte. Derzeit drehe er gerade in Rom, die Nominierungsverkündung habe er aber natürlich verfolgt. "Wir haben uns wahnsinnig zusammen gefreut."

Die deutsche Netflix-Produktion wurde auch als bester Film nominiert und sieht sich in dieser Sparte namhafter Konkurrenz ausgesetzt, angefangen von "Everything Everywhere All at Once" über eine Waschsalonbesitzerin in den USA, die sich eines Tages in einem Multiversum wiederfindet, über das Freundschaftsdrama "The Banshees of Inisherin" von Martin McDonagh bis zu Baz Luhrmanns Musikerbiopic "Elvis", das insgesamt mit acht Nominierungen bedacht wurde.

Auch Steven Spielbergs autobiografisch gefärbter Film "The Fabelmans" ist in der Königskategorie genannt, neben sechs weiteren Gewinnchancen, u.a. für den Hollywoodveteranen als bestem Regisseur. Nachdem im Vorjahr mit Jane Campion ("The Power of the Dog") eine Frau die Regietrophäe entgegennehmen durfte, sind heuer wieder ausschließlich Männer in dieser Sparte dabei. Spielberg, Kwan und Scheinert sowie McDonagh finden sich hier ebenso wie Field ("Tár") und Ruben Östlund ("Triangle of Sadness").

Bei den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern sind es etliche große Namen und einige Newcomer, die sich bei der Gala Mitte März Hoffnungen auf eine Auszeichnung machen dürfen: Für Cate Blanchett ("Tár"), Ana de Armas ("Blonde"), Andrea Riseborough ("To Leslie"), Michelle Williams ("The Fabelmans") und Michelle Yeoh ("Everything Everywhere All at Once") wird es also ebenso spannend wie für das männliche Quintett, bestehend aus Austin Butler ("Elvis"), Colin Farrell ("The Banshees of Inisherin"), Brendan Fraser ("The Whale"), Paul Mescal ("Aftersun") und Bill Nighy ("Living").

Bei den Nebendarstellern und Nebendarstellerinnen sind es eigentlich zwei Filme, die den Ton angeben: "Everything Everywhere All at Once" brachte es hier gleich auf drei Nennungen (Ke Huy Quan sowie Jamie Lee Curti und Stephanie Hsu) und liegt damit Kopf-an-Kopf mit "The Banshees of Inisherin" (Brendan Gleeson und Barry Keoghan sowie Kerry Condon). Komplettiert werden die jeweiligen Fünferfelder durch Brian Tyree Henry ("Causeway") und Judd Hirsch ("The Fabelmans") sowie Angela Bassett ("Black Panther: Wakanda Forever") und Hong Chau ("The Whale").

Das Team von "Corsage" hat sich nach Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen mit einer kurzen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Über die Gründe der Entscheidung der Academy-Mitglieder wolle man nicht spekulieren. Da im Film aber ein Schauspieler mitgewirkt habe, "der wegen des Besitzes von sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger zum Leid unzähliger Kinder beigetragen hat", sei es "nicht mehr vorrangig", ob der Film für einen Preis nominiert werde oder nicht. Man müsse sich dem Thema Gewalt an Kindern stellen und dieses "noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit" bringen. Dafür arbeite man mit Kinderschutzorganisationen zusammen, so Regisseurin Kreutzer, Johanna Scherz und Alexander Glehr von der Produktionsfirma Film AG. Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass "Corsage" für den britischen Filmpreis BAFTA als bester nicht englischsprachiger Film nominiert ist.

Insgesamt werden die Oscars in 23 Kategorien vergeben. Nachdem es zuletzt keine fixe Moderation gab, wird heuer zum dritten Mal der Komiker Jimmy Kimmel durch die Gala führen, die am 12. März im Dolby Theatre in Hollywood stattfindet.