Fakten von

Macht kommt von machen

Der neue steirische Landeshauptmann hat Kreisky und Schüssel übertroffen

Eva Weissenberger (Editorial) © Bild: NEWS/Ian Ehm

Da braucht man keine Fernsehserien mehr. Was sich in den letzten zwei Wochen in Österreich abgespielt hat, böte Stoff für die besten Politthriller, die das TV derzeit hergibt. Der Kampf um das Amt des US-Präsidenten in „House of Cards“? Okay, die klopfen die cooleren Sprüche und tragen engere Anzüge. Die dänische Premierministerin in ihrer Burg, ihrer „Borgen“? Gut, die ist sympathischer und entscheidet sich in jeder fünften Folge für die Moral.

Im Grunde bildet die Fiktion die Realität aber gut ab. In der Politik geht es um Macht. Und sonst um gar nichts. Vergessen Sie alle Sonntagsreden an Wahlabenden. Dass man sich einen Partner suchen werde, mit dem man sein Programm umsetzen könne – von wegen! Dass man sich jetzt aber wirklich um die Probleme „der Menschen“ kümmern werde – aber wo! Belege dafür gibt es derzeit zwischen Eisenstadt, Wien und Salzburg zuhauf: „diktatorische“ Methoden, verratene Freundschaft, verkaufte Ideologie oder völlige Ideologielosigkeit. Sie scheren sich um nichts und tun es einfach. Ohne Rücksicht auf Verluste. Macht kommt von machen.

Das Meisterstück lieferte Hermann Schützenhöfer ab. Er verlor die Wahl und gewann die Verhandlungen, auf eine Art, dass sogar Bruno Kreisky und Wolfgang Schüssel vor Neid erblassen müssten. Die beiden Bundeskanzler, die als die bisher ausgebufftesten Strategen der Zweiten Republik galten, mussten beide mit den Freiheitlichen paktieren, um an die Macht zu kommen. Schützenhöfer darf seine „Reformpartnerschaft“ weiterführen. Sein neuer Partner von der SPÖ ist ein netter junger Mann, der überglücklich strahlt, weil er jetzt bei den Großen mitspielen darf.

Der bisherige rote Landeshauptmann Franz Voves ist aber auch nicht der Märtyrer, als der er sich jetzt darstellt. Das Land war ihm wichtiger als die Partei, das stimmt. Aber er opferte sich nicht nur, um die Steiermark vor den Freiheitlichen zu bewahren. Er hat die SPÖ im Bund beschädigt und im Land vor eine Zerreißprobe gestellt, auch um sein Andenken zu bewahren und um einen Vertrauten, einen Gefolgsmann, zu seinem Nachfolger zu machen.

Wie lange sich dieser halten wird? Die „Realsozis“ werden sich früher oder später der FPÖ, mit der sie theoretisch ja die Mehrheit im Landtag stellen könnten, annähern. Das wird den ein oder anderen ÖVP-Politiker in Versuchung führen, sich selbst zum schwarz-blauen Landeshauptmann aufzuschwingen. Die Karten sind neu gemischt. Das Spiel geht von vorne los.

Achtung, wichtiger Hinweis! Sollten Sie „ Borgen“ und „House of Cards“ noch nicht gesehen haben, dann holen Sie das unbedingt nach. Und lesen Sie hier bitte nicht weiter. Die Fiktion in der dänischen „Borgen“ unterscheidet sich tatsächlich nicht von unserer Realität, Abfangjäger und Jagdeinladungen nach Schottland inklusive. Das „House of Cards“, das Kartenhaus in Washington, kann man an zwei Ecken aber wirklich nicht mit dem „House of Graz“ (© Satireseite „Tagespresse“) vergleichen: Am Ende triumphiert bei uns nicht die Politik über die Wirtschaft. Und es fließt kein Blut. Man muss nicht gleich zum Mörder werden, um in höchste Staatsämter zu gelangen. Immerhin.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: weissenberger.eva@news.at

Kommentare

Laleidama

Lese immer sehr aufmerksam Ihre Berichte. Voves hat u.a. die Bundespartei beschädigt. Stimme Ihnen zu. Wenn Sie dann vergleichen, welche Leute da in der SPÖ STMK. zur Disposition stehen, dann frage ich, war Voves ein Diktator, der nichts aufkommen ließ? Warum gibt es in der SPÖ weit und breit keinen fähigen Nachwuchs außer es sind die Kinder der eigenen Funktionäre.......

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