Theater an der Wien von

Romantik in
der Psychofalle

Theater an der Wien - Romantik in
der Psychofalle © Bild: Monika Rittershaus
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Die Aufführung der romantischen Oper "Euryanthe" von Carl Maria von Weber am Theater an der Wien zeigte vor allem eines: Dieses Werk steht viel zu selten auf den Spielplänen. Die Ouvertüre zählt zum gängigen Konzertrepertoire, aber die Partitur ist nahezu unbekannt. Zu Unrecht. Die Musik lässt hören, weshalb Richard Wagner Carl Maria von Weber schätzte. "Euryanthe" ist wie eine Fundgrube für Wagners "Lohengrin", aber nicht nur.

Regisseur Christof Loy versucht, aus der vertrackten Geschichte über Intrigen, Treue, Triebe und Gier ein psychologisches Kammerspiel zu generieren. Wie in den meisten seiner Inszenierungen ließ er von Johannes Leiacker einen weißtapezierten Raum bauen. Dorthin verlegt er das Geschehen, das im frühesten Mittelalter in einem Königsschloss, einem Garten und in einer düsteren Felsschlucht spielt. Den Kostümen (Judith Weihrauch) lässt Loy die Handlung in 1950er Jahren spielen.

Das Liebespaar Euryanthe und Adolar wird von Eglantine und Lysiart getrennt. Denn Englantine begehrt Adolar und Lysiart beneidet ihn um sein Ansehen und seine Liebe zu Euryanthe.

© Monika Rittershaus

Loy zeigt das Quartett der Protagonisten als vom (Liebes-)Wahn Getriebene. Das Konzept geht auf. Die Personenführung ist akkurat, limitiert das Spiel aus der deutschen Romantik auf eine Art Therapiesitzung. Jacquelyn Wagner überragt als Titeldarstellerin mit ihrem herrlich geführten Sopran das Ensemble. Zu Beginn setzt sie ihren Sopran, der ein breites Farbenspektrum abdeckt, etwas zurückhaltend ein, aber wie sie sich steigert, wie sie lyrische Passagen vorträgt, ist atemberaubend. Ihr Sopran klingt wie geschaffen für Wagner-Partien. Ihre Figur ist eine Art Elsa (aus Wagners "Lohengrin"), stimmlich wäre sie die Idealbesetzung für Elisabeth ("Tannhäuser"). Die Vorfreude auf ihre Eva in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" bei den Salzburger Osterfestspielen ist geweckt. Norman Reinhardt zeigt Adolar als traumatisierten Kriegsheimkehrer, überzeugt jedoch mehr darstellerisch als durch seine Stimme. Sein hart klingender Tenor ist über weite Passagen sehr gut geführt, aber ausbaufähig. Sein Andrew Forster-Williams rackert sich mit der Partie des Lysiart, Adolars Gegenspieler, ab. Dass Loy ihn die Arie, in der er sein unerhörtes Begehren ausdrückt, ganz entblößt singen lässt, ist ärgerlich und alles andere als notwendig. Theresa Kronthaler rast als Englantine über die Bühne, überschlägt sich in stimmlichen Ausbrüchen. Stefan Cerny komplettiert mit seinem eher schlanken Bass als König. Makellos intoniert der Arnold Schönberg Chor.

Constantin Trinks führt das ORF Radio-Symphonieorchester sehr schlicht, sehr hart durch die Partitur ohne wirklich Emotionen zuzulassen. Dennoch ist die Aufführung ein Plädoyer für dieses selten gespielte Werk.