Europas Milchbauern auf den Barrikaden: Millionen Liter Milch aus Protest verschüttet

Viele Protestaktionen vor Weltmilchgipfel in Berlin Faymann verspricht österreichischen Bauern Hilfe

Europas Milchbauern auf den Barrikaden: Millionen Liter Milch aus Protest verschüttet © Bild: APA

Europas Milchbauern steigen aus Protest gegen die niedrigen Preise auf die Barrikaden. Bei Demonstrationen wird europaweit Milch im großen Stil ausgekippt. Deutsche und französische Milchbauern blockierten zunächst die Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg und schütteten symbolisch zwei Liter Milch in den Rhein aus. Anschließend fuhren 60 bis 70 deutsche sowie zehn französische Schlepper auf ein Feld und gossen dort Milch aus 35 Container- und Güllewagen (5.000 Liter Milch pro Wagen) aus. Die Blockade der Europabrücke dauerte 45 Minuten. In dieser Zeit war die Brücke für den Verkehr komplett gesperrt. In Berlin kam die Milchindustrie zu ihrem jährlichen Weltgipfel zusammen.

In Österreich beteiligten sich Sonntagvormittag rund 200 Bauern mit 80 Traktoren an einer Mahnfahrt auf den Salzburger Gaisberg und haben dort rund 150 Liter Milch an Wanderer und Radfahrer verschenkt. Auch in Kärnten sind Milchbauern wieder auf die Straße gegangen, um gegen den drastischen Milchpreisverfall zu protestieren.

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann hat den Milchbauern unterdessen Hilfe zugesagt. Bei einem Gespräch mit Vertretern der IG Milch räumte Faymann ein, dass viele Bauern bei einem Preis von 25 Cent pro Liter Milch nicht überleben könnten. Ziel müsse sein, die Milchmenge zu reduzieren und eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel einzuführen. Faymann will die Vorschläge der Milchbauern nun in der Regierung besprechen.

Merkel will für Milchpreise kämpfen
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde am Sonntag vor einem Wahlkampfauftritt im bayerischen Lindau von rund 500 Milchbauern mit Transparenten, Kuhglocken, lauten Pfiffen und Buhrufen empfangen. Auch Merkel versprach, für vernünftige Milchpreise zu kämpfen. "Es ist nicht in Ordnung, dass die Europäische Kommission die Augen verschließt vor der Situation der Milchbauern. Für mich gehört die Erzeugung von Nahrungsmitteln zu dem, was unsere Heimat ausmacht."

Ihrerseits forderte die Bundeskanzlerin jedoch von den Milchbauern, in ihrem Kampf um faire Milchpreise an einem Strang zu ziehen. Solange Vertreter des Bauernverbandes und des BDM unterschiedliche Positionen vertreten, wüssten Politiker gar nicht mehr, was sie in Brüssel genau sagen sollen. "Setzen Sie deshalb alles daran, dass Sie sich untereinander als Bauern einig sind." Auch in Österreich hat sich die offizielle Bauernvertretung, also Landwirtschaftskammer und Bauernbund, von den Protesten distanziert.

Bauern kippen Milch auf Felder
In Frankreich beteiligt sich nach Angaben der Gewerkschaften jeder zweite Milchbauer an Protestaktionen. Erst am Freitag hatten Landwirte mehrere Millionen Liter Milch auf Feldern verteilt, um gegen die niedrigen Erzeugerpreise zu protestieren. Eine Ende der Demonstrationen ist nicht in Sicht. Nach einem Treffen mit Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire am Samstagvormittag kündigten Gewerkschaftsvertreter an, nicht aufgeben zu wollen. Sie fordern nun, dass Präsident Nicolas Sarkozy sich einschaltet.

Der Vorsitzende der deutschen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, kritisierte eine neue Runde von Preissenkungen im Lebensmitteleinzelhandel - allen voran bei Diskontern. Dringend notwendig sei die "eingehende Prüfung der Versorgungskette für Milchprodukte", die die EU-Kommission angemahnt habe. Die von der deutschen Bundesministerin Ilse Aigner initiierten Runden Tische seien bisher ohne Ergebnis geblieben. Die Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels und der Discounter verhindere eine nachhaltige Entwicklung, rügte Möllenberg.

Proteste lösen Fischsterben aus
Der Protest von Milchbauern während der Agrarministerkonferenz im deutschen Eisleben hat ein Fischsterben ausgelöst und ein juristisches Nachspiel. Aus dem Teich am Kloster Helfta wurde rund eine Tonne toter Fische geborgen, die vermutlich wegen der von den Bauern ausgekippten Milch verendeten. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung.

(apa/red)

Kommentare

Milch hin Milch her. Wie die Bauern seinerzeit die Förderungen bekamen,und die Mercedes Händler mit den Liefern nicht nachkamen hat sich kein einziger Bauer beschwert.Mir tut keiner leid,weil das Jammern wurde ihnen ja in die Wiege gelegt.

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