Europas Elite-Ligen stöhnen über Afrika-
Cup: Vereine stellen 102 Legionäre ab

Wenger und Vogts kritisieren Turnier-Zeitpunkt

Zwei Jahre vor der WM-Endrunde in Südafrika freut sich der ganz Kontinent auf die 26. Auflage des Afrika-Cup in Ghana. Das alle zwei Jahre auf dem Programm stehende Fußball-Fest hat aber auch eine Kehrseite. Es verursacht in den europäischen Top-Ligen Ärger ob des Zeitpunktes. Allein europäische Spitzenvereine müssen für die 16 Nationalteams nicht weniger als 102 Spieler abstellen. Die insgesamt 368 gemeldeten Protagonisten kommen von 209 Vereinen aus 46 Ländern!

Am ärgsten trifft es die französische Ligue 1, die in Ghana durch 43 Kicker "vertreten" ist, dahinter folgt die englische Premier League mit 33 Akteuren. In der Vereinsreihung ist OGC Nizza (5) vor dem Chelsea FC (4) Spitzenreiter, in der Kontinentenwertung Europa (22) vor Afrika (17) voran, wobei noch die USA, Mexiko und Staaten aus dem Mittleren Osten dazu kommen. "Dieser Turnier-Termin macht keinen Sinn. Man kann von den Vereinen nicht verlangen, dass sie mitten in der Saison für mehr als einen Monat auf einige ihrer wichtigen Spieler verzichten", schimpfte Arsenal-Coach Arsene Wenger, der damit indirekt eine Wettbewerbsverzerrung ansprach.

Er muss auf den Kameruner A. Song und die Ivorer Toure und Eboue verzichten. Berti Vogts, der Feldherr von Co-Favorit Nigeria sieht das Problem ähnlich und plädiert deshalb für eine Austragung des Afrika-Cups alle vier Jahre. "Dazwischen könnte man alle zwei Jahre ein Turnier mit in Afrika tätigen Spielern austragen", sagte der Deutsche. Trotz der Kritik und der Vorschläge lehnt der Kontinental-Verband eine Verschiebung des Turniers in Sommer wegen der im Juni und Juli herrschenden Regenzeit strikt ab.

Verbands-Präsident stur
"Solange ich Präsident des afrikanischen Fußball-Verbandes bin, wird sich am Termin nichts ändern", erklärte der CAF-Chef Issa Hayatou dem deutschen Sportmagazin "kicker". Der 26. Afrika-Cup, in dessen Vorfeld rund 100 Millionen Euro zur Renovierung sowie für den Stadion-Neubau in Ghana aufgebracht wurden und dessen 32 Partien bis 10. Februar von Eurosport im TV live übertragen werden, ist zwei Jahre vor der WM für den Kontinent eine Chance, nach den negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen, das Image wieder zu verbessern.

So hatten der Mord am Österreicher Peter Burgstaller während der WM-Gruppen-Auslosung in Durban, die Absage der Rallye Dakar wegen Terror-Gefahr in Marokko oder die Unruhen in Kenia, denen u.a. der 400-m-Läufer Lucas Sang zum Opfer fiel, lange Schatten geworfen. So betrachtet, könnte die kontinentale Fußball-Meisterschaft auch zu einem "Cup der guten Hoffnung" werden. Die Stars wie Drogba, Eto'o, Essien und wie sie alle heißen, müssen nur was draus machen.

Kreis der Favoriten groß
Zum erweiterten Kreis der Favoriten zählen Titelverteidiger und Rekordsieger Ägypten, Gastgeber Ghana, die Elfenbeinküste, Nigeria, Kamerun, Mali, Marokko und Tunesien. Zu den unberechenbaren Außenseitern gehört Guinea, der sonntägige Gegner von Ghana im Eröffnungsspiel in Accra. Wie wichtig der Afrika-Cup für einen anderen Underdog ist, beweist der Senegal. Um das Team am Mittwoch im ersten Spiel gegen Tunesien stimmkräftig zu unterstützen, wird der Präsidenten-Jet zum Fan-Charter umfunktioniert.

"Die Anhänger werden im Flugzeug des Staatsoberhauts Abdoulaye Wade nach Ghana geflogen", heißt es aus dem Sportministerium, das für 425 Bürger in Tamale auch ein Camp für Unterkünfte eingerichtet hat. Begründet wird der ungewöhnliche Charter damit, dass sich die Fans die normalen Tickets nicht leisten könnten und der Weg durch Westafrika zu Land wegen schlechter Straßen und Räuberbanden gefährlich sei.

(apa/red)