Europäische Weltraumsonde erreicht Ziel:
"Venus-Express" in Umlaufbahn unterwegs

ESOC: Manöver ist "wie im Bilderbuch verlaufen" 5 Monate nach Start erreicht Orbiter Nachbarplanet

Europäische Weltraumsonde erreicht Ziel:
"Venus-Express" in Umlaufbahn unterwegs

Die Weltraumsonde Venus-Express ist planmäßig in eine Umlaufbahn um ihren Zielplaneten eingeschwenkt. Zuvor hatte das Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt die Triebwerke des mehr als 1,2 Tonnen schweren Geräts um 9.17 Uhr für etwa 50 Minuten gezündet. Dadurch wurde die Sonde der europäischen Weltraumbehörde ESA abgebremst, so dass sie von der Schwerkraft der Venus eingefangen wurden.

Dabei wurden 570 Kilogramm Treibstoff verbraucht, der größte Teil der Vorräte an Bord der Sonde. Die Manöver seien wie im Bilderbuch verlaufen, sagte eine ESA-Sprecherin. Schon am Donnerstag erwarten die Wissenschaftler die ersten Infrarot-Bilder der Sonde.

Damit hat das Raumfahrzeug nach über 400 Millionen Kilometern sein Ziel erreicht. Wäre das Bremsmanöver fehlgeschlagen, wäre Venus-Express mit der unverminderten Geschwindigkeit von rund 29.000 Kilometern pro Stunde am Zielplaneten vorbeigerast. Das hundert Millionen Euro teure Gerät hätte aufgegeben werden müssen. Venus-Express war vergangenen November vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur in Kasachstan aus gestartet.

In den kommenden Tagen soll die Sonde noch weitere Kurskorrekturen durchführen, bis sie Anfang Mai ihre endgültige Umlaufbahn um den rätselhaften Erdnachbarn erreicht hat. Wenn alles nach Plan läuft, wird Venus-Express erste wissenschaftliche Daten schon in wenigen Tagen senden. Das volle Erkundungsprogramm soll allerdings erst im Mai anlaufen. Venus-Express soll dann mindestens 500 Tage lang Messdaten senden. Wegen der extremen Bedingungen auf der Venus-Oberfläche erkundet das Raumfahrzeug den Planeten aus sicherem Abstand heraus. In der Venus-Atmosphäre herrschen Temperaturen bis nahe 500 Grad Celsius, der Luftdruck ist etwa 90 mal größer als auf der Erde.

Frühere Erkundungen amerikanischer und russischer Satelliten haben gezeigt, dass die Venus-Oberfläche außerordentlich trocken und mit kilometerhoher Vulkane durchsetzt ist. Während auf dem Boden nahezu Windstille zu herrschen scheint, toben in der höheren Atmosphäre Hurricane-ähnliche Stürme mit Geschwindigkeiten bis zu 400 Kilometern pro Stunde. Einige Wissenschaftler halten es für möglich, dass es auf der Venus einmal Leben gab oder dass es sich sogar erhalten hat. Großes Interesse an den Daten von Venus-Express haben auch Klimaforscher. Sie erhoffen sich Erkenntnisse über die Entwicklung der irdischen Atmosphäre, vielleicht auch eine Antwort auf die Frage, ob Venus die Zukunft der Erde zeigt. (apa/red)