Wirtschaftskrise von

IWF-Chefin: "Krise nicht vorbei"

Lagarde warnt Europa vor Nachlässigkeit - Niedrige Inflation bringt neue Risiken

Wirtschaftskrise Symbolbild © Bild: Thinkstock

Die Schuldenkrise in Europa ist nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) trotz der wirtschaftlichen Erholung noch nicht ausgestanden. "Einige Länder haben die Hilfsprogramme erfolgreich beendet", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). "Aber das heißt nicht, dass die Krise vorbei und unsere Mission erfüllt ist."

Vor allem in den Südländern des Euroraums hätten es Unternehmen deutlich schwerer, Kredite zu bekommen.

"Außerdem bringen die dauerhaft niedrigen Inflationsraten zusätzlich Risiken mit sich", fügte Lagarde hinzu. Die Europäische Zentralbank (EZB) rief sie dazu auf, "weiterhin Wachstumsimpulse" zu geben. In der Pflicht seien aber insbesondere die Regierungen. "Vor allem muss die Wettbewerbsfähigkeit der Länder verbessert werden. Hier geht es zum Beispiel um Strukturreformen auf den Arbeitsmärkten", sagte die IWF-Chefin.

Dem Blatt zufolge warnte sie Deutschland davor, sich auf seiner wirtschaftlichen Führungsrolle auszuruhen. "Der eingeschlagene Weg in der Rentenreform sollte weiterverfolgt und nicht abgebrochen werden. Insbesondere dort, wo die Lebenserwartung weiter steigt", sagte sie. "Das sind Hausaufgaben für alle europäischen Länder, inklusive der Klassenbesten."

Zahlungsverzug hemmt die Unternehmen spürbar

Verspätete Zahlungen hemmen die Wirtschaft zudem spürbar. Eine Vielzahl von Firmen kann deshalb weniger Mitarbeiter einstellen oder muss gar Jobs abbauen, ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage im Auftrag des internationalen Inkasso-Büros Intrum Justitia. Geplante Investitionen oder eine Expansion müssten manchmal deshalb abgeblasen werden. Am härtesten getroffen werden mittelgroße Firmen.

Laut European Payment Index 2014 gibt eine von vier europäischen Firmen an, dass Zahlungsrückstände sogar zu Kündigungen geführt haben. Obwohl sowohl die Konsumenten als auch die Öffentliche Hand ihre Rechnungen rascher zahlen als im Jahr davor, ist die Summe der Forderungsausfälle von 3,0 auf 3,1 Prozent gestiegen. In Österreich entsprechen die Forderungsausfälle 2,1 Prozent der Unternehmensumsätze. 55 Prozent der europaweit befragten 10.000 Unternehmen gaben an, dass sie mit Zahlungsrückständen oder Zahlungsausfällen von Rechnungen konfrontiert sind.

Die befragten Unternehmer spüren mehrheitlich auch noch keinen Wirtschaftsaufschwung. In Österreich gaben nur 25 Prozent an, sie hätten positive Wirkungen wahrgenommen, in Schweden, Ungarn oder Serbien traf das überhaupt nur auf zwei Prozent der Befragten zu. Positiver gestimmt sind die Führungskräfte in den Niederlanden, Dänemark und Litauen, wo 36 bis 44 Prozent der Befragten Anzeichen für die Erholung der Wirtschaft feststellten.

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