"Europa muss Opfer bringen": Kissinger in NEWS über Welt nach Bush, McCain, Obama

"USA müssen sich in multilaterale Weit eingliedern" 85-Jähriger ist ein Urgestein der US-Außenpolitik

"Europa muss Opfer bringen": Kissinger in NEWS über Welt nach Bush, McCain, Obama © Bild: Reuters

Er gilt als das Urgestein der US-Außenpolitik: Henry Kissinger, 85, der sich bedingungslos der Realpolitik verschrieben hat. Zu Zeiten, als China auf der diplomatischen Landkarte der US-Anicht existierte, setzte er sich ins Flugzeug und traf einen verblüfften Mao. Die Öffnung Chinas, die Abrüstungspolitik mit der UdSSR und der Friedensschluss im Vietnamkrieg zählen zu den Höhepunkten seiner Karriere, die ein Friedensnobelpreis krönte.

Doch mit seiner umstrittenen Rolle beim Militärcoup in Chile 1973 offenbarte er auch die Schattenseite dieser Realpolitik. Dass man Regime auch ohne offenes Visier ändern kann, daran erinnert er auch im NEWS-Interview in seiner Analyse des Irak-Feldzuges. Anlässlich des EM-Finales war Kissinger auf Einladung seines langjährigen Freundes Bundespräsident Heinz Fischer in Wien.

NEWS: In einem halben Jahr kommt es in den USA zu einem politischen Groß-Finale: der Wahl des nächsten Präsidenten. Sie haben Ihre Unterstützung für den Republikaner John McCain betont. Warum soll er gewinnen?
Kissinger: McCain ist seit über dreißig Jahren ein sehr enger Freund von mir. Das ist deshalb keine parteipolitische Entscheidung. Ich unterstützte ihn schon 2000, als er gegen George W. Bush in den Vorwahlen antrat. Er wäre ein guter Präsident für die USA, und es wäre gut für alle, wenn er gewönne.

NEWS: Obama erweist sich als Naturtalent, liegt in den Umfragen voran und steht für den dringend nötigen frischen Schwung in den USA. Überzeugt Sie das kein bisschen?
Kissinger: Es ist vielleicht sehr populär, ständig von Veränderung zu sprechen. Freilich ist dies nötig. Doch er spricht nur von Veränderung als Konzept, ohne irgendwelche Inhalte zu präzisieren. Wir müssen endlich darüber reden, was sich denn verändern muss, nicht einfach nur dieses eine Wort ständig wiederholen.

NEWS: In welchem Bereich, denken Sie, wäre eine inhaltliche Veränderung in der Politik der USA am dringendsten nötig?
Kissinger: Ich denke da zuerst an die Beziehungen zwischen den USA und Europa. Ich gehöre noch jener Generation an, die am Aufbau der Nato mitwirkte. Die Beziehung zu Europa muss wieder Fundament unserer Außenpolitik werden. Ich empfand die Abkühlung des Verhältnisses als großes Problem. Am Anfang der Bush-Präsidentschaft wurden zu viele Entscheidungen im Alleingang getroffen, ohne auf die Einwände unserer Verbündeten zu hören. Nur, manche Europäer benützten dies als Alibi dafür, bestimmte Dinge nicht zu tun, die sie so oder so nicht gewollt hätten. Jetzt müssen beide Seiten alles daran setzen, diese Beziehung zu reparieren. Die USA müssen sich wieder in die multilaterale Welt eingliedern, Europa muss bereit sein, Opfer zu bringen.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS 27/08!