Europa League von

Sturm ohne Glück

Grazer gehen gegen Lok Moskau in Führung und verlieren dann doch noch mit 1:2

Europa League - Sturm ohne Glück © Bild: APA/EPA/Zangrado

Ein Flutlichtausfall, eine vergrößerte Verletztenliste und null Punkte. Für Sturm Graz ist der Auftakt in der Europa League gänzlich misslungen. Die Steirer mussten sich im ersten Spiel der Gruppe L vor 13.356 Zuschauern in der UPC-Arena gegen Lok Moskau nach gutem Beginn verdient mit 1:2 geschlagen geben. Imre Szabics hat die Truppe von Chefcoach Franco Foda zwar in Front gebracht (14.), Victor Obinna (28.) und Dmitri Sytschew (29.) drehten die Partie aber zugunsten der Russen, die nun schon elf Pflichtspiele in Folge (8 Siege, 3 Remis) ungeschlagen sind.

Damit verpatzten die Grazer wie auch schon beim letzten Europa-League-Antreten 2009 (0:1 gegen Dinamo Bukarest) den Auftakt. Im nächsten Spiel geht es am 29. September auswärts gegen AEK Athen, die Griechen unterlagen auswärts dem RSC Anderlecht mit 1:3.

Die personelle Situation spitzte sich bei den Grazern weiter zu. Zu den Ausfällen von Koch, Kienast, Säumel und Gratzei, dessen Arthroskopie-Ergebnis am Donnerstag geheim gehalten wurde, gesellten sich vor der Partie noch Dudic und Sandro Foda sowie während dem Spiel Hölzl (Schlag auf Oberschenkel) und Feldhofer (wegen Gehirnerschütterung im Spital).

Peinlicher Flutlichtausfall
Die Zuschauer und Spieler mussten 40 Minuten auf den Beginn der Partie warten. Ein ausgefallener Flutlichtmast hatte den Anpfiff des portugiesischen Schiedsrichters Bruno Miguel Duarte Paixao verzögert. Zudem war bereits zuvor insgesamt viermal der Strom im Stadion ausgefallen. "Das ist eine Peinlichkeit sondergleichen", ärgerte sich Präsident Gerald Stockenhuber. Man habe in der vergangenen Woche alle Aggregate überprüft. "Anscheinend hat sich aber irgendwo der Fehlerteufel eingeschlichen", fügte Stockenhuber hinzu.

Das Flutlicht wurde beim Neustart nicht mehr voll aufgedreht, um einen neuerlichen Ausfall, der wohl eine Verschiebung des Spiels mit sich gebracht hätte und für die Grazer "von den Kosten ein Desaster" gewesen wäre, zu verhindern. Die Grazer zeigten sich davon unbeeindruckt und legten einen Traumstart hin. Nach einer Kombination über Weber und Wolf traf Szabics mit einem überlegten Schuss vom 16er genau ins Eck (14.). Der Ungar hatte gleich darauf nach einem Solo im Strafraum auch das 2:0 auf den Beinen, sein Schuss wurde aber von Burlak gerade noch abgewehrt (15.).

Doppelschlag der Gäste
Lange durften sich die 13.356 Fans aber nicht freuen. Zuerst wurde die Verletztenliste mit dem Ausfall von Hölzl noch größer, dann kam es innerhalb von zwei Minuten knüppeldick. Einen Schischkin-Freistoß lenkte Obinna zum 1:1 ins Tor ab (28.). Keine 60 Sekunden später erhöhte Sytschew via Abstauber mit links auf 2:1, nachdem Gluschakow aus 35 Metern nur die Latte getroffen hatte (29.). Es war wie ein Weckruf für die Russen, die daraufhin den Ball gut laufen ließen und die Partie absolut im Griff hatten.

Zur Pause musste Foda neuerlich tauschen, Feldhofer musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus, für ihn rückte Pürcher in die Innenverteidigung, die alles andere als einen geruhsamen Abend hatte. Gluschakow traf aus vier Metern im Rutschen das leere Tor nicht (61.). Für die in der Offensive völlig harmlosen Grazer war ein Volleyschuss von Standfest, mit dem Guilherme keine Mühe hatte, die einzige Ausbeute (59.). Daran konnte auch der in der 66. Minute eingewechselte Stürmer-Routinier Haas bei seinem Europa-League-Debüt nichts ändern.

Bereits am Sonntag steht für die stark ersatzgeschwächten Grazer in der Meisterschaft das Heimspiel gegen Wacker Innsbruck auf dem Programm. Damit gab es am ersten Europa-League-Spieltag für die heimischen Vereine nichts zu holen, zuvor hatten bereits Salzburg (1:3 auswärts gegen Paris St. Germain) und die Austria (1:2 ebenfalls nach 1:0-Führung gegen Metalist Charkiw) Niederlagen einstecken müssen.

Reaktionen
Franco Foda (Sturm-Graz-Trainer): "Wir haben nur in der ersten Hälfte 25 Minuten gut nach vorne gespielt, leider haben wir die Chance auf das 2:0 nicht genutzt. Wir haben uns aus einer Standardsituation total aus dem Konzept bringen lassen, das darf auf diesem Niveau nicht passieren. Wir üben solche Situationen 100 Mal im Training, da entstehen fast nie Tore. So einfache Tore darf man einfach nicht bekommen. Nach der Pause haben wir zu viele Passfehler gemacht, zu langsam gespielt und der eine oder andere war nicht in der Lage, 90 Minuten Tempofußball zu spielen. Uns fehlt ein Leadertyp, der die Mannschaft dann auch führt. Es wäre mehr drinnen gewesen, wir haben in der zweiten Hälfte aber zu wenig ins Spiel nach vorne investiert. Es bringt jetzt nichts zu jammern (Anm.: wegen der Verletzungsproblematik)."

Imre Szabics (Sturm-Graz-Stürmer): "Wir haben zwei unnötige Tore aus Standardsituationen gekriegt, da müssen wir besser aufpassen. Das darf auf diesem Niveau nicht passieren. Ich weiß nicht woran das liegt. Ich freue mich, wenn wir abgeschrieben werden, dann werden wir aufsteigen."

Jose Couceiro (Lok-Moskau-Trainer): "Ich bin natürlich zufrieden, weil wir das frühe Gegentor mit einem Doppelschlag wettgemacht haben. Die zweite Hälfte hat mir nicht gefallen, wir haben zwar das Spiel kontrolliert, aber keine Tore gemacht, was gefährlich war, weil der Ausgleich jederzeit hätte fallen können."

SK Sturm Graz - Lok Moskau 1:2 (1:2).
Graz, UPC-Arena, 13.356 Zuschauer, SR Bruno Miguel Duarte Paixao (POR).

Torfolge:
1:0 (14.) Szabics
1:1 (28.) Obinna
1:2 (29.) Sytschew

Sturm Graz: Cavlina - Standfest, Feldhofer (46. Pürcher), Burgstaller, Popchadse - Wolf, Weber, Muratovic (66. Haas), Hölzl (21. Kainz) - Bodul, Szabics

Lok Moskau: Guilherme - Schischkin, Burlak, Durica, Janbajew - Ibricic (46. Zapater), Osdojew, Gluschakow - Obinna (69. Ignatjew), Sytschew (76. Caicedo), Maicon

Gelbe Karten: Standfest, Popchadse bzw. Ibricic, Maicon