ESM von

Europa atmet auf

Niedrigere Zinsen - Italien profitiert vom BVG-Urteil zum ESM

Die deutschen Höchstrichter bei der ESM-Entscheidung in Karlsruhe © Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH

Die Zinsen für Staatsanleihen sinken in Europa in Folge des ESM-Urteils in Deutschland:-Krisenländer Italien und Irland haben sich nach dem grünen Licht des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm ESM so günstig Geld geliehen wie lange nicht mehr. Italiens Zinsen für dreijährige Staatsanleihen fielen bei einer Auktion auf den niedrigsten Stand seit knapp zwei Jahren. Irland wagte sich zum zweiten Mal in diesem Jahr an den Kapitalmarkt: Investoren begnügten sich mit einem halb so hohen Zins wie bei dem Comeback seit fast zwei Jahren im Juli. Auch an den Börsen macht sich Optimismus breit. Unterdessen bestätigt die Europäische Zentralbank (EZB) im Notfall massiv Staatsanleihen zu kaufen. Ein Ratsmitglied der EZB hält es jedoch für möglich, dass die EZB ihre umstrittenen Anleihenkäufe gar nicht fortsetzen muss.

Die Rendite für dreijährige Papiere Iatliens sank auf 2,75 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit Oktober 2010. Bei einer Emission im Juli waren es noch 4,65 Prozent. Die Rendite für Papiere mit Laufzeit bis 2026 lag bei 5,32 (zuvor 5,9) Prozent. Bei Anleihen bis 2017 betrug die Rendite 3,71 Prozent.

"Es zeigt, wie viel Optimismus da ist", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities. Er verwies auf das Staatsanleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank, auf das BVG-Urteil und auf die Aussicht, dass die US-Notenbank am Donnerstag für eine weitere Konjunkturstütze (QE3) sorgen könnte.

Das Karlsruher Gericht hatte am Mittwoch den Weg für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM freigemacht und damit in der Politik und an den Börsen für große Erleichterung gesorgt.

EZB will weiter intervenieren

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen ihre Bereitschaft zu weiteren Anleihekäufen bekräftigt. "Die Spannungen an den Staatsanleihemärkten im Euro-Währungsgebiet haben auch in den Sommermonaten angehalten und sich sogar verstärkt", schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht.

Der EZB-Rat hatte vor einer Woche den Weg für notfalls unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten wie Spanien und Italien freigemacht. Im Rahmen des Kaufprogramms könnte die EZB Bonds mit kürzerer Laufzeit von einem bis drei Jahren kaufen, um die Zinslast für angeschlagene Euro-Schwergewichte wie Spanien und Italien zu drücken. Die Notenbank hatte bereits in der Vergangenheit gelegentlich Papiere aus Krisenländern erworben, allerdings nur in begrenztem Umfang.

Kritik, die Notenbank verstoße mit Anleihekäufen gegen das Verbot der Staatsfinanzierung mit der Notenpresse, wies die EZB zurück: "Der EZB-Rat handelt strikt im Rahmen seines Mandats zur Gewährleistung von Preisstabilität auf mittlere Sicht."

Nah Ansicht ihres Ratsmitglieds Panicos Demetriades muss die EZB unter Umständen jedoch gar keine Staatsanleihen kaufen. "Niemand wird gegen die unbegrenzte Feuerkraft einer Zentralbank spekulieren", sagte Zyperns Zentralbankchef der Nachrichtenagentur Bloomberg. "So etwas stabilisiert Währungen von Ländern, bei denen Investoren das wissen. Es würde zum Beispiel auch keiner gegen die (US-Notenbank) Federal Reserve zocken."

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