Euro-Krise von

Spanien herabgestuft

Neuer Rückschlag: Kreditwürdigkeit gesunken. Portugal stellt drakonische Sparpläne vor.

Euro-Krise - Spanien herabgestuft © Bild: Reuters

Nach der Ratingagentur Fitch hat auch Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von Spanien herabgestuft. Beide Agenturen bewerten das Land mit der vierthöchsten Note "AA-", das heißt einer nur noch guten Bonität. Bei S&P besaß Spanien vorher ein leicht besseres "AA". Wie Fitch schloss auch S&P eine weitere Verschlechterung nicht aus und setzte den Ausblick auf negativ. Die Herabstufung hat dem Höhenflug des Euros in Asien einen Rückschlag versetzt.

Die Abstufung vom späten Donnerstag erhöht den Druck auf Spanien. Denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto höhere Zinsen werden für die Aufnahme neuer Schulden fällig.

Gestiegene Risiken
"Wir sehen gestiegene Risiken für Spaniens Wachstumsperspektiven aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, den angespannteren finanziellen Bedingungen, dem immer noch hohen Niveau der Verschuldung im privaten Sektor und einem wahrscheinlichen wirtschaftlichen Abschwung bei Spaniens wichtigsten Handelspartnern", begründete S&P in London den Schritt. Als weitere Gefahr nannten die Experten die absehbare Abkühlung der Konjunktur.

Besonders Spaniens Banken werden in immer größere Schwierigkeiten geraten, fürchtet die S&P. Erst am Dienstag hatte die führende Ratingagentur die Bonität von zehn Instituten des Landes gesenkt, darunter die beiden Branchenriesen Banco Santander und BBVA. Auch sie haben nun ein "AA-".

Standard & Poor's drohte sogar schon mit der nächsten Abstufung des Landes. Auch Italien war zuletzt unter Beschuss der drei großen Ratingagenturen geraten, zu denen zudem noch Moody's zählt.

Harter Sparplan für Portugal
Mit drakonischen Einsparungen im kommenden Jahr will die portugiesische Regierung das Budgetdefizit des Landes senken. Regierungschef Coelho stellte am Donnerstag kurz vor Mitternacht in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache den Etat für 2012 vor, der zuvor vom Kabinett verabschiedet worden war. "Das Land durchlebt eine Zeit des nationalen Notstandes", sagte der Regierungschef.

Unter anderem kündigte Coelho an, dass Staatsbedienstete mit einem Monatsgehalt von über 1000 Euro vorübergehend auf ein 13. und 14. Monatsgehalt verzichten müssten. Im Privatsektor solle die Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Tag angehoben werden, außerdem seien "Anpassungen" bei der Urlaubszeit geplant. Die Mehrwertsteuer auf zahlreiche Güter und Dienstleistungen soll auf den Normalsatz von 23 Prozent angehoben werden, Ausgaben bei Bildung und Gesundheit sollen gekürzt werden.

Zu den Einschnitten gehören außerdem die Streichung von Steuerabschreibungsmöglichkeiten für Besserverdienende und eine "tiefgreifende Umstrukturierung" des stark defizitären staatlichen Unternehmenssektors. Die seit Juni amtierende liberal-konservative Regierung will zudem die Besteuerung von Finanztransfers erhöhen, die Offshore-Zentren und Steuerparadiese als Ziel haben.

Die meisten Maßnahmen gelten für die nächsten zwei Jahre. Die Sparpläne für 2012 sollen am Montag dem Parlament vorgelegt werden. Das Parlament muss noch Ende November in letzter Lesung über den Haushaltsentwurf 2012 abstimmen. Eine Zustimmung gilt allerdings aufgrund der großen Regierungsmehrheit als sicher.

Als Gegenleistung für das 78 Milliarden schwere Hilfspaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss das hochverschuldete Euro-Land dieses Jahr das Budgetdefizit von 9,8 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Das Ziel für 2012 beträgt 4,5 Prozent. Die von Brüssel erlaubten drei Prozent sollen 2013 erreicht werden.

Rating versetzt Euro in Asien einen Dämpfer
Die wachsenden Zweifel haben dem Euro in Fernost einen Rückschlag versetzt. Während der Euro im europäischen Devisenhandel stabil blieb, reagierten die Börsen in Fernost empfindlich auf die Rückstufung Spaniens. Dennoch blieb er damit auf Kurs für das größte Plus binnen einer Woche seit Jänner. Seit Montag hat er insgesamt um 2,5 Prozent zugelegt.

"Der Euro hatte einen ziemlich guten Lauf in der Woche", sagte Greg Gibbs von RBS. Vor dem Euro-Gipfel zur Lösung der Schuldenkrise am 23. Oktober bauten sich spürbar Erwartungen unter den Händlern auf. Am Freitag treffen sich zudem die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industriestaaten und Schwellenländer, um ihre Politik abzustimmen. Von dem Treffen wurden in Asien keine marktbewegenden Nachrichten erwartet.

Euro und Dollar gaben zum Yen nach. Der Euro wurde mit 105,63 Yen gehandelt, der Dollar bei 76,88 Yen.