Euro-Krise von

Ratlosigkeit bei G-20

Treffen in Paris: Zahlreiche Ratschläge an Euro-Länder aber kein offener Streit

Euro-Krise - Ratlosigkeit bei G-20 © Bild: APA/EPA

Eine deftige Abreibung haben die Europäer, anders als im Vorfeld befürchtet, beim G-20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Paris letztlich doch nicht erhalten - aber eine klare Ansage. "Es blieb ziemlich ruhig, nicht so nervös wie in Washington vor zwei Wochen", schilderte einer der Verhandlungsmatadore die Atmosphäre in Paris.

Ungeschoren blieben die Europäer wegen ihrer Strategie zur Bekämpfung der Schuldenkrise im Euro-Raum und namentlich zur Abwendung einer Griechenland-Pleite aber nicht". "Es gab viele Ratschläge", beschrieb ein Delegierter vielsagend die Debatte und sprach von hohem Erwartungsdruck an Europa, namentlich aber Deutschland". Derweil taten die Deutschen und die Franzosen alles, um Hoffnung zu nähren, dass am Ende doch alles gut wird.

"Nicht viel Neues"
Die Geschäftsmäßigkeit ist kein Indiz, dass Gelassenheit im Umgang mit den aktuellen Gefahren im G-20-Kreis eingekehrt wäre: beileibe nicht. "Nicht viel Neues", lautete der Kommentar eines Spitzenmannes aus Europa zum Pariser Treffen. Es sei aber viel Ratlosigkeit zu spüren, wie man die Krise in den Griff bekommen kann.

Keiner kann sich aufspielen "Für einen ruhigeren Ton hat wohl auch gesorgt, dass keiner im G-20-Kreis Grund hat, sich als erfolgreicher Krisenbekämpfer aufzuspielen", sagt ein Delegierter. Die US-Regierung hat gerade erfahren, dass ihr neues Job-Programm im Kongress gescheitert ist. Die Japaner kämpfen heftig mit eigenen Wachstums- und Fiskalproblemen und in Schwellenländern, wie China oder Brasilien, stimmen zwar noch die Wachstumsraten einigermaßen, doch Inflationsgefahren und binnenwirtschaftliche Probleme drücken auch dort auf die Stimmung.

Befreiungsschlag
Dennoch: die Probleme der Europäer mit Griechenland und anderen Schuldenländern drängten in Paris so einiges in den Hintergrund. Fast alle G-20-Partner - von Barack Obama über Chinas Führung bis hin zu Brasilien und Kanada - hatten die Europäer in den letzten Wochen gedrängt, mit einem umfassenden Befreiungsschlag - in Rede standen Billionenbeträge an Krediten und Garantien - das Krisenfeuer auszutreten. In Paris versuchten daraufhin die Deutschen und Franzosen zumindest Zeichen zu setzen.

Schäuble bei Sarkozy zum Lunch
Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble wurde - allein das ein Signal - von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum Lunch empfangen. Danach sprach Schäuble nur noch von einer "gemeinsamen Position Deutschlands und Frankreichs" zur Anti-Krisenstrategie. Drei Mal sagte er das, mit leicht veränderter Diktion, nach dem Treffen mit Sarkozy. Den Partnern der G-20 sollte das zeigen: die beiden EU-Führungsmächte sind sich einig, wie die Krise im Euro-Raum bekämpft, Griechenland stabilisiert und die Banken mit weiterem Kapital gegen Gefahren immunisiert werden sollen. Und damit ist dann auch eine Einigung in Europa beim kommenden EU-Gipfel programmiert.

Doch ganz so weit ist man wohl noch nicht. Ins Detail wollten beide Seiten nämlich nicht gehen. Auch ließ Schäubles Bemerkung von einem "intensiven" und "sehr offenen" Gespräch mit Sarkozy aufmerken. Sollte etwa gar gestritten worden sein? Und die Frage, ob nun alles klar sei, wurde jedenfalls auf vorsichtige Nachfrage von Eingeweihten mit einem "noch nicht ganz" beantwortet.

Keine geschlossene Einheit
Ein weiteres bleibt aber, nicht erst seit dem Treffen in Paris: Als geschlossene Einheit tritt die Staatengruppe aus den 20 großen Industrie- und Schwellenländern (G-20) in der aktuellen Krise ohnehin nicht auf. Dabei soll dieses G-20-Forum die Rolle als entscheidendes Abstimmungsinstrument in der vernetzten Welt-Finanz- und Wirtschaftspolitik von heute und morgen spielen. Beispielhaft wird im Streit um die Frage, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) - dem beim Kampf gegen Krisen die weltweit wichtigste Schaltstelle - noch mehr Geld erhalten soll, nicht zuletzt, um den Europäern in der Krise zu helfen. Die USA sagen Nein, auch die Deutschen halten den IWF für ausreichend dotiert. Die Franzosen sind offen, die großen Schwellenländer aber teils vehement dafür. Von 350 Milliarden Dollar mehr ist die Rede.

Doch was steht hinter der etwas überraschenden Bereitschaft der Schwellenländer, mehr in den IWF zu zahlen und darüber auch den Europäern zu helfen? "Wer das Geld in die Musikbox wirft, macht die Musik", beantwortet ein Kenner diese Frage. Es geht also um ein weiteres Stück Machtverschiebung in der Welt - am Beispiel des Internationalen Währungsfonds: die alten Industrieländer Europas sind auf dem absteigenden Ast, die aktuelle weltwirtschaftliche Führungsmacht USA verliert an Gewicht - und die dynamischen Schwellenländer mit China an der Spitze drängen nach vorne, auch in den wichtigen Institutionen.