Euro-Krise von

Lange Liste von Problemen

G-20-Gipfel unter keinem guten Stern: EZB-Präsident kommt nicht nach Cannes.

Euro-Krise - Lange Liste von Problemen © Bild: APA/DPA/Grimm

Der G-20-Gipfel steht unter keinem guten Stern: Nachdem Griechenland seine Abstimmung zum Rettungspaket angekündigt und die Euro-Zone in helle Aufregung versetzt hatte, droht dem Gipfel der nächste Tiefschlag. Der frisch gewählte Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi, derzeit wohl wichtigster Mann im Kampf gegen die Euro-Krise, wird am Gipfel nicht teilnehmen.

Draghi, der sein Amt erst am Dienstag angetreten hat, sei in Frankfurt unabkömmlich wegen der Vorbereitung der EZB-Sitzung an diesem Donnerstag, sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch auf Anfrage. Draghi werde am Donnerstagabend zum G-20-Gipfel stoßen.

Bei dem Sondertreffen am Mittwoch sei die EZB auf Direktorenebene vertreten, sagte der Sprecher. Nach der überraschenden Ankündigung Griechenlands, das Volk über die neuen Milliardenhilfen abstimmen zu lassen, wollen unter anderem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei dem Treffen die neu aufgeflammte Griechenland-Krise erörtern.

Beim G-20-Gipfel stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

Großbanken
Internationale und stark vernetzte Banken und Versicherer, sogenannte systemrelevante Finanzinstitute, müssen sich auf strengere Vorgaben für das Eigenkapital einstellen. Auch soll es wie in Deutschland ein spezielles Verfahren für Bank-Pleiten geben, damit sie ohne Hilfe der Steuerzahler abgewickelt werden können.

Schattenbanken
Da Banken und Versicherer zunehmend unter die Lupe genommen werden, weichen Finanzjongleure in unregulierte Bereiche aus. In diese "Schattenbanken" werden Risiken ausgelagert. Inzwischen sollen Schattenbanken mancherorts mehr Kapital verwalten als herkömmliche Geldhäuser. Das soll eingedämmt werden.

Weltwährungssystem
Es gilt, offensichtliche Schwächen zu beheben - dazu gehören hohe und andauernde Ungleichgewichte, die starke Dominanz des US-Dollars als Reservewährung sowie starke Schwankungen bei Wechselkursen und Kapitalströmen.

Wechselkurse
Hier geht es nicht nur um China, das seine Währung künstlich niedrig hält und so seine Exporte ankurbelt. Auch die USA stehen wegen des niedrigen Dollar-Wechselkurses und der Liquiditätsflut in der Kritik. Unter dem schwachen Dollar leiden andere Exportnationen. Brasilien und Japan etwa versuchen, eine Aufwertung ihrer Währung zu verhindern.

Währungsreserven
Das Bestreben einiger Schwellenländer, ihre Währungen zu den wichtigsten Handelswährungen US-Dollar und Euro stabil zu halten, ließ die weltweiten Reserven enorm anwachsen. Die Währungsreserven lagen Ende des ersten Quartals 2011 weltweit bei 9.640 Milliarden US-Dollar (7 Billionen Euro).

Kapitalströme
Problematisch sind auch wieder wachsende Kapitalflüsse in die Schwellenländer. Dort legen viele Investoren ihr Geld an, was zu einer Aufwertung der Währung eines Schwellenlandes mit negativen Folgen für dessen Exporte führt. Sie sind so auch anfälliger für einen abrupten Kapitalabzug im Zuge spekulativer Attacken. Viele Schwellenländer steuern daher mit Kontrollen für den Devisenverkehr gegen, um große Schwankungen zu vermeiden und Kapitalzuflüsse zu bremsen. Die G-20 wollen jedoch Eingriffe, die den freien Kapitalverkehr einschränken, nur als letztes Mittel zulassen.

Lokale Anleihemärkte
Verwundbar ist das Währungssystem auch durch eine steigende Verschuldung von Schwellenländern in ausländischer Währung. Die G-20 vereinbarten daher einen Aktionsplan zur Entwicklung lokaler Anleihemärkte in Schwellenländern. Sie sollen so gegen äußere Schocks besser abgeschirmt werden.

IWF-Währungskorb
Der Aufstieg des chinesischen Yuan zu einer Weltwährung bleibt offen. Die G-20 loten weiter aus, inwieweit der Yuan eine stärkere Rolle in einem künftigen Weltwährungssystem spielen kann. Bisher sind neben dem US-Dollar und dem Euro das britische Pfund und der japanische Yen in dem Korb.