Euro-Krise von

Kollaps weiterhin möglich

Nach Griechen-Wahl: Austro-Ökonomen warnen vor zu großer Zuversicht

Euro-Krise - Kollaps weiterhin möglich © Bild: APA/EPA/PAnagioutou

Österreichische Ökonomen warnen davor, den Wahlsieg der Spar-Befürworter in Griechenland überzubewerten."Das ist ein erster wichtiger Schritt". Ob ein Kollaps verhindert werden könne, sei weiterhin offen, sagte der Linzer Ökonom Friedrich Schneider. Die "scheinbare Freude" sei nicht berechtigt, weil kein Konsens bei den griechischen Parteien über die Reformen bestehe, erklärte Ulrich Schuh, Chef des industrienahen Forschungsinstituts EcoAustria. Für den Wifo-Ökonomen Stephan Schulmeister ist "Griechenland nicht das Problem, sondern systemische Ursachen".

Für Schneider muss nun rasch eine wirtschaftliche Belebung durch Projekte der Europäischen Investitionsbank (EIB) und EU-Infrastrukturfonds ausgelöst werden, etwa im Tourismus- und Transportsektor. Die griechische Wirtschaft schrumpft heuer bereits das fünfte Jahr in Folge. Die EU und Griechenland müssten nun "aufeinander zugehen". Der griechische Staatshaushalt könne nicht saniert werden, wenn die Wirtschaft in der Rezession ist, gab Schneider zu Bedenken. "Die EU hat die Verpflichtung, Griechenland entgegenzukommen." Das griechische Gesundheitswesen stehe vor dem Kollaps. "Hier brauchen wir ein Stück europäische Solidarität."

Die griechische Regierung müsste außerdem versuchen, die "Fluchtgelder" wieder ins Land zu bekommen. Ein Schwarzgeld-Steuerabkommen mit der Schweiz müsste "sehr rasch" ausverhandelt werden. Der Ökonom rechnet damit, dass 5 bis 10 Mrd. Euro aus der Schweiz zurückgeholt werden könnten

Austritt kein Problem
Ulrich Schuh macht das Wahlergebnis in Griechenland "mittelfristig Sorgen". Man sei von einem "klarem Zeichen weit entfernt". Die Sparmaßnahmen würden der Opposition in Zukunft noch mehr Zuspruch bringen. Auch Schuh befürwortet ein Schwarzgeld-Steuerabkommen Griechenlands mit der Schweiz.

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone macht dem Ökonomen hingegen nicht allzu große Sorge. Die griechische Wirtschaftsleistung beträgt nur 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts (BIP) der Eurozone.

Problematisch für den Ökonomen ist zudem die fehlende Wirtschafts-und Fiskalpolitik in der Eurozone. "Der Bevölkerung wird aber kein reiner Wein eingeschenkt." Denn eine Stärkung der Gemeinschaft würde eine "beträchtliche Rücknahme der nationalen Souveränität" bedeuten. Es gebe dann für Österreich "wenig Spielraum" bei der Budgeterstellung und man sei verpflichtet anderen Euro-Ländern zu helfen. Gemeinsame Anleihen - sogenannte Eurobonds würden in "absehbarer Zeit" notwendig. Um das "Überleben des Euro" zu sichern könnten entsprechende Maßnahmen auch bald gesetzt werden.

Der Wifo-Ökonom Stephan Schulmeister sieht hingegen die "unregulierten Finanzmärkte" als Hauptproblem, Griechenland sei ein Symptom dieser Entwicklung. Ein Währungsraum und "völlig freie Finanzmärkte" würden nicht zusammenpassen. "Die Politik muss wieder Kontrolle über die Zinsentwicklung bekommen", betonte der Ökonom. Wenn die Politik nicht schnell dazulerne und etwa Eurobonds einführe, werde man in eine wirtschaftliche Depression wie im Jahr 1929 schlittern. "Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", so Schulmeister.

Um die Kapitalflucht in Griechenland oder auch in Spanien einzudämmen, sollte es eine generelle Garantie für inländische Sparguthaben geben, fordert der Wifo-Ökonom. Dann würden verunsicherte Sparer wieder ihr Gelder aus Deutschland nach Hause holen.

Syriza an Regierung beteiligen
Raiffaisen Chefanalyst Peter Brezinschek sieht im Ausgang der Griechenland-Wahl hingegen eine gewisse Beruhigung, dass jene Kräfte gewählt wurden, die sich zu einem konstruktiven Dialog mit Europa bekennen. Griechenland geht Brezinschek davon aus, dass der Wahlsieger Nea Dimokratia und die Sozialisten (PASOK) eine Regierung bilden, durchaus vernünftig wäre es das Linksbündis SYRIZA einzubeziehen. Die zwei ursprünglich für die Krise verantwortlichen Parteien hätten nun die Chance zur Wiedergutmachung. Griechenland habe eine Basis geschaffen, dass man Austrittsszenarien für einige Monate ad acta legen und sich von europäischer Seite mit positiven Dingen und Wachstumsimpulsen beschäftigen könne, auch um zu vermitteln, dass Europa Griechenland nicht im Stich lasse. Für Griechenland werde es ein langer Weg werden. Es werde wohl zwei bis drei Jahre dauern, bis Strukturmaßnahmen wirkten.

Kommentare

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Freude über Griechenland? Warum ? Weil die anstatt sofort ein wenig später Pleite gehen ? Weil Kreditgeber jetzt wieder ihre Zinsforderungen höher schrauben können wenn wir alle für die Schulden blechen ? Weil die EU Politik genauso unfähig ist wie zum Zeitpunkt des Beitritts Griechenlands ? Weil die Politik nachwievor zu feige ist den Finanzmarkt zu regulieren und Spekulationen aller Art gesetzlich zu verbieten ? Also worüber sollen wir und freuen ? Das wir weiterhin Milliarden versenken und dafür keinen Gegenwert erhalten ?

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Re: Freude über Griechenland? http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/griechenland-das-land-lebt-seit-seiner-geburt-im-totalen-bankrott-11645836.html

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