Euro-Krise Griechenland von

Samaras wirbt bei Merkel

Griechischer Ministerpräsident hofft in Berlin auf Reformaufschub

Der griechische Ministerpräsident Samaras erörtert heute in Berlin mit der deutschen Bundeskanzlerin Merkel das weitere Vorgehen in der Euro-Schuldenkrise. Der seit Juni in Athen amtierende Regierungschef wirbt für mehr Zeit und einen Aufschub bei den Sparvorgaben für sein krisengeschütteltes Land. Merkel lehnt Lockerungen bei den Reformauflagen sowie ein drittes Hilfspaket bisher ab.

Entscheidungen werden bei dem Treffen im Kanzleramt noch nicht erwartet. Zunächst soll der Bericht der Geldgeber-"Troika" aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission abgewartet werden. Der "Troika"-Bericht soll im September vorliegen. Am Samstag kommt Samaras in Paris zu Gesprächen mit dem französischen Präsidenten Hollande zusammen.

"Krise gemeinsam überwinden"
Merkel und Hollande hatten sich zuvor am Donnerstagabend in Berlin abgestimmt. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen haben sich die beiden Politiker bei ihrem Abendessen darauf verständigt, die Krise in der Eurozone "gemeinsam und entschlossen" zu überwinden. Man sei sich einig gewesen, dass Glaubwürdigkeit der Schlüssel zur Beendigung der Krise sei, hieß es.

Vorbereitungen auf Ausstieg
Unterdessen bereitet sich die deutsche Regierung offenbar konkret auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vor. Wie die "Financial Times Deutschland" aus dem deutschen Finanzministerium erfuhr, befasst sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Staatssekretär Thomas Steffen mit den Folgen eines möglichen Austritts für Deutschland und den gesamten Währungsraum. "Die Kollegen stellen Berechnungen über die finanziellen Folgen an und überlegen, wie sich ein Dominoeffekt auf die anderen Euro-Staaten verhindern lässt", hieß es im Ministerium.

Eigener Arbeitsstab
Ein Sprecher von Finanzminister Schäuble sagte der Zeitung: "Es gibt einen Arbeitsstab, der sich schwerpunktmäßig um die Staatsschuldenkrise kümmert." Es sei richtig, dass sich eine Regierung auf alle Szenarien vorbereite, auch auf unwahrscheinliche. Sollte Griechenland den Euro aufgeben müssen, kämen voraussichtlich Spanien, Italien, Portugal und möglicherweise auch Frankreich an den Finanzmärkten stark unter Druck. Die Arbeitsgruppe tage regelmäßig und vertraulich.

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