Euro-Krise Griechenland von

Athen will mehr Zeit

Regierungschef Samaras bittet bei Reformen um "ein wenig Luft zum Atmen"

Euro-Krise Griechenland - Athen will mehr Zeit © Bild: Reuters/Yannis/Behrakis

Wenige Tage vor seinen geplanten Besuchen in Berlin und Paris hat der griechische Regierungschef Antonis Samaras mehr Zeit zur Umsetzung der von den internationalen Geldgebern des Landes verlangten Reformen gefordert. Was Griechenland wolle, sei "ein wenig Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen", sagte Samaras der "Bild"-Zeitung. Athen fordere "kein zusätzliches Geld" und stehe zu seinen "Verpflichtungen und zur Erfüllung aller Vorgaben". "Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld", sagte der konservative Politiker.

Samaras forderte die EU-Partner zugleich zu mehr Solidarität auf. Er beklagte eine "Negativpsychologie, die wie ein tiefes schwarzes Loch ist". "Wir kommen bei Strukturreformen und Privatisierungen voran, und es ist nicht fair, wenn uns manche in Europa immer wieder in dieses Loch zurückstoßen wollen", sagte Samaras der Zeitung. Ein mögliches Ausscheiden Athens aus dem Euro und eine Rückkehr zur Drachme nannte er "eine Katastrophe", der ein "wirtschaftlicher Kollaps, soziale Unruhen und eine nie dagewesene Krise der Demokratie" folgen würden. "Am Ende wäre es wie in der Weimarer Republik", warnte Samaras mit Blick auf den Aufstieg der Nationalsozialisten in der Zwischenkriegszeit. Nach seinen Worten ist nach einem Euro-Ende mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 40 Prozent zu rechnen, mit fünf weiteren Rezessionsjahren und einem drastischen Rückgang des Lebensstandards. "Welche Gesellschaft, welche Demokratie könnte das überleben", fragte er.

Deutschland bleibt hart
Die Bitte um Aufschub stößt in Deutschland auf taube Ohren. "Die Kernzeitachse, die das Reformprogramm bis 2014 festlegt, darf nicht verschoben werden", mahnte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle mit Blick auf den Besuch von Samaras bei der deutschen Kanzlerin Merkel am Freitag in Berlin. Brüderles Unionskollege Volker Kauder stieß ins selbe Horn und schloss "Nachbesserungen" am Terminplan kategorisch aus.

Einem hochrangigen Vertreter des griechischen Finanzministeriums zufolge muss die Regierung in den kommenden beiden Jahren sogar mehr Geld auftreiben als bisher berechnet. Der Staat müsse weitere 2 Mrd. Euro einsparen oder zusätzlich zusammenkratzen, um die mit seinen Geldgebern im Gegenzug für die Hilfe vereinbarten Ziele zu erreichen, sagte der Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Wegen der schlechten Wirtschaftslage und schleppender Steuereinnahmen seien insgesamt 13,5 Mrd. Euro nötig, damit netto der verabredete Effekt von 11,5 Mrd. Euro erreicht werde.

Unionsfraktionschef Kauder forderte Samaras mit Blick auf dessen Planspiele für einen Aufschub bei den Reformen auf, die Mitgliedschaft in der Währungsgemeinschaft zu überdenken: "Wenn einer die Anforderungen nicht mehr erfüllen kann, muss er selbst die Entscheidung über den Verbleib in der Euro-Zone treffen", sagte Kauder der "Passauer Neuen Presse".

Kommentare

Eigentlich ....... ......ist das eine bodenlose Frechheit !
Vom Beitritt bis zum (wahrscheinlichen) Ende verarschen uns diese griechischen Politiker. Wenn es unsere Politiker immer noch nicht bemerkt haben, dann tun sie mir ehrlich leid und ich bin immer noch der Meinung dass sie mit ihrer (vorgetäuschten) Naivität somit den Rest des europäischen Volkes schweren Schaden zufügen.
Wie lange lassen sie (und wir) sich noch hinhalten?
Das grenzt jetzt schon an unverhohlene Verhöhnung !

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