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Fußball im Schatten des Terrors?

So sicher sind das ÖFB-Team und seine Fans bei der Fußball-EM in Frankreich

SOCCER - FRA vs GER, test match © Bild: GEPA pictures

Rund eine Milliarde Euro kosten die Sicherheitsmaßnahmen während der Euro 2016 in Frankreich. Österreichs Team und seine Fans zählen nach Geheimdienstberichten aber nicht zu den ersten Anschlagszielen.

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Hinter den Kulissen wird eifrig gearbeitet, nach außen ist bis jetzt wenig durchgedrungen. Nur so viel: Die Kosten für die Sicherheit der 24 Nationalteams, der erwarteten zwei Millionen Fans, in den Public Viewing-Zonen und in den zehn Stadien der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich erreichen einen historischen Höchstwert. Organisationskomitee und die Sicherheitsbehörden des Gastgeberlandes Frankreich kalkulieren inzwischen mit Kosten von rund einer Milliarde Euro. Bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine vor vier Jahren kam man noch mit 400 Millionen Euro durch, bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz reichten kolportierte 250 Millionen.

Schon nach dem blutigen Terroranschlag gegen das Satiremagazin „Charlie Hebdo” im Jänner 2015 in Paris schrillten bei den Veranstaltern und der Uefa alle Alarmglocken. Die Gewaltorgie der islamistischen Terrorkommandos am 13. November rund um das freundschaftliche Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France versetzte nicht nur die Fußballfans in ganz Europa in Angst und Schrecken.

Allerdings zeigt sich millionenfache Nachfrage nach Tickets für die 51 EM-Spiele, dass die Fußballfans vor den Terroristen nicht in die Knie gehen wollen. Vor allem aus Österreich ist der Fan-Ansturm überdurchschnittlich hoch. Offiziell sind rund 33.000 Tickets für die drei Vorrundenspiele gegen Ungarn, Portugal und Island exklusiv für österreichische Fans reserviert. Tatsächlich werden am Ende geschätzte 50.000 Österreicher mit gültigen Tickets nach Frankreich fahren. Doppelt so viele werden ihnen folgen, einmal in der Hoffnung, doch noch ein Ticket für eines der Österreich-Spiele auf dem „Schwarzmarkt” zu ergattern, andererseits um der Mannschaft zumindest räumlich nahe zu sein und in den Public Viewing-Zonen des Spielorts mit zu fiebern. Macht insgesamt über 100.000 Österreicher, die sich voraussichtlich im Juni 2016 Richtung Frankreich auf den Weg machen.

Tendenz zur vorsichtigen Entwarnung

Wie ist die Gefahrenlage tatsächlich? Und wie ist sie für österreichische Fans im Besonderen? Die französischen Geheimdienste, zu denen Österreich traditionell beste Kontakte unterhält, sollen in einer ersten Einschätzung aller Teilnehmernationen vorsichtige Entwarnung gegeben haben. Österreich zählt nach dieser Beurteilung des Gefahrenpotentials als neutrales Land und Nichtmitglied der Nato nicht zu den ersten Zielen der Terroristen. Außerdem schlägt der Österreichische Fußballverband das Basiscamp der Nationalmannschaft mitten in der Provence auf, also etwas weiter weg vom Schuss. Als vorrangige Terrorziele gelten dagegen die Quartiere im Großraum Paris, das betrifft in erster Linie die Teams von den britischen Inseln wie England, Wales oder auch Irland.

ÖFB und Innenministerium haben auch eine gemeinsame Taskforce eingerichtet, in der die Sicherheitsmaßnahmen sowohl für das Nationalteam wie für österreichischen Fans in Frankreich koordiniert werden. Fest steht bis jetzt: Für die eigentliche Sicherheit im und um das Team-Basiscamp in Mallemort, auf halbem Weg zwischen Avignon und Aix-en-Provence, ist das Organisationkomitee der Euro 2016 zuständig. Das Innenministerium selbst wird mit zumindest einem hochrangigen Verbindungsbeamten im französischen Innenministerium vertreten sein. Und sogenannte szenekundige Beamte werden die organisierten Fanreisen begleiten und auch an den Spieltagen mit österreichischer Beteiligung als Ansprechpartner vor und in den Stadien zur Verfügung stehen.

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